Electronic Shelf Label

Kleines Display, große Wirkung

- Bis zu 25.000 unterschiedliche Artikel lagern in den Regalen großer Supermärkte. Discounter kommen immerhin noch auf rund 1.000 unterschiedliche Artikel. Alle Produkte unterliegen dabei der Preisangabeverordnung oder sogar der Grundpreisauszeichnung. Einfach gesagt bedeutet dies: Jedes Produkt muss am Regal mit einem Preisschild versehen werden. Und hier kommen die elektronischen Preisschilder ins Spiel.  von Oliver Schwede

Electronic Shelf Label

Electronic Shelf Label (Bild: Lancom)

Unter dem Kürzel ESL, dies steht für Electronic Shelf Label, werden die elektronischen Preisschilder gehandelt, die dem Einzelhändler das Leben einfacher oder, noch besser, günstiger machen sollen.

Ständig werden neue Produkte eingeführt, aus dem Sortiment genommen oder preislich verändert. Entsprechend müssen die Preisschilder an den Regalen durch die Angestellten geprüft, ausgetauscht oder angepasst werden. Durch ESLs versprechen sich Einzelhändler in erster Linie eine vollständige Einsparung oder eine große Reduktion der Arbeitszeit, die bisher für die Änderung der Regalauszeichnung aufgewendet wurde. Ein weiterer Vorteil ist die Reduktion von Falschauszeichnungen. Die Management-Software der ESLs ist direkt an das Warenwirtschafts- oder das Kassensystem angeschlossenen. Die Daten stammen somit aus einer gemeinsamen Quelle, sodass Falschauszeichnungen, die bei manueller Änderungen vorkommen können, auf ein Minimum verringert werden. Dies führt zu weniger Kundenbeschwerden und zahlt damit direkt auf die Kundenzufriedenheit ein. Interessant ist auch die Möglichkeit der dynamischen Preisauszeichnung. Trigger, ob nun das Wetter, Lagerbestände oder Anpassungen aufgrund von Online-Preisvergleichen, können direkt ausgewertet und die Preisauszeichnung von Warengruppen oder einzelnen Produkten angepasst werden. Druck- und Papierkosten werden so massiv reduziert. Entsprechend denken viele Einzelhändler über die Einführung von ESLs nach oder investieren schon im großen Stil in die elektronischen Preisschilder.

LCD vs. elektronisches Papier

Prinzipiell gibt es zwei Varianten, für die sich ein Händler entscheiden kann. Die LCD-basierten Schilder, wie bspw. Shelf Vision, oder die auf E-Paper Technik basierenden Displays. Während mittels LC-Displays sämtliche Inhalte farbenfroh und bewegt wiedergegeben werden können, sind die E-Paper Etiketten beschränkt in ihrer Farbdarstellung und können auch kein Bewegtbild wiedergeben. Dafür sind sie günstiger, einfacher anzusteuern, haben eine lange Lebensdauer und sind mit Modifikationen für extreme Einsatzbereiche (bspw. Kühltruhen) erhältlich. Schaut man sich aktuell im LEH oder in Baumärkten um, so entdeckt man kaum LC-Displays, sondern sehr häufig E-Paper basierte Regalbeschilderungen. Diese Schlacht scheint das E-Paper bisher klar für sich entschieden zu haben. Doch der Display-Typ ist nur eine Komponente. Interessierte Händler und Integratoren müssen tiefer in die Materie einsteigen, um die richtige Lösung auszuwählen.

Batterie, Lebensdauer und Funktechnologie

Analog zur Planung von Digital Signage-Systemen sollten Einzelhändler ein ganzheitlichen Blick auf den Einsatz von ESLs vornehmen. Dabei ist die Verwaltung und insbesondere die Übertragung bzw. Ansteuerung von ESLs überaus wichtig, denn diese beeinflusst maßgeblich die Nutzungsdauer der elektronischen Schilder. Die Nutzungsdauer wird beeinflusst, weil diese der Lebensdauer der verbauten Stromversorgung – sprich Batterie – geschuldet ist. Die Lebensdauer eines ESLs kann mehrere Batteriewechsel betragen. In der Praxis ist es allerdings kaum praktikabel die Batterien von Tausenden von ESLs (< 10-Zoll) zu wechseln, da die Kosten des Batteriewechsels im Vergleich zu den Anschaffungskosten pro ELS (8-10 USD) zu hoch sind. Daher sollte das primäre Ziel sein, die Nutzungsdauer und damit die Lebensdauer mindestens auf den Abschreibungszeitraum zu verlängern. Um dies zu erreichen, nutzt der deutsche Netzwerkausrüster Lancom nicht den bekannten WiFi-Standard, sondern setzt eine Funktechnologie ein, die zwar denselben Frequenzbereich von 2.4 GHz, wie WiFi, nutzt – allerdings in einer proprietären Form. Der Vorteil der proprietären Funktechnik liegt darin, dass die Kommunikation zwischen Access Point und ESL auf ein Minimum reduziert wird. Eine Kommunikation findet nur während des Austauschs der Inhalte statt. In der verbleibenden Zeit wird das Funkmodul in den Stand-By gefahren und die Leistungsaufnahme der ESLs soweit reduziert, dass die Nutzungsdauer der Schilder mit drei bis fünf Änderungen pro Tag bei bis zu sieben Jahren liegen kann.

Lancom hat zwei Access Points entwickelt, in dem diese extrem energiesparende Funktechnik neben dem regulären WiFi integriert ist. Zusätzlich verfügen diese speziellen Router über einen iBeacon-Sender mit hoher Reichweite bis 30 Meter, basierend auf Bluetooth Low Energy (BLE). Damit erhält der Einzelhändler ein all-in-one Gerät, in dem drei Technologien vereint sind: WiFi, ESL und iBeacon. Um Interferenzen der drei Funktechnologien zu verhindern, und insbesondere die Ansteuerung der ESLs so zu optimieren, dass die Übertragung neuer Daten reibungslos und damit energieschonend von statten geht, hat Lancom die Router mit einer intelligenten Management-Software ausgestattet. Diese schaltet das WiFi und die iBeacon Funktion in dem Moment ab, in dem die ESLs aktualisiert werden. Das Übertragungssignal wird so nicht durch WiFi und Beacon Funksignale gestört. Die Übertragung der ESL-Daten erfolgt von Seiten des Access Points unter perfekten Bedingungen. Allein Störungen durch Fremdnetzwerke oder elektrische Verbraucher können die Datenübertragung verschlechtern. Dies lässt sich allerdings nicht verhindern, daher quittieren die ESLs eine erfolgreiche Übertragung immer mit einer Empfangsbestätigung. Schlägt die Übertragung fehl, werden die Daten neu übermittelt. Laut Lancom ist die Deaktivierung des WiFi und des Beacons in der Praxis nicht zu spüren.

Ganzheitlicher Ansatz

So kann eine komplette Infrastruktur im Handel aussehen

So kann eine komplette Infrastruktur im Handel aussehen (Grafik: Lancom )

Der Aufbau einer ganzheitlichen Funkinfrastruktur auf Basis einer homogenen Hardware bietet den Vorteil, dass alle Geräte und Dienste, die mittels Funk angeschlossen sind, von zentraler Stelle aus überwacht und verwaltet werden können. Die Virtualisierung von Routern – bis zu 16 unabhängige Router können in einem Gerät virtualisiert werden – reduziert die Infrastrukturkosten bei gleichzeitiger Wahrung höchster Sicherheitsstandards und Verfügbarkeit. Werden mehrere WiFi Access-Points verbaut ist sogar eine Besucherstrom-Analyse möglich und damit die Ausweisung von Laufwegen in Form von Heatmaps. Dies geschieht über das WiFi der Kunden-Handys. Die Mobilfunkgeräte prüfen regelmäßig ob ein bekanntes WLAN-Netzwerk verfügbar ist, an dem sich das Handy anmelden kann. Die Verbindungsanfragen werden von dem jeweiligen WLAN Access-Point gespeichert und an einen zentralen WLAN-Controller weitergeleitet. Diese Informationen können mit spezieller Software analysiert werden. Der komplette Vorgang funktioniert ohne Apps und oftmals auch bei ausgeschalteten WLAN bei den mobilen Geräten. Wer ganz sicher gehen möchte, dass sein WLAN nicht mit einem Access-Point kommuniziert, sollte in den Flugmodus wechseln. Neben der Erstellung von Heatmaps zur Besucherstrom-Analyse bietet diese Technologie aber auch einen weiteren Vorteil für Kunden oder Besucher: die Indoor-Navigation. Durch die Ortung des Mobilfunkgerätes kann die Position auf wenige Meter – abhängig von der Anzahl der Access Points und den baulichen Gegebenheiten – genau bestimmt und diese in Form einer Indoor-Map auf dem Handy dargestellt werden. Ein Mehrwert, den insbesondere Besucher großer Gebäude zu schätzen wissen.

Digitale Beschilderung

Für den Fall, dass die E-Paper Lösungen als Konferenzraumbeschilderung genutzt werden, bietet Lancom Schnittstellen zu Lotus Notes, Exchange und zu iCal, die über die Wireless ePaper Server Software bereit gestellt werden. Damit lassen sich E-Paper basierende Konferenzraumbeschilderungen realisieren, die ohne aufwändige, kabelgebundene Netzwerkinfrastruktur auskommen.

Made in Germany und Austria

Es gibt ESL-Lösungen verschiedenster Anbieter am Markt. Das deutsche Unternehmen Lancom bietet zusammen mit dem österreichischen Unternehmen Imagotag, das 2014 von der französischen Store Electronic Systems (SES) übernommen wurde, eine ganzheitliche Lösung, die über das reine ESL-Thema hinaus geht. Wem Sicherheit besonders wichtig ist, wird bei Lancom ebenfalls positiv überrascht. Ein Teil des Router-Portfolios verfügt über eine Sicherheitszertifizierung des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

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