Nach Problemen bei Hanjin

Ware wird gelöscht, Screens werden ausgeliefert

- Die Branche atmet auf: Nachdem die Reederei Hanjin Shipping in finanziell schwere See geraten war, wird der in der Displayindustrie entstandende Lieferengpass abgebaut. Betroffene Hersteller aus vier Ländern segeln langsam wieder auf Kurs, ergeben invidis Recherchen. von Thomas Kletschke

Containerschiff der Reederei Hanjin Shipping - Symbolbild (Foto: Hanjin Shipping)

Containerschiff der Reederei Hanjin Shipping – Symbolbild (Foto: Hanjin Shipping)

In den vergangenen Wochen und Tagen gab es bei der südkoreanischen Reederei Hanjin Shipping ernsthafte Finanzierungsprobleme; die Total-Pleite drohte. Folge davon war, dass Schiffe nicht oder nicht ganz entladen werden konnten. Eine Zitterpartie auch für kleine und große Hersteller aus der Displayindustrie.

Davon waren nach invidis Informationen Zuliefer- und Herstellerfirmen aus mindestens vier Ländern betroffen: Südkorea, China und Japan sowie Taiwan. Je nach geografischer Lage und je nach Aufteilung von Produktionsstandorten und Ausgestaltung der Lieferkette waren die Störungen auf einem unterschiedlichen, aber dennoch relevanten Niveau.

Neben Problemen bei der Auslieferung von Consumer Devices berichteten unserer Redaktion mehrere Branchenvertreter von nennenswerten Lieferschwierigkeiten. Händler, Kunden und Distributoren waren davon in Teilen indirekt betroffen, denn in manchem Hafen weigerte man sich, die Ladung der Schiffe zu löschen. Zeitweise musste wohl auch damit gerechnet werden, dass Schiffe von Gläubigern der Reederei beschlagnahmt würden.

Nun ist Hanjin Shipping aus dem Gröbsten raus. Zuletzt hatte der Hauptanteilseigner Korean Air mit größeren Geldspritzen ausgeholfen.

In der Branche waren die verschiedensten Hersteller betroffen – nicht nur, aber zunächst einmal solche aus Südkorea, so verschiedene Industrievertreter und weitere industrienahe Quellen gegenüber invidis. Auch Vertreter anderer asiatischer, etwa chinesischer und japanischer, Unternehmen bestätigen unsere Recherchen.

Denn das Shipping von Large Format Displays ist im Prinzip über einen Linienverkehr eingerichtet. Es wird also nicht jedes mal extra gechartert, sondern Unternehmen können im Normalfall damit rechnen, dass gigantische Containerschiffe zu festen Zeiten ihre Routen über die Ozeane bedienen.

Aufgrund der verfahrenen Situation gab es auch in deutschen Hochseehäfen wie Hamburg zunächst große Probleme die Ware von Bord zu kriegen. Denn sowohl Gläubiger von Hanjin wie die Hafenbetreiber wollten zuvor entsprechende Sicherheiten sehen. Nach Verkauf oder Beleihung von Schiffen sowie dem teilweisen Vorstrecken der Gebühren fürs Löschen der Ware durch Unternehmen der Displayindustrie konnten Large Format Screens nun an Land gebracht werden, so verschiedene mit den Vorgängen betraute Personen.

Noch seien nicht alle benötigten Container angelandet, berichtet uns eine Quelle. „Aber aus dem Gröbsten sind wir raus“, so dieser Vertreter aus der Displayindustrie. „Die Screens – bei uns wie bei mehreren Wettbewerbern komplett neue Modelle oder Serien – konnten an Land in Empfang genommen werden. Sie sind nun unterwegs. Für diesen Freitag oder wenige Tage später erwarten wir weitere Displays von einem anderen Großschiff.“

Mitarbeiter anderer Unternehmen bestätigen dies. Und äußerten sich dahingehend, dass man nun hoffe, dass die Situation sich dauerhaft verbessern und stabilisieren werde.

Sämtliche der zahlreichen von invidis für diesen Artikel befragten Unternehmen, Interviewpartner und Hinweisgeber wollten anonym bleiben.

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