Digitale Außenwerbung

Muddy Waters Affäre zieht weite Kreise – und erreicht den DAX

- Das für seinen nicht zimperlichen Umgang mit börsennotierten Unternehmen und seine Leerverkaufsstrategien bekannte Finanzhaus Muddy Waters attackiert derzeit nicht nur den börsennotierten Außenwerber Ströer, sondern auch die Deutsche Telekom AG sowie die ProSiebenSat.1 Media SE. Nach invidis Informationen von Freitagabend hat mindestens einer der beiden DAX Konzerne Abwehrmaßnahmen gegen die Vorwürfe eingeleitet. von Thomas Kletschke

Muddy Waters greift auch den Konzern aus Bonn an - Big Magenta wird sich wehren (Foto: Deutsche Telekom AG)

Muddy Waters greift auch den Konzern aus Bonn an – Big Magenta wird sich wehren (Foto: Deutsche Telekom AG)

Die letzten Jahre haben gezeigt: Aktionärsschützer und Analysten gibt es solche und solche. Nicht jeder, der vorgibt, die Rechte von Kleinanlegern und institutionellen Investoren zu verteidigen, ist dabei lauter am Werk. Schon mancher entpuppte sich selbst als Betrüger, Abzocker oder zumindest nicht unparteiische Partei.

Zwischen Schwarz und Weiß gibt es dabei eine in allen Grautönen gefärbte Szene, die juristische Anwürfe sehr kreativ nutzt – nicht immer zum eigenen Nachteil. Nun hat das graue Grauen auch den Digital-out-of-Home Markt erreicht – und mäandert bis in die Weiten der hiesigen Top 30 Wirtschaftsunternehmen hinein.

Carson C. Block – bis zum 21. April 2016 kannte kaum jemand den Namen. Ausgenommen die Aktionäre von Wirecard, die Anteilseigner des französischen Retailers Casino und die Aktionäre von Sino-Forest – um nur die prominentesten Beispiele zu nennen.

Timber! – Die Kerben, die der gelernte Jurist Block – jeweils mit der Begründung Frauds, also Betrug und ähnliche justiziable Tatbestände wie Marktmanipulation, Betrug aufzudecken – schlägt, haben Eichen, Birken und zarte Pflänzchen zumindest eine Zeitlang von ihren Lebensadern – Vertrauen der Märkte und Kunden – abgeschnitten. Mancher Baum war danach einfach: tot. Jetzt hat es das M-DAX Unternehmen Ströer erwischt – und zwei Unternehmen aus dem DAX, und damit zwei der wichtigsten 30 börsennotierten Konzerne.

Aber auch – gemessen am DAX – kleine Fische sind betroffen. Dass neben der juristischen Person Ströer nun auch noch externe aktuelle oder ehemalige Marktpartner bis hin zu vollkommen unbeteiligten Firmen in Deutschland, den USA sowie anderen Ländern mit Dreck beschmissen werden, zeigt eine Durchsicht des 62-seitigen Dokuments, das Muddy Waters kürzlich veröffentlichte.

In Verruf gebracht werden darin an mehreren Stellen unter anderem die Deutsche Telekom AG, die Freenet AG, Shopping Mall Betreiber ECE, ProSiebenSat1 Media SE, Cittadino, Visual Art, die Sparkasse Köln-Bonn sowie das Unternehmen Anavex Life Sciences. Dies allein schon durch ihre namentliche Nennung in dem Dokument.

Die Sparkasse Köln-Bonn und ihr Vorstand Ulrich Voigt werden indirekt in das Geraune einbezogen – Voigt ist Aufsichtsrat bei Ströer. Auf Nachfrage teilte die Bank mit, dass man sich in der Sache nicht äußern wolle, und verwies auf die Pressestelle von Ströer.

Manche der genannten Firmen aus der DooH Branche werden in dem Muddy Waters Report lediglich als Gegen-Beispiele für eine vom Autor bei Ströer unterstellte, in seiner Interpretation nicht stimmige Ebitda-Größe beim Digital-Geschäft genannt. So werden Vsual Arts aus Schweden sowie die Düsseldorfer Citadino ungewollt zu Kronzeugen einer der zahlreichen kruden Thesen von Carson C. Block.

Das allein ist schon unangenehm. Zumindest im Fall Cittadino und auch der börsennotierten und ebenfalls in DooH aktiven ProSiebenSat.1 verbreitet der Autor allerdings falsche Tatsachenbehauptungen, die hierzulande zumindest gegendarstellungswürdig und unterlassungsbewährt sind. So behauptet Block: „Cittadino is a German pure play digital OOH advertising company recently acquired by ProSiebenSat.1 Media SE.“ Dabei ist sowohl auf Deutsch wie auch in anderen Sprachen schnell zu er-googeln, dass ProSiebenSat.1, Cittadino und Tank & Rast ein Joint Venture gegründet haben.

Von einem Analysten erwartet man eine ständige Begleitung des von ihm beobachteten Unternehmens samt dessen Marktes. Und von einem Finanzanalysten kann man erwarten, dass er den Unterschied zwischen einer Übernahme und einem JV kennt. So wird auch eine der großen deutschen Privatsender-Ketten indirekt mit am dreckigen Muddy Waters Spiel beteiligt.

Auf Nachfrage der Redaktion, ob P7S1 die Cittadino vielleicht doch übernommen habe, gibt es ein glasklares Dementi: „Wir haben Cittadino nicht übernommen“, so ein Sprecher gegenüber invidis. Ein weiterer Sprecher präzisierte dies dahingehend, dass man an der Cittadino auch keine Beteiligung hält. Die Redaktion hatte zudem nachgefragt, ob man juristisch oder anderweitig am Thema dranbleibt. Zunächst hieß es von ProSiebenSat.1, darüber hinaus gebe man keinen Kommentar ab. Allerdings hieß es am späten Freitagabend, dass man für eine weitere mögliche Stellungnahme weitere Zeit benötige – was angesichts der Lage durchaus bedeuten kann, dass man noch einmal sehr dezidiert Stellung nehmen wird.

Beim magentafarbenen Platzhirschen sieht es ähnlich aus. Denn auch die Deutsche Telekom AG wird mehrfach – und deutlich direkter – in dem Muddy Waters Report attackiert. Auch das DAX Unternehmen Telekom hatten wir um eine Stellungnahme gebeten, die bis Redaktionsschluss am Freitagabend, 22. April, allerdings noch nicht eingetroffen ist.

Das bedeutet allerdings nicht, dass die Telekom versucht, schweigend zuzulassen, dass ihr oder mit verbundenen oder vormals verbundenen Unternehmen unsaubere Praktiken nachgesagt werden. Nach invidis Informationen beschäftigt man sich bei dem Unternehmen bereits eingehend mit der Thematik. Man kann davon ausgehen, dass im Hintergrund bereits juristische Gegenwehr eingeleitet wurde.

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