Studie

Digitalisierung in Handel und Industrie – weiter großer Bedarf

- Jährlich investiert allein der deutsche Mittelstand 10 Milliarden Euro in die Digitalisierung. Im Vergleich zu anderen Branchen ist der Handel hier stärker involviert. Insgesamt investieren die deutschen KMUs aber noch nicht genug, so eine aktuelle Studie der KfW. von Thomas Kletschke

Digitalisierung in der Industrie - Maschine mit Roboter beim deutschen Maschinenbauer Schnaithmann (Foto: KfW-Bildarchiv / Espen Eichhöfer, OSTKREUZ)

Digitalisierung in der Industrie – Maschine mit Roboter beim deutschen Maschinenbauer Schnaithmann (Foto: KfW-Bildarchiv / Espen Eichhöfer, OSTKREUZ)

Der deutsche Mittelstand befindet sich noch in einer frühen Phase der Digitalisierung. Das zeigt eine neue Studie von KfW Research, dem zur KfW Bankengruppe gehörenden Analysehaus.

Zwar haben vier von fünf kleinen und mittleren Unternehmen in den zurückliegenden drei Jahren Digitalisierungsprojekte umgesetzt und in neue Technologien oder Verbesserung der IT-Kompetenz investiert. Die einzelnen Vorhaben hatten jedoch meist nur einen überschaubaren Umfang.

Vor allem kleine Unternehmen (unter 10 Beschäftigte) setzten dafür weniger als 10.000 Euro pro Jahr ein – und planen häufig für die nächsten Jahre keine höheren Ausgaben. Knapp die Hälfte der großen Mittelständler (150 und mehr Beschäftigte) geben der Studie zufolge über 100.000 Euro im Jahr für die Digitalisierung aus. Hochgerechnet auf den gesamten deutschen Mittelstand entspricht dies jährlichen Ausgaben in Höhe von etwa 10 Milliarden Euro für Projekte zum Ausbau der Digitalisierung.

Insgesamt befindet sich etwa ⅓ der Mittelständler aktuell noch in einem Grundstadium der Digitalisierung. Das heißt: Bei ihnen sind selbst grundlegende Anwendungen wie ein eigener Internetauftritt unterdurchschnittlich verbreitet. Besonders häufig zählen die kleinen Mittelständler mit weniger als 50 Mitarbeitern zu diesen Digitalisierungs-Nachzüglern.

KMUs und Digitalisierung - Durchführung nach Unternehmensgröße (Grafik: KfW)

KMUs und Digitalisierung – Durchführung nach Unternehmensgröße (Grafik: KfW)

Rund die Hälfte der mittelständischen Firmen hierzulande liegt im Mittelfeld und nutzt beispielsweise einzelne Anwendungen digital vernetzter Information und Kommunikation. Digitale Vorreiter, also Unternehmen, die bereits auf digitale Produkte, Dienstleistungen, Apps oder Industrie 4.0 setzen, stellen mit einem knappen 1/5 des Mittelstands die Minderheit dar.

Weitere Ergebnisse der Untersuchung: 78% der kleineren KMU Unternehmen haben zwischen 2013 und 2015 in technologische Projekte investiert (Hardware, Software, IT-Sicherheit, Website, IT-Bezugsformen, Verknüpfung von Prozessen). Projekte zur Erweiterung von Kompetenzen im Bereich der Digitalisierung (IT-Weiterbildung, IT-Beratung, Reorganisation des Workflows, Konzepte für Internetmarketing und –vertrieb) wurden von 64 % der Mittelständler umgesetzt. Vorreiter-Unternehmen realisieren fast doppelt so häufig Kompetenzprojekte wie Nachzügler.

Insgesamt 83% der mittelständischen Unternehmen haben in den Jahren 2013 bis 2015 Digitalisierungsvorhaben durchgeführt. Mit 98% gilt dies für nahezu jedes Unternehmen mit 150 oder mehr Beschäftigten. Von den kleinen Unternehmen gilt dies für 78% (siehe oben). Für die Digitalisierung, IoT und Industrie 4.0 greifen die Mittelständler überwiegend auf eigene Mittel zurück. Denn Digitalisierungsvorhaben werden zu 77% aus den laufenden Einnahmen der Unternehmen finanziert. Bankkredite spielen mit 4% des Finanzierungsvolumens eine untergeordnete Rolle.

Als wesentliche Hemmnisse einer weitergehenden Digitalisierung nennen die befragten Unternehmen mangelnde IT-Kompetenzen ihrer Belegschaft (67%), Anforderungen des Datenschutzes und der Datensicherheit (62%), und die mangelhafte Geschwindigkeit der Internetverbindung (58%). Doch auch ein schneller Abbau dieser Hemmnisse dürfte nicht ausreichen, um einen „Digitalisierungsschub“ im deutschen Mittelstand auszulösen, so die Studienautoren: Viele Unternehmen scheinen den Nutzen einer weitergehenden Digitalisierung für ihr Geschäftsmodell noch nicht erkennen zu können. Sie fürchten die hohen Investitions- sowie Betriebskosten (59%) und investieren aus diesem Grund nicht oder zu wenig in digitale Projekte.

Digitale Gründer - Start-ups haben die Digitalisierung gut verinnerlicht (Grafik: KfW)

Digitale Gründer – Start-ups haben die Digitalisierung gut verinnerlicht (Grafik: KfW)

Wenn mittelständische Unternehmen in die Digitalisierung investieren, dann finanzieren sie das zu 77% aus laufenden Einnahmen. Bankkredite spielen mit 4% eine untergeordnete Rolle. Finanzierungsprobleme nennen 32% der Mittelständler als Digitalisierungshemmnis. „Der Finanzierungsbedarf in der Breite des Mittelstandes wird sich erhöhen, wenn die Unternehmen in Zukunft eine stärkere Dringlichkeit der Digitalisierung wahrnehmen. Ein deutlicher Schritt nach vorne in digital vernetzter Information und Kommunikation in Unternehmen sowie in der Vernetzung von Produkten und Dienstleistungen ist nur mit erheblich höheren Ausgaben möglich“, so Zeuner.

Bei Unternehmensneugründungen hat die Digitalisierung oftmals sehr viel mit dem eigenen Geschäftszweck zu tun. Denn 1/5 der Gründer baut auf digitale Technologien, ihre Angebote sind also auch nur durch den Einsatz digitaler Technologien nutzbar. Die Geschäftsmodelle der Start-ups sind vielfältig: App-Anbieter, Betreiber von Webportalen oder Webhosting-Dienste, Onlinehändler oder auch Gründer, die (selbst hergestellte) Produkte oder Dienstleistungen auf Online-Marktplätzen anbieten, zählen dazu, aber auch Gründer, die für ihre Arbeit im Wesentlichen digitale Technologien anwenden wie Softwareentwickler, Webdesigner, Fachleute im Online-Marketing, viele IT-Consultants oder Fotografen.

Digitale Gründer sind häufiger im Nebenerwerb (23%) als im Vollerwerb (17%) tätig. Das ist ein Indiz dafür, dass digitale Technologien Gründern den Marktzutritt erleichtern. Gründer sind insgesamt überwiegend regional ausgerichtet. Nur 40% bieten ihre Produkte oder Dienstleistungen im deutschsprachigen Raum, in Europa oder sogar weltweit an. Digitale Gründer dagegen zu 70% auf den nationalen oder internationalen Markt.

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