Case Study

Nächster Halt, TraumWerk

- Töff, töff – hier kommt die AV Multitouch Projection Mapping Soundduschen Eisenbahn! – Fans von Märklin, Fleichmann und Co. kommen im neuen Hans-Peter Porsche TraumWerk auf ihre Kosten. Dafür sorgt nicht zuletzt eine State of the Art Medieninstallation. von Thomas Kletschke

Blick auf die Modellwelt (Foto: Christie)

Blick auf die Modellwelt (Foto: Christie)

Beim Nachnamen Porsche denkt man schnell an den 911er andere „Zuffis“ oder an die Designmarke Porsche Design. Auch bei Hans-Peter Porsche ist die Assoziation da – nicht ganz zu Unrecht.

Denn Hans-Peter Porsche entstammt ebenfalls der berühmten Sportwagen-Dynastie. Der Enkel des berühmten Automobilpioniers Ferdinand Porsche ist aber offenbar mehr der Mann fürs Detail.

Im Berchtesgadener Land hat der passionierte Sammler von historischem Spielzeug das Hans-Peter Porsche TraumWerk gegründet, das Mitte 2015 eröffnet wurde. Schon die Architektur des Gebäudes spiegelt in seiner Form die Inhalte wieder: angelegt als horizontal liegende Acht, erinnert es an die klassische Form von Modelleisenbahnen und Autorennstrecken.

Auf dem 55.500 m² großen Grundstück mit einer 20.000 m² Gartenanlage entstand seit dem Spatenstich 2011 ein gar nicht so kleines Paradies für Spielzeugliebhaber und Modelleisenbahn-Fans. Selbst durch den Park fährt eine 1,3 km lange Parkeisenbahn fürs eigene Erleben. Shop, Gastronomie und Tagungsbereich kommen hinzu.

Auch der eigentliche Ausstellungsbereich für Modellautos und kleine Eisenbahnen in H0 sind großzügig bemessen: Auf einer Fläche von 3.500 m² wird historisches Blechspielzeug gezeigt – sowie auf 400 m² eine von insgesamt 16 Computern gesteuerte, moderne Modelleisenbahnanlage präsentiert.

Rechts im Bild - drei von der Pfadfinderei kreierte digitale Waggon Fenster (Foto: Pfadfinderei)

Rechts im Bild – drei von der Pfadfinderei kreierte digitale Waggon Fenster (Foto: Pfadfinderei)

Auf der Modellandschaft fahren bis zu 40 von 180 Zügen kontinuierlich durch eine alpin gestaltete Region. Dabei überwinden sie bis zu 5 reale Höhenmeter. Auf etwa 2,7 Kilometer Gleislänge sind 540 Weichen, 176 Signale und 32 Schattenbahnhöfe verbaut. Gut 80 fahrende Modellautos und 80.000 Bäume finden ebenfalls Platz.

Die Modellbahnlandschaft ist inspiriert von Bahnstrecken in Deutschland, der Schweiz sowie Österreich und ist mit moderner AV Technik ausgestattet, um die Miniaturwelt – zu der das historische dem Porsche-Werk in Stuttgart aus den 1960er Jahren und das Konstruktionsbüro von Porsche in Gmünd gehören – noch spannender aussehen zu lassen.

Eine 360° Projektion auf den Hintergrund, sowie die eigentliche Miniatur-Landschaft aus Brücken, Wald, Bergen und Wasserfällen, erweitertet den Raum, den 8.000 Figuren bevölkern, um ein Vielfaches.

Die mit Liebe zum Detail erstellte Landschaft wird durch filigranes Projection Mapping auf die Landschaftselemente und Gebäude ergänzt. In einem rund 20-minütigen Loop, werden Tages- und Nachtszenen, sowie verschiedene Wetterphänomene simuliert. In einer abschließenden 2 Minuten langen Mapping Show endet die Vorstellung, die mit Musik und Lighting arbeitet. Speziell ausgerichtete Lautsprecher mit 4D Sound vertonen zahlreiche Ereignisse auf der Bahn und simulieren beispielsweise auch Donner und Regen. Für das Sounddesign zeichnen Shakeup Studios verantwortlich.

Auch Erstellung von 3D Objekten und UV Maps wurden von Burmester übernommen (Foto: Christie)

Auch Erstellung von 3D Objekten und UV Maps wurden von Burmester übernommen (Foto: Christie)

Design- und Technikkonzept für das Spielzeug-Eldorado kommen aus Berlin: Das Visual Design stammt vom Design-Studio Pfadfinderei; Planung und Installation der Medientechnik im Gebäude übernahm der Christie Partner Burmester Event & Medientechnik GmbH. Auch das Scanning und die Erstellung von 3D-Objekten und UV-Maps, das 3D Warping sowie die Programmierung der Showfiles und der Mediensteuerung übernahmen die Spezialisten für interaktive Mediensysteme.

Realisiert wird das 60 Millionen Pixel Mapping mit Hilfe von insgesamt 30 Christie DWU555-GS Laser Phosphor Projektoren. Die Projektoren sowie die implementierten Licht- und Toneffekte werden über den Widget Designer von coolux angesteuert, der auch die Contentausspielung kontrolliert, die über das modulare Videobearbeitungs-, Playout- und Steuerungssystem Pandoras Box erfolgt.

Zwischen Planung und finaler Umsetzung des technisch anspruchsvollen Projekts lagen 4 Monate. „Die besondere Schwierigkeit lag darin, in relativ kurzer Zeit ein technisches Gesamtkonzept zu erstellen, dass die Exponate nicht in den Hintergrund rückt, aber dennoch der vielseitigen Anwendung gerecht wird und sich nahtlos in die bestehende Umgebung einfügt“, sagt Nik Burmester, Geschäftsführer der Burmester Event & Medientechnik GmbH.

Wichtig sei zudem, dass die eingesetzte Technik trotz langer Laufzeiten ausfallsicher und wartungsarm ist. Dies sei vor allem auch bei den Projektoren wesentlich. Deshalb entschied man sich für Projektoren, bei denen  kein Lampen- und Filtertausch notwendig ist. Mit Christies propietärem RealBlack können die Modelle der GS Serie bessere Kontrast- und Schwarzwerte liefern. Weitere Entscheidungskriterien für die Projektoren waren: kompakte Größe, das Gewicht und sparsamer Energieverbrauch. Durch die weiße Gehäusefarbe konnten die Geräte unauffällig im Raum integriert werden.

Besucher an den interaktiven Screens (Foto: Pfadfinderei)

Besucher an den interaktiven Screens (Foto: Pfadfinderei)

Grundlage für Planung und Umsetzung war ein genaues 3D Abbild des Raums und der Modellandschaft mithilfe modernster Scanning-Technologien und Softwaretools. Damit wurden verschiedene Projektions Setups im Einklang mit den Vorgaben getestet. Auf Basis der finalen Planung wurden dann 3D Objekte und UV Maps der zu bespielenden Flächen erstellt.

„Insgesamt mussten wir für das finale 3D Modell eine enorme Datenmenge von etwa zwei Terabyte bei 500.000.000 Scanpunkten sowie unterschiedliche Datenformate in einer Datei zusammenfassen“, erklärt Burmester. Dabei sei es insbesondere darauf angekommen, dass bei der Reduzierung des Modells kein Verlust wesentlicher Daten zu verzeichnen war.

Zur Produktion des Mappings wurde die gesamte Landschaft von ca. 550m² gescannt – einschließlich der Gebäude,  Landschaftselemente und Hintergrundwände. „Hierfür haben wir die anhand der UV Maps erstellten Testbilder auf die jeweiligen 3D Objekte gelegt und dann an die reale 3D Geometrie angepasst“, so Burmester.

Periskop - Schema (Grafik: Pfadfinderei)

Periskop – Schema (Grafik: Pfadfinderei)

Für das Playout des Content wurden 39 Pandoras Box Player eingesetzt. Projektoren und Zuspieler werden mithilfe des Coolux Widget Designer PRO über ein dreiseitiges Interface gesteuert und geben ständig eine Statusrückmeldung.

„Wir haben nach einer einfach zu bedienenden Steuerlösung gesucht, die gleichzeitig effizient arbeitet und Funktionen wie Wake/Shutdown On LAN der Player sowie Ein- und Ausschalten und Quellwahl der Projektoren bietet“, sagt Burmester. Darüber hinaus musste auch die Notabschaltung der Hausanlage über eine Relaisschaltung (via Coolux Sensor Link) angebunden werden können. Weiterhin kommen zwei Pandoras Box Manager STD für die synchronisierte Show-Steuerung aller Playback Einheiten zum Einsatz.

Zusätzlich sind in der gesamten Ausstellung verschiedene medientechnisch unterstützte Erlebniselemente und interaktive Stationen integriert, die den Besucher in die im Traumwerk vorgestellte Modellwelt hineinversetzen sollen.

Liebe zum Detail - Blick durchs Periskop (Foto: Pfadfinderei)

Liebe zum Detail – Blick durchs Periskop (Foto: Pfadfinderei)

Die Content-Schmiede Pfadfinderei kreierte Inhalte, die den Besucher in das Innere eines Waggons, oder den Fahrerstand einer Lokomotive versetzen – über die sogenannten digitalen Waggonfenster sowie eigens gebaute Periskope. Über drei weitere Christie FHD651-T 65″ LCD Screens mit intuitiver Touchoberfläche, können die Besucher Informationen über die auf der Modellandschaft fahrenden Züge abrufen. Als weiterer Spezialist für Product Design waren The Constitute mit im Boot.

„Wir freuen uns, unseren Besuchern durch die Kombination aus traditioneller Modelleisenbahn mit einer 360° Mapping-Projektion auf die Hintergrundwände, sowie den diversen Landschaftselemente, eine faszinierende Welt und ein beindruckendes Schauspiel bieten zu können“, so Felix Schwenk, Projektmanager im Hans-Peter Porsche TraumWerk.

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