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Tatort – vereinfachte Produktion und Post-Poduktion

- Im Frühjahr 2016 wird ein neuer Tatort mit Wotan Wilke Möhring ausgestrahlt. Der soeben abgedrehte Krimi „Himmelfahrt“ wurde mit neuen 4K-Digitalkameras umgesetzt. Bei der Postproduktion erhalten jetzt bessere Workflows Einzug, die sich auch für die Kreation von anderem Bewegtbild-Content nutzen lassen. von Thomas Kletschke

Tatort-Folge "Himmelfahrt" - Filmcrew am Set (Foto: Panasonic)

Tatort-Folge „Himmelfahrt“ – Filmcrew am Set (Foto: Panasonic)

Eine Leiche am Airport Hannover: Was zunächst ausschaut, wie ein blinder Passagier, der beim Anflug auf Hannover-Langenhagen aus dem startenden Jet gefallen ist, entpuppt sich als Vertuschungsversuch für einen Mord.

Als Hauptkommissar Falke wird sich Wotan Wilke Möhring des Falles annehmen. Wie genau die Story verläuft, können TV-Zuschauer dann in etwa 10 bis 12 Monaten erleben. Bis zu 12 Millionen Zuschauer verfolgen einen Tatort bei dessen Ausstrahlung.

Seit Einführung des Formats im Jahr 1970 haben zahlreiche Kommissarinnen, Kommissare und Teams aus der Schweiz, Österreich und Deutschland ermittelt. Erzählerisch und ästhetisch wurde schon so manches ausprobiert. Dabei haben sich einige der Tatort-Teams als die – nach Marktanteil oder nach Krititkermeinung – spannenderen herausgestellt.

Die vom NDR verantworteten Tatorte mit dem Bundespolizei-Kommissar zählen dabei jeweils nicht zu den schlechtesten. In Punkto Bildsprache wurde hier mit Kommissar Falke schon einiges probiert, ohne es überzustrapazieren, etwa der Einsatz von Drohnen beim Dreh – und simultan auch in der Handlung.

Jetzt hat die Produktionsfirma Wüste Medien GmbH aus Hamburg die Folge „Himmelfahrt“ abgedreht (Regie: Özgür Yildirim). Als lichtsetzender Kameramann war der Schweizer Matthias Bolliger im Einsatz, der ebenfalls mit Yildirim auch beim im August startenden Kinofilm „Boy7“ kreativ tätig war, einem Thriller nach einem Jugendbuch. Während das kreative Gespann dort in digitalem 35mm produzierte, wurde der Tatort für die Full HD-Ausstrahlung produziert.

Zum Einsatz kam dabei eine 4K-fähige Kamera von Panasonic, mit der sich diverse technische – und damit bildsprachliche – Spielereien umsetzen lassen. Bolliger, der auch schon die erste Folge mit Tatort-Kommissar Falke gedreht hat, hat in den vergangenen Jahren stereoskopische Dokumentationen sowie Werbevideos gedreht, unter anderem auch für Panasonic. Dennoch wird Wotan Wilke Möhring im Jahr 2016 nicht doppelt sehen – oder der Zuschauer dreidimensional. Denn trotz Bolligers Vorliebe für 3D-Stereoskopie bleibt der Look zumindest diesbezüglich konventionell, verrät der Chefkameramann auf invidis-Nachfrage.

Gedreht wurde sowohl in Full HD, wie in 4K, so Bolliger weiter. Damit kann das Team in vorher definierten Szenen beim Grading die Vorteile des höher auflösenden und mit anderen Farbräumen arbeitenden Formats nutzen. Eingesetzt wurden Kameras vom Typ VariCam 35, die im September 2014 auf den Markt kam. Die Kamera enthält einen neu entwickelten 35mm-Super-MOS-Sensor. Er ermöglicht Aufnahmen mit einer variablen Frame-Rate von bis zu 120 fps in 4K. Die Kamera unterstützt verschiedene Formate, inklusive 4K und UHD in AVC-ULTRA, sowie 2K und 1080p HD in AVC-Intra 100. Auch bei Farbraum und Grading ist die Hardware auf Produktionen in echtem 4K (4.096 x 2.160p) und UHD (3.840 x 2.160p) entsprechend vorbereitet.

„Der generelle Eindruck der VariCam 35 ist vielversprechend“, sagt DoP Matthias Bolliger. „Das Bild wirkt cineastisch, kein Farb-Clipping in den Lichtern und ein guter Schwarz-Weiß-Kontrast in den Schatten. Die duale native ISO-Funktionalität bei 800 und 5000 ISO ist sehr nützlich und erlaubte uns, neue Wege in der Lookentwicklung und technischen Umsetzung unseres Krimiformats zu gehen. Vom Blickpunkt der Postproduktion aus gesehen ist die simultane Aufnahme mehrerer Datenströme bahnbrechend und wird sich mit ziemlicher Sicherheit in den nächsten Jahren durchsetzen.“

Vor allem der letzte Aspekt kann künftig in Bezug auf Bewegtbild- (Post-) Produktion auch zum Trend für werbliche (DooH) oder andere Einsätze (Digital Signage) werden. Da die Kamera über zwei unabhängige zugehörige Recorder verfügt, kann beispielsweise ein Inhalt in 4K gerdreht werden, der später in die Post-Produktion geht – simultan wird dazu ein 2K Video aufgezeichnet, das man für TV-Broadcasting oder Vorschauen nutzen kann. So ließe sich ein Ultra HD-Inhalt produzieren, den man nachbearbeitet – zeitgleich dazu der Inhalt für eine Ausspielung in Full HD über vorhandene Full HD-Screens.

Billig ist die UHD-Produktion oder die Erstellung von noch höherwertigen reinen 4K-Content nicht. Für die Post-Produktion in DCI-P3 und dem noch größeren Farbraum Rec.2020 sind zahlreiche weitere Peripherigeräte notwendig, beispielsweise passende Screens. Allein ein passender Monitor wird derzeit mit 5.000 Euro zu veranschlagen sein.

Bei dem Tatort-Dreh wird diese Recording-Funktion über zwei Recorder allerdings so genutzt, das der höher auflösende Teil für den Schnitt genutzt wird; das andere Material ist als Muster im Einsatz. Auch bei dieser Anwendung werden die Arbeitsabläufe vereinfacht.

Da Bewegtbildproduktionen arbeits- und kapitalintensiv sind – und solche in 4K oder UHD zumindest derzeit besonders teuer – eine erwünschte Einsparung bei gleichzeitig höherer möglicher Qualität.

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