Außenwerbung und Regulierung

Bund als Totengräber – keine Tabakwerbung in DooH und Out-of-Home ab 2020

- Bis zum Freitag kommender Woche werden verschiedene Ministerien noch ihre letzten Anmerkungen und Änderungswünsche äußern – aber schon im ersten Quartal 2016 möchte die Große Koalition ein Gesetz durchpeitschen, dass ein totales Verbot von Tabak und Zigaretten in der Außenwerbung bringen soll. Diverse DooH Kanäle am PoS sind damit auch schon angezählt. von Thomas Kletschke

Tabak und Zigaretten sollen ab 2020 in der Außenwerbung verboten sein (Foto. invidis)

Tabakt und Zigaretten sollen ab 2020 in der Außenwerbung verboten sein (Foto: invidis)

Wie die Rheinische Post (RP) am gestrigen Donnerstag meldete, werden wohl Gesundsheitsminister Hermann Gröhe (CDU) und Christian Schmidt (CSU), Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, sowie ihre Kabinettskollegen als die Totengräber der Tabakwerbung in die Geschichtsbücher eingehen.

Denn wie die in Düsseldorf erscheinende Zeitung exklusiv erfuhr, soll Außenwerbung für die Glimmstengel ab 2020 komplett verboten werden. Das erfuhr das Blatt aus Regierungskreisen. Besonders CSU-Mann Schmidt gilt als Hardliner innerhalb der Koalition, wenn es um das Verbot geht.

Zigaretten in der Kinowerbung wird es demnach bald auch fast gar nicht mehr geben – nur vor Filmen, die ab 18 Jahren freigegeben sind.

Das neue Gesetz wird die EU-Tabakproduktrichtlinie umsetzen, die Ende Mai 2016 in Kraft treten wird.

Das Verbot ab 2020 stellt sogar noch einen Kompromiss dar: Ursprünglich wollte die Koalition schon ab Juli 2016 dafür sorgen, dass Zigaretten und E Zigaretten nicht mehr in Out-of-Home und DooH beworben werden dürfen.

Allein aufgrund des hohen öffentlichen Drucks dürfte nahezu jeder Antrag der Bundesregierung, der ein Tabu für Tabak in der Werbung bringt, durchs Parlament gehen.

Auch in der Schweiz haben Tabakindustrie, Außenwerber und Agenturen schon bald mit Einbußen aus dem Geschäft mit den schon bislang stark eingeschränkten Werbemöglichkeiten zu rechnen (invidis berichtete mehrfach, zuletzt an dieser Stelle).

Man muss kein schlecht gelaunter Prophet sein, um auch das baldige totale Aus für die in Deutschland und andernorts noch erlaubten DooH Werbechannel am Point of Sale vorherzusehen, die für Tabakwaren werben.

Spätestens dann müssen sich die Betreiber dieser Netzwerke mit einer Neuausrichtung befassen – oder die Netze abbauen. Letzteres werden mittelfristig auch die Hersteller entsprechender Hard- und Software merken, deren Screens und Lösungen im Einsatz sind.

Denn die zumeist kleinen Screens in Tabakläden sind an Zahl recht groß – worüber die Tabakkonzerne sehr ungern sprechen; öffentlich schon mal gar nicht.

Es ist also mitnichten so, dass lediglich die Zigarettenindustrie wohl bald Menschen entlassen muss, bloß weil die Politik es erwachsenen mündigen Menschen nicht zutraut, sich auch mal um sich selbst zu kümmern – alle anderen dürfen Tabakwaren schon lange nicht mehr erwerben. Allein die Tabakindustrie in Deutschland rechnet laut RP damit, dass aufgrund des erzwungenen Verbots hierzulande bis zu 10.000 Menschen sich einen neuen Job suchen müssen.

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