Systemanbieter

Rittal investiert 250 Millionen Euro in neue Werke in Hessen

- Das weltweit modernste Werk für die Produktion von Kompaktgehäusen soll 2018 bei Rittal stehen. Mit dem Neubau im hessischen Haiger und der Modernisierung der Werke in Rittershausen und Hof richtet der Schaltschrank- und Systemanbieter Rittal seine Produktion in Deutschland auf die Industrie 4.0-Zukunft aus. von Thomas Kletschke

Ab 2018 wird Rittal sein neues Werk in Betrieb nehmen (Foto: Rittal)

Ab 2018 wird Rittal sein neues Werk in Betrieb nehmen (Foto: Rittal)

Vor 55 Jahren entstand im mittelhessischen Rittershausen der erste standardisierte Kompaktschaltschrank der Welt. Ein innovativer Start für den weltweit operierenden Hersteller Rittal aus dem hessischen Haiger.

Jetzt legte das Unternehmen den Grundstein für den Aufbruch in die Industrie 4.0 Ära. Mit 250 Millionen Euro – der größten Investition in der Unternehmensgeschichte – baut Rittal ein neues, hochmodernes Werk zur Produktion von Kompaktgehäusen in Haiger. Industrie 4.0-Strukturen sind dabei die Basis für hocheffiziente Produktions-, Logistik- und Kommunikationsprozesse.

Zudem werden im Rahmen der Investition zwei weitere Werke in der Region auf diese Strukturen ausgerichtet und ein weiteres Werk für Großschränke aus nichtrostendem Stahl in Mittelhessen gebaut.

Im Jahr 2018 soll die Produktion von Kompaktgehäusen in Haiger beginnen. Dann werden auf 24.000 m² hochautomatisiert rund 9.000 Gehäuse pro Tag gefertigt. Das Werk ist so konzipiert, dass jedes von den Kunden gewünschte Produkt aus den 300 Gehäusegrundtypen mit jeder gewünschten Losgröße effizient produziert werden kann. Rund 25.000 Tonnen Stahl werden dabei pro Jahr verarbeitet.

Die dreistufige Fertigung – Blechbearbeitung, Lackierung, und Montage – wird durchgehend digital vernetzt, und auch mit Bearbeitungsmaschinen aus dem Rittal Automation Systems Portfolio ausgestattet. Fahrerlose Transportsysteme liefern die benötigten Materialien selbstorganisiert und ohne menschliches Eingreifen an die entsprechende Stelle. Mit Hilfe wissensbasierter Systeme, die kontinuierlich „dazulernen“, werden Ausfallzeiten aufgrund von Störungsbeseitigung verringert, Ersatzteile vorausschauend angefordert und damit potenzielle Störungen durch Verschleiß minimiert. Vollautomatisierte Regelungen etwa in der Lackiererei reduzieren den Energieverbrauch, was die Kosten im Griff hält und die Umwelt schont.

Im neuen Werk werden etwa 290 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beschäftigt sein. Im Vergleich zu den Vorgängerwerken in der Region wird sich die Rolle an der Produktionslinie wandeln: Die Aufgaben der Mitarbeiter werden sich durch den notwendigen hohen Automatisierungsgrad weg von manuellen Tätigkeiten hin zu überwachenden, analysierenden und optimierenden Tätigkeiten entwickeln. Die erforderlichen Qualifikationen dazu erhalten die Beschäftigten der Friedhelm Loh Group nach Bedarf in der unternehmenseigenen Loh Academy.

Die drei Standorte sollen künftig einen modernen Produktionsverbund in Mittelhessen bilden, um perfekt aufeinander abgestimmt zusammenzuarbeiten. Die Vernetzung des Maschinenparks unter Einsatz von IT-Technologien lasse reale und virtuelle Welt zusammenwachsen, so Rittal-Inhaber Dr. Friedhelm Loh: „Ich kann verstehen, dass die mit Industrie 4.0 verbundenen riesigen Datenmengen und kritische Sicherheitsüberlegungen noch manch einen Unternehmer vor der Investition zurückschrecken lassen. Aber ich bin überzeugt, wenn wir es hier in Deutschland nicht anpacken, dann überholt uns der Wettbewerb aus dem Ausland.“

Auch das neue Rittal Innovation Center wurde jetzt eröffnet. Mit dem Innovationszentrum bietet Rittal seinen Kunden einen neuartigen Weg, Lösungen in der direkten Anwendung zu erleben und zu verstehen. In dem Innovationszentrum können die Herausforderungen eines realen Fertigungsbetriebs analysiert, diskutiert und „live“ erfasst und erarbeitet werden.

Das Global Distribution Center von Rittal wurde jetzt ebenfalls offiziell eingeweiht. Über 40 Millionen Euro investierte das Unternehmen in den hochmodernen Neubau mit 24 Kilometern an Regalen und 25.000 Palettenstellplätzen. Vom GDC aus werden rund 10.000 Artikel täglich an Kunden rund um den Globus geliefert.

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