Vorsicht bei Bluetooth in der Außenwerbung

Schon längst ist die Werbung nicht mehr passiv, sondern aktiv geworden. Werbetreibende wollen in Interaktion mit den Endkunden treten und ihm einen Mehrwert bieten. Dazu bieten sich verschiedenste technische Möglichkeiten auf dem Markt.

Naheliegend in der digitalen Außenwerbung ist das Mobile Marketing. Es zielt auf die mobile, technikaffine Zielgruppe ab, also jene, die insgesamt Digital Signage sehr gut rezipiert. Zudem ist heute kaum noch jemand ohne Handy oder Smartphone unterwegs.

Mit Bluetooth in das Direktmarketing

Die auf den ersten Blick einfachste und auch kostengünstigste Variante des Mobile Marketing scheint die Einbindung von Bluetooth in Kampagnen zu sein. Über Bluetooth lassen sich kostenlos Gutscheine, Informationen und Apps übermitteln. Der Passant muss in aller Regel dazu nicht aktiv werden.

Es gibt bereits einige wenige Projekte und auch Werbeflächenanbieter, die auf Bluetooth setzen. Die großen Außenwerber wie Wall und Ströer bieten beide seit langem Bluetooth-Netzwerke an. Der Düsseldorfer Flughafen hat erst in diesem Jahr ein eigenes aufgebaut. Und fast keine Stele für den Kiosk- und Digital Signage-Bereich ist nicht mehr Bluetooth-fähig.

Das alles scheint auch Sinn zu machen, sind doch seit Mitte 2000 fast alle Handys mit Bluetooth ausgestattet. Die meisten Nutzer wissen es zu bedienen und es entstehen bei der Benutzung keine Kosten. Trotzdem, so recht hat sich Bluetooth in der Außenwerbung, auch nicht in der digitalen, durchsetzen können.

Florian Herzberg, Geschäftsführer der Phi Mobile Media Services hat bereits langjährige Erfahrung im Mobile Marketing und weiß, weshalb es Bluetooth  schwer auf dem Markt hat.

Herr Herzberg, was ist Ihre Meinung zum Einsatz von Bluetooth in der Außenwerbung?

Florian Herzberg: Ich sehe es als ein sehr wertvolles Instrument, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und Informationen direkt aufs Handy zu senden. Es ist eine Push-Funktion, das heißt, Sie müssen keine SMS senden oder etwas abfotografieren.

Warum wird es dann nicht öfter eingesetzt?

Florian Herzberg: Ein Grund ist sicher, dass Bluetooth in der Anschaffung sehr teuer ist, denn man braucht einen entsprechenden Dienstleister, ein zusätzliches System und natürlich eine regelmäßige Wartung.

Hinzu kommt das Problem, dass es in Deutschland 450 verschiedene Handys mit 30 verschiedenen Display-Auflösungen gibt. Sendet man denselben Inhalt aus, wird er sehr unterschiedlich oder gar nicht dargestellt. Die Anpassung der Grafiken allerdings bedeutet einen sehr hohen Aufwand.

Das sind nicht zu vernachlässigende Kosten. Das schreckt ab. Außerdem fehlen Standards.

Das heißt?

Florian Herzberg: Bluetooth an sich ist ein einheitlicher Standard. Aber wie die Verbindung aufgebaut wird und wie der Empfang abläuft, das hängt stark von Handy und Anbieter ab. Ein sehr großes Problem ist zum Beispiel, dass das iPhone Bluetooth nicht unterstützt. Deshalb sehe ich nur eine mittelfristige Zukunft von noch etwa fünf Jahren für Bluetooth.

Aber welche Alternativen gäbe es denn?

Florian Herzberg: Das ist schwierig. Es gibt nur Alternativszenarien, beispielsweise die Bereitstellung von Informationen über ein W-LAN-Netz. Andere Lösungen, wie VooH von Ströer oder QR-Codes sind stark erklärungsbedürftig. Bei QR-Codes kommt hinzu, dass die Kosten nicht transparent sind. Und alle Alternativen haben keine Push-Funktion.

Werbekunden sind gegenüber Bluetooth zögerlich. Wie sieht es mit den Endkunden aus?

Florian Herzberg: Tatsächlich haben nur 30 bis 40 Prozent Bluetooth am Handy aktiviert. Zum einen, weil es ein Akkufresser ist, zum anderen, weil sehr viele Geschichten über Handyviren und ähnliches kursieren.

Wie bekomme ich dann als Werbungtreibender die Passanten dazu, Informationen über Bluetooth einzuholen?

Florian Herzberg: Hier gilt die allgemeine Regel: kein Mobile Marketing ohne Marketing. Sie müssen darauf aufmerksam machen, zum Beispiel durch direktes Einblenden des Bluetooth-Symbols.

Was macht eine gute Bluetooth-Kampagne aus?

Florian Herzberg: Die Inhalte müssen einen Mehrwert haben. Ein Beispiel: Wenn ein Elektronikmarkt die Information schickt, dass eine Waschmaschine im Angebot ist, empfinden viele Menschen das als Spam. Erhalten sie einen Gutschein oder Rabatt auf ein Produkt, ist die Akzeptanz deutlich höher.

Über Gutscheine lässt sich die Wirkung auch direkt nachweisen.

Florian Herzberg: Nicht unbedingt. Das funktioniert nur, wenn die Gutscheine individuelle Codes haben und nur einmalig eingelöst werden können. Dann lässt sich genau ermitteln, wie erfolgreich die Aktion war.

Was raten Sie Unternehmen, die eine Kampagne mit Bluetooth in Erwägung ziehen?

Florian Herzberg: Man braucht einen Berater. Man muss seine Zielgruppe kennen, denn Bluetooth wird vor allem von jungen und technikaffinen Menschen genutzt. Man sollte seine Ziele genau definieren und eine Lösung finden, mit der der Erfolg gemessen werden kann.

Vielen Dank für das Gespräch!

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