Displayhersteller

Was bedeutet die Übernahme von Sharp für die Branche?

- Mit dem neuen Eigner aus Taiwan kann Sharp sich stärker auf die technologische Weiterentwicklung konzentrieren. Künftig will der Konzern bei LCDs den Schwerpunkt neu setzen – und bis 2019 herkömmliche OLEDs sowie Flexible OLED Screens anbieten. von Thomas Kletschke

V.l.n.r.: Video Wall Screens in einer Mall in Tokio, in einem Club in Osaka und am Airport in Tokio - links unten die SDP Plant (Fotos / Grafik: Sharp)

V.l.n.r.: Video Wall Screens in einer Mall in Tokio, in einem Club in Osaka und am Airport in Tokio – links unten die SDP Plant (Fotos / Grafik: Sharp)

Nun ist es amtlich – nach mehr als 3 Jahren Verhandlungen, Höhen, erneuten Tiefschlägen sowie Unterstützung durch neue Aktionäre: Hon Hai / Foxconn übernimmt Sharp für 6,2 Milliarden US-Dollar.

Zunächst wird die taiwanesische Gruppe damit 65,9% an Sharp übernehmen. Damit hat Foxconn die deutliche Mehrheit – und kann entscheiden, wie es nun weitergehen wird.

Wenig begeistert dürfte neben dem im Bieterverfahren unterlegenen Innovation Network Corporation of Japan (INCJ) auch Samsung sein.

Bekanntlich ist Samsung seit einiger Zeit mit einem Anteil im niedrigen einstelligen Prozentbereich an Sharp beteiligt. Und besonders in den vergangenen Tagen hatten japanische Wirtschaftsmedien darauf hingewiesen, dass die Koreaner Sharp durchaus gerne gekauft hätten.

So meldete Nikkei, dass Samsung Sharp bereits einige Male haben kaufen wollen. Auch das Szenario einer feindlichen Übernahme sei dabei durchgespielt worden.

Nun hat sich Sharp für Foxconn entschieden – und umgekehrt. Stimmen die japanischen Aufsichtsbehörden zu, wird Sharp als eigenständiges Unternehmen und als eigenständige Marke erhalten bleiben.

Erst einmal also Business as usual für B2B.

Dennoch: In der Folge dürften Samsung und Sharp samt neuem Eigner Hon Hai auch über die Sakai Display Products Corporation (SDP) verhandeln. In das bislang als Joint Venture zwischen den Taiwanesen und Japanern geführte Unternehmen hat Sharp seine modernste Displayfabrik ausgelagert – die künftig von dieser geplanten Fabrik von BOE und Corning als dann neueste Fabrik abgelöst werden wird.

Ein Szenario kann sein, dass Samsung als Miteigner der SDP bedient wird – oder mit einem Vertrag, der dem koreanischen Konzern Rechte an einem Teil der Produktion einräumt. Bislang hatte Samsung gezögert, statt einem Deal bezüglich Sakai eine eigene neue Fabrik bauen zu lassen.

Noch spannender, wenn es um die künftige technologische Ausrichtung bei Sharp geht: Das Unternehmen spricht explizit selbst davon, dass man an einem anderen japanischen Standort in eine neue Technologie investieren will.

Denn in der Kameyama Fab von Sharp sollen Forschungs- und Pilot Linien für OLED entstehen – plus die für eine Massenproduktion benötigten Bänder. Neben herkömmlichen OLED Displays wolle man künftig auch flexible OLEDs in Kameyama herstellen, so das Unternehmen in einem gestern veröffentlichten IR Dokument.

Neben 5,5″ OLED Panels sollen auch große Flexible OLED Displays hergestellt werden. Von 2016 bis 2019 hat Sharp hier große Investitionen in R&D sowie Vorbereitung und Aufbau der Massenproduktion vorgesehen. Insgesamt sollen in diesem Zeitraum 200 Milliarden Yen – umgerechnet 1,626 Mrd. Euro (ca: 1,789 Mrd. US-Dollar) – dafür investiert werden.

Dem Preisverfall bei LCDs für Smartphones will Sharp nach eigenen Angaben dadurch begegnen, dass in Kameyama nun deutlich mehr größere LCD Diagonalen (etwa für Tablets und PC Monitore) produziert werden sollen.

Diese Änderungen finden auf Konzernebene in Sharps Display Device Company statt. Bei der Consumer Electronics Company, ihn der etwa die LCD TVs untergebracht sind, will man eine Integration mit anderen Bereichen vorantreiben. Hier sollen künftig vermehrt IoT Produkte entwickelt werden. Das TV Business in vielen Märkten – wie in Europa – hat Sharp schon längst verkauft.

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