Tauglichkeitstest

Sonnenlicht taugliche Displays im Vergleich

- Digital Signage im Handel setzt sich immer mehr durch. Sehr oft werden dabei auch Bildschirme im Schaufenster verbaut. Das Problem: Inhalte können oft nicht wahrgenommen werden, weil die Geräte zu lichtschwach sind. Doch wieviel Helligkeit ist notwendig? Wir sind der Frage mit Unterstützung der Seen Media nachgegangen. von Oliver Schwede

ADAC Reisebüro in direkter Nachbarschaft zum TUI Flagshipstore setzt auf kleinere aber lichtstrakere Display im Schaufenster (Foto: invidis)

ADAC Reisebüro in direkter Nachbarschaft zum TUI Flagshipstore setzt auf kleinere aber lichtstrakere Displays im Schaufenster (Foto: invidis)

Einen Bildschirm aufgrund seiner Helligkeit zu bewerten stellt eine gewisse Herausforderung dar. Denn oftmals lassen es die Zeit und die räumlichen Möglichkeiten nicht zu geeignete Tests in realen Umgebungen durchzuführen. Schnell verlässt man sich auf die Angaben im Datenblatt und einen ersten visuellen Test in einer Umgebung, die oftmals nicht mit den Lichtverhältnissen am Installationsort übereinstimmt (Displays im Schaufenster).

Aktuelle Displays verfügen über eine große Bandbreite von Helligkeiten. Angefangen von 450 Candela bis hin zu 3.500 oder sogar mehr Candela. Preislich macht dies einen gewaltigen Unterschied.

Aktuell gibt es zwei Ansätze, um dem Sonnenlicht zu trotzen. Der erste Ansatz ist die Bildhelligkeit drastisch zu erhöhen (High Brightness). Auf der ISE in Amsterstam konnte man bei Display Anbieter Dynascan ein 55“ Gerät mit 7.000 Nits (in den USA wird an Stelle von Candela der Ausdruck Nits gebracht) bestaunen. Der zweite Ansatz besteht darin das einfallende Sonnenlicht zur Verstärkung der Hintergrundbeleuchtung zu verwenden. Möglich machen das transreflektive Displays, die das Sonnenlicht durch die LCD-Schicht passieren lassen und es wieder reflektieren. Der Vorteil: das Backlight wird für eine mittlere Leistung von 750 Candela ausgelegt, den Rest besorgt das Sonnenlicht. Der Gedanke ist gut, denn die Leistungsaufnahme durch das Backlight hält sich im normalen Rahmen, während bei den reinen High Brightness mit zunehmender Helligkeit die Leistungsaufnahme und damit die Betriebskosten steigen.

Wir haben uns sechs professionelle Displays besorgt und visuell verglichen: Samsung DM48D, Samsung LH46OMD, Samsung PE46C, Samsung OH46D, LG 47WX30MW und NEC X462HB.

Die Helligkeit beginnt bei 450cd. Diese geringe Helligkeit haben wir gewählt, um einen Vergleich mit TV-Sets herzustellen, die leider immer noch in Schaufenstern aufgestellt werden. Weitere Geräte mit 700 Candela, 1.500, 2.500 und 3.500 Candela werden zum Vergleich herangezogen.
Von LG schicken wir ein 700 Candela Gerät mit transreflektiver Technik ins Rennen. Von NEC ein High Brightness Gerät, dass über spezielle Beschichtungen verfügt, um eine optimale Wiedergabe in hellem Umgebungslicht zu gewährleisten.

Der Test fand im Mai dieses Jahres auf einer Freifläche mit Südausrichtung und damit unter natürlichen Lichtverhältnissen statt. Die Lichtverhältnisse haben sich durch die Bewölkung während der Aufnahmen verändert. Das Umgebungslicht lag zwischen 90.000 – 100.000 Lux.

Der Test wurde nicht unter reproduzierbaren Laborbedingungen durchgeführt, da dies den Aufwand sehr stark erhöht hätte. Die verwendeten Geräte sind vor Beginn der Aufnahmen in den Werkszustand versetzt worden. Sofern möglich wurden die Bildeinstellungen für den Schaufenster-Einsatz im OSD ausgewählt.

Eine Kalibrierung der Displays auf eine einheitliche Farbtemperatur, Weisswert oder Helligkeit ist nicht durchgeführt worden, da dies sehr teure Messinstrumente erfordert. Alle Displays wurden durch dieselbe Quelle mit einer Auflösung von 1920×1080 Pixel gespeist. Die Verteilung erfolgte mittels eines professionellen HDMI-Splitters mit identischen Kabellängen.

Videos und Fotos wurden mit einer handelsüblichen Digitalkamera aufgenommen. Dabei kommt es zu Banding-Effekten. Banding zeigt sich dadurch, dass ein Helligkeitsverlauf nicht gleichmäßig, sondern in sichtbar abgegrenzten Streifen (engl. band) dargestellt wird.
Die Ursache dafür ist die unterschiedliche Bildwiederholfrequenz der Displays im Verhältnis zur Abtastfrequenz des Kamerasensors. Es ist mit einer normalen Konsumerkamera nicht möglich unterschiedliche Bildfrequenzen mit der Abtastfrequenz des Sensors abzugleichen. Dieser sichtbare Effekt stellt weder ein Mangel der betroffenen Displays dar, noch lässt er Rückschlüsse auf die Qualität, Zuverlässigkeit oder Tauglichkeit des Displays zu!

Unser Fazit

Wer auf der sicheren Seite sein möchte, der wählt ein Gerät mit 2.500 Candela. Je nach Ort der Verbauung eignen sich auch transreflektive Displays, hier muss allerdings vor Ort untersucht werden, welche realen Lichtverhältnisse herrschen. Im Zweifelsfall greift man zu einem transrefletivem Display mit einer Grundhelligkeit von bis zu 2.000 Candela. Displays mit bis zu 750 Candela sind für den Schaufenstereinsatz nicht geeignet.

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