DBT Nachlese

Digital Business Trends – Event zum Thema Digital Commerce

- Bei einer Veranstaltung der „Digital Business Trends“ diskutierten Experten am vergangenen Donnerstag in Wien, wie technische Innovationen den Handel verändern und was dadurch auf die Branche zukommt. Thema war unter anderem, wie man mit dem Wandel umgehen kann, um nicht unter die digitalen Ränder zu gelangen. von Theresa Amann

Volles Haus bei der Digital Business Trends Veranstaltung im Haus der Musik in Wien (Foto: APA - Austria Presse Agentur/Katharina Roßboth)

Volles Haus bei der Digital Business Trends-Veranstaltung im Haus der Musik in Wien (Foto: APA/Katharina Roßboth)


Vergangene Woche fand am 26. März 2014 im Haus der Musik in Wien ein Event der Veranstaltungsreihe „Digital Business Trends“ statt. Diese wird gemeinsam von der APA – Austria Presse Agentur und styria digital one (SD one) organisiert. Bei zehn Networking-Veranstaltungen pro Jahr trifft sich in Österreich die digitale Branche zum Meinungsaustausch und diskutiert über Markenentwicklungen, Technologien und Innovationen. Thema am vergangenen Donnerstag war unter anderem Digital Commerce, wie technische Innovationen den stationären Handel nachhaltig verändern.

„Die Zeit des stationären Handels hat in manchen Bereichen ein Ablaufdatum. Viele traditionelle Geschäftsmodelle zerbrechen. Der Wandel erfolgt großteils unbemerkt, und das Tempo ist immens hoch. Dabei wird es Gewinner und sehr, sehr viele Verlierer geben“, erklärte Werner Wutscher, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens New Venture Scouting und zuvor unter anderem langjähriger Vorstand von REWE International.

Schauen wir mal, was passiert

Der Handel agiere derzeit noch häufig nach dem Motto: „Schauen wir mal, was passiert.“, so Wutscher weiter. Unternehmen, die die anstehenden Fragen der Kunden nicht beantworten und sie mit den Entwicklungen allein lassen würden, „riskieren aber einen massiven Vertrauensverlust – und Vertrauen ist die wichtigste Währung der Händler“. Gerade im Lebensmittelbereich stehe man erst am Anfang der Diskussion. Dabei gehe es nicht um punktuelle Einzelmaßnahmen wie Apps oder einen Online-Shop, sondern um wirklich neue Geschäftsmodelle. „Man muss alle Prozesse im Unternehmen hinterfragen – von der Zulieferkette über die Infrastruktur bis zu Personalfragen.“

Eine weitere Schwierigkeit bestehe in der zunehmenden Komplexität, „weil auch der traditionelle Kunde abgeholt werden muss“. Unterstützung bei den anstehenden Änderungen könnten Kooperationen mit Start-ups bieten. Viele große Unternehmen würden aber Probleme haben, mit den Jungunternehmen zu kommunizieren. Derzeit sei jedenfalls noch viel im Fluss: „Wer ihnen sagt, wie der Handel in sieben Jahren ausschaut, lügt.“

Nicht ganz einverstanden mit manchen Argumenten von Wutscher zeigte sich Boris Marte, Leiter des Innovationslabors von Erste Bank und Sparkassen. Für die junge Generation gebe es keinen Wandel, „für sie ist das ganz einfach die Wirklichkeit“. Die Veränderungen seien nicht zuallererst schnell, sondern vor allem massiv und nachhaltig. Und mit Start-ups sollte man sich seiner Meinung nach nur einlassen, wenn tatsächlich Bereitschaft zu Veränderungen im Unternehmen vorhanden ist.

95 Prozent der Umsätze stationär

„Der Kunde schätzt Convenience und will nicht primär sein soziales Gewissen befriedigen“, pflichtete René Tritscher, Geschäftsführer der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich, bei. Die Welt habe sich aber nicht radikal verändert: Auch wenn viele Informationen vorab im Netz abgerufen würden, kaufe man hauptsächlich vor Ort. Fakt sei, dass in Österreich noch immer 95 Prozent des Einzelhandelsumsatzes stationär erwirtschaftet würden. Allerdings gebe es im Online-Bereich enorme Steigerungen, während das Ladengeschäft stagniere.

Vor allem große Unternehmen würden sich im Internet engagieren, was die Sorge schüre, „dass die kleinen Betriebe das verschlafen“. Ein Wermutstropfen sei, dass die Hälfte der jährlichen Internet-Ausgaben der Österreicher – rund drei Milliarden Euro – an den ausländischen Online-Einzelhandel bzw. zu (Marken-)Herstellern fließt. Hier gebe es sehr unterschiedliche Rahmenbedingungen, weshalb die österreichische und europäische Politik gefordert sei, für Fairness zu sorgen.

Neue Chancen für KMU

Die Händler stünden mittlerweile mit jedem Retailer weltweit und auch den Produzenten im Wettbewerb, betonte Peter Neubauer, Partner von Werbeplanung.at. Er sieht aber auch Vorteile für KMU: „Technologie ist ein großer Gleichmacher und bietet daher viele Chancen für Kleinunternehmen.“ Außerdem würde der Orientierungsbedarf der Kunden durch das stetig steigende Angebot zunehmen. „Die Beziehungsebene wird wichtiger“, zeigte sich Neubauer überzeugt.

Online sei ein sehr demokratisches Medium, in dem Sinne, dass die Technologie auch kleinen Unternehmen zur Verfügung stehe, befand auch Siegfried Stepke, Geschäftsführer der Agentur e-dialog. Wichtig sei, die richtige Botschaft im richtigen Umfeld auszuspielen. Schon Kunden und Nicht-Kunden unterschiedlich anzusprechen, hätte große Auswirkungen. „Realtime“ sei dabei nicht nur ein Schlagwort, sondern inzwischen in allen Kanälen ein Muss.

„Der Handel investiert zu Recht massiv in den Online-Bereich. Allerdings wird zum Teil am Design beziehungsweise am Einkaufserlebnis gespart. Das ist ein Fehler“, sagte Oliver Krizek, Geschäftsführer der NAVAX Unternehmensgruppe. Einfach das Papier-Prospekt ins Internet zu stellen, sei zu wenig. Man müsse wissen, wie das Medium funktioniert. Immer wichtiger werde, dass das Online-Angebot auch auf mobilen Endgeräten nutzbar sei.

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