Jochen Gutzeit, Geschäftsführer des Fachverbands Außenwerbung (FAW )

Jochen Gutzeit, Geschäftsführer des Fachverbands Außenwerbung (FAW )

Die moderne Kommunikation für unterwegs

Für Jochen Gutzeit, Geschäftsführer des Fachverbands Außenwerbung, steht fest: Der Markt für digitale Außenwerbung befindet sich auf Wachstumskurs. Nicht nur die Verbreitung werde zunehmen, sondern auch die Ausprägung der Netzwerke.

Herr Gutzeit, wie hat sich die digitale Außenwerbung im vergangenen Jahr entwickelt?

Jochen Gutzeit: Die Anbieter von Out of Home-Medien haben erheblich in innovative, digitale Werbeträgernetze und -formate investiert und somit ihr Angebot professionalisiert. Als Beispiele seien hier der Out of Home Channel von Ströer, der digitalisierte U-Bahnhof Friedrichstraße von Wall oder NetContact der Telekom genannt. Diese Dynamik wirkt sich auch auf die Umsätze positiv aus: Von 2009 auf 2010 sind die digitalen Medien der im FAW organisierten Unternehmen um 37,9 Prozent gewachsen.

Digitale Außenwerbemedien sind auf dem Vormarsch. Bedeutet das das Ende der klassischen Medien?

Jochen Gutzeit: Nein, auf keinen Fall. Klassische und digitale Medien existieren nebeneinander und wir werden auch in den nächsten Jahren noch mit statischen Bildern arbeiten. Je nach
Rezeptionssituation werden bewegte oder statische Bilder eingesetzt. Wir hoffen allerdings, dass sich die Werbeträger irgendwann alle elektronisch ansteuern lassen. Sie könnten dann zum Beispiel E-Paper oder hauchdünne Screens sein. Das würde die Flexibilität des Mediums erhöhen und parallel dazu die Logistikkostensenken.

Mal in die nahe Zukunft geblickt: Wie entwickelt sich der Markt?

Jochen Gutzeit: Wenn wir uns die klassische Produktlebenszykluskurve anschauen, dann befinden wir uns mit den digitalen Out of Home-Medien derzeit im Übergang zwischen der Einführungs- und Wachstumsphase. Neue Angebote entstehen, die Umsätze werden stark zunehmen und viele Netze werden rentabel betrieben werden können. Auf der anderen Seite werden Betreiber von unrentablen
Netzen auch wieder vom Markt verschwinden.

Mal abgesehen von der Digitalisierung der Außenwerbung gibt es auch den Ansatz, sie mit mobiler Kommunikation zu verknüpfen. Was halten Sie davon?

Jochen Gutzeit: Sicherlich wird es zukünftig immer leichter sein, sich direkt über mobile Endgeräte zusätzliche Produktinformationen zu holen. Mobile Kommunikation wird von den Menschen immer mehr verinnerlicht. Somit ist die Außenwerbung der ideale Ausgangspunkt für die moderne Kommunikation für unterwegs.

Für Plakate gibt es standardisierte Reichweitenmessungen. Sollte es das auch für digitale Außenwerbeträger geben?

Jochen Gutzeit: Bei der Reichweitenforschung für das Medium Plakat unterscheiden wir derzeit vier standardisierte Formate. Förderlich wäre es sicherlich auch für die digitalen Out of Home-Medien, sich zunächst anbieterübergreifend auf einheitliche Formate zu einigen. Derzeit bietet jedes Unternehmen seine individuellen Netze und Werbeträgerformen an, die dann auch mit aussagefähigen Kennzahlen hinterlegt sind, und es entstehen viele Angebotsformen. Ich glaube, es braucht noch etwas Zeit, um etwas Ähnliches wie die MA Plakat für die digitalen Medien zu etablieren.

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