invidis Site Inspection: real,- Future Store

Im Rahmen der Metro Future Store Initiative eröffnete am 28. Mai 2008 die zur Metro-Group gehörende real,-SB-Lebensmittel Tochtergesellschaft den Future Store in Tönisvorst vor den Toren Düsseldorfs. In dem SB-Warenhaus der Zukunft erproben das Handelsunternehmen und seine Vertriebsmarke real,- neueste Technologien sowie innovative Konzepte für das Einkaufen von morgen.

Ziel ist es, Warenangebot und Service optimal auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden abzustimmen und den Modernisierungsprozess der Handelsbranche voranzutreiben.

In Tönisvorst testet Metro unter der Ägide der Future-Store-Initiative neue Wege in der Kundenansprache sowie der Markt- und Sortimentsgestaltung. Moderne Bezahlverfahren sorgen im Kassenbereich für mehr Komfort, RFID spielt im Bereich der Frischetheke für das Qualitätsmanagement eine zentrale Rolle.

Wer nun aber denkt, dass der Markt voll mit Displays hängt, der irrt. Digital Signage wird nur in kleinerem Maße eingesetzt – repräsentiert durch Cisco (DMS) und MultiQ (Screens). Ein signifikanter Einsatz von Digital Signage ist allerdings auf der anderen Rheinseite im Metro C+C (Großmarkt) direkt neben der Metro-Group-Hauptverwaltung in Düsseldorf zu erleben.

Die Metro Future Store Initiative
real,- Future Store 2008: Frischeabteilung (Waage)Der real,- Future Store ist bereits die zweite Entwicklungsstufe der 2003 in Rheinberg gestarteten Initiative. Viele der dort erprobten Technologien setzt das Unternehmen heute in regulären Märkten ein, beispielsweise intelligente Waagen, die aufgelegtes Obst und Gemüse automatisch per Kamera identifizieren, sowie Selbstzahlerkassen, an denen Kunden ihre Einkäufe eigenständig einscannen können.
Kinoton-360°-Stele

Am Markteingang empfängt den Kunden eine prominent platzierte Kinoton-Säule. Auf dieser werden die Technologien des Future Stores kurz erläutert sowie die Angebote der Woche präsentiert –Schweinebauchwerbung meets Future Technologies. Ein ungewöhnlicher Mix.

Leider ist der Inhalt noch nicht auf die 360°-Kinoton-Anforderungen abgestimmt: Zu viele weiße Hintergründe in den Grafiken machen den speziellen Transparenzeffekt der Stele zunichte. Außerdem hätte der Säule eine kleine Abdeckung gut zu Gesicht gestanden. Denn langsam, aber sicher sammeln sich die Wollmäuse in dem schicken Glaszylinder.

Kinoton-Säule Einkaufshilfe-Ally Ströer-Bluetooth Sound-Duschen
Sportabteilung I Sportabteilung II LED-Wand Punktomat

Instore-Radio und gerichtete Schallwellen

Speziell für den Future Store wird das real,-Instore-Radioprogramm abgemischt. Zum ersten Mal werden verschiedene Programminhalte innerhalb eines Stores ausgestrahlt. Dank der gebündelten Abstrahlung über Richtstrahllautsprecher, wird der Kunde nicht von einer Kakophonie erschlagen. Ganz im Gegenteil. Das Radioprogramm ist säuberlich auf die einzelnen Zonen abgestimmt. Durch den Einsatz der Sound-Duschen werden gezielt akustische Akzente gesetzt, ohne den Kunden zu überfordern.

Das Konzept der Sound-Duschen mit ihrem charakteristischen, engen Abstrahlwinkel wird auch in der Medienabteilung eingesetzt. Dort ermöglichen an der Auslage befestigte Kiosksysteme von Xplace das Anhören aller Songs bzw. das Abrufen von Zusatzinformationen über Spielfilme. Die Auswahl erfolgt per Touchscreen oder mit Einscannen des Barcodes. Alternativ zur Sound-Dusche sind auch Kopfhörer verfügbar – die allerdings oft von den Kunden als zu unhygienisch empfunden werden.

Einen weiteren Einsatz finden die Sound-Duschen in der Sportabteilung. Dort werden auf einem 42″-MultiQ-Display live Sport-Events übertragen. In unmittelbarem Umfeld untermalt Vogelgezwitscher die Auslage der Outdoor-Abteilung.

Nordsee am Niederrhein – Hören, sehen und riechen wie auf dem Fischmarkt

Der Fischmarkt im Future Store bietet etwas für alle Sinne. Neben einem interaktiv auf den Boden projizierten Fischtank wird das Thema Meer und Frische auch hörbar interpretiert. Lautsprecher sind über dem Thekenbereich angebracht und beschallen einen klar abgegrenzten Raum mit Meeresrauschen.

Zum umfassenden Einkaufserlebnis trägt außerdem der Duft bei. An der Fischtheke weht ein Hauch von Kräutern der Provence mit Limone. Der Geruch wird mithilfe ätherischer Öle und naturähnlicher Stoffe erzeugt und über die Klimaanlage in den Verkaufsraum befördert. Eine angenehme und anregende Atmosphäre entsteht.

RFID in Aktion – funkende Qualitätskontrolle an der Theke

Wenig spektakulär präsentiert sich auf den ersten Blick die Fleischabteilung. Drei Screens informieren mit tonlosen Imagefilmen über die hauseigene Metzgerei. Mehr oder weniger elegant wurden die Cisco-DMS-Player hinter und über den Displays versteckt. Die wirkliche Innovation steckt aber in den intelligenten Kühltruhen.

Alle in der Hausmetzgerei abgepackten SB-Frischfleischprodukte sind mit RFID-Tags versehen. Aufgrund der immer noch zu teuren RFID-Tag-Preise von 10–15 Eurocent werden nur die Premiumprodukte der „Meistermetzger“ mit Funketiketten versehen. Diese dienen dem Personal zur Kontrolle des Warenbestands. Wird ein bestimmter Warenschwellenwert unterschritten, wird dies sofort an die Metzgerei gemeldet, die frische Ware nachproduziert. Gleichzeitig überprüft das System die Haltbarkeit der Ware. Produkte, deren Haltbarkeit nur noch einen gewissen Zeitraum abdeckt, werden aus der Kühltheke entfernt und in der Metzgerei z.B. zu haltbarer Wurst weiterverarbeitet. Ein gelungener Schritt in Richtung Nachhaltigkeit.

Beim Meistermetzger kommt außerdem die so genannte Radiofrequenzidentifikation (RFID) zum Einsatz. Die Produkte in der Intelligenten Kühltruhe sind dabei mit Smart Chips versehen. Ziel ist es, die Produktion von frischem Fleisch im Markt exakt einzuplanen und die Qualitätssicherung weiter zu steigern. Wenn sich beispielsweise das Mindesthaltbarkeitsdatum eines Produkts in der Intelligenten Kühltruhe dem Ablaufdatum nähert, können die Mitarbeiter im Markt die Ware rechtzeitig aus der Kühltruhe entnehmen und gezielt entsorgen. Zudem lassen sich die Bestände artikelgenau kontrollieren. Sinkt die Menge der verfügbaren Frischeprodukte unter ein vorgegebenes Niveau, kann das Personal neue Ware produzieren und nachlegen.

Beauty-Berater im Regal

Beratung ist im Future Store Trumpf. Dies muss allerdings nicht immer Aufgabe der Angestellten sein. Beratungsterminals von L’Oréal und Oral B informieren den Kunden über den korrekten Hauttyp, die passende Haarfärbung und die perfekte elektrische Zahnbürste.

Die Touchscreens sind jeweils als Shop-im-Shop-Konzept im jeweiligen CI des Anbieters ausgeführt. Sie sind intuitiv zu bedienen und unterstützten den Kunden aktiv bei der Produktauswahl.

Guthaben auf der Weinkarte

Nichts für Weinkenner, aber für alle Kunden, die sich mit der großen Auswahl von Weinen im Store überfordert fühlen. In der Weinabteilung stehen 16 Weine zur Degustation bereit. Natürlich im technischen Gewand. Per Knopfdruck können Kunden den Weinspendern Proben entnehmen. Hemmungslose Saufgelage werden durch die Weinkarte verhindert. Diese ist mit einem bestimmten Guthaben aufgeladen, das bei jeder Probe ein wenig abnimmt. Somit sind rund sechs Verköstigungen möglich. Die Karte gibt es nur gegen Vorlage eines Altersnachweises an der Infotheke. Die obligatorischen Screens in der Weinabteilung klären den Kunden über die verschiedenen Anbaugebiete und Weincharakteristika auf. Wer so gar keine Ahnung von Wein hat, ist hier genau richtig aufgehoben.

real,- Future Store 2008, Kassenbereich (MulitQ/Cisco) Selbst ist der Kunde – IBM dominiert die Kassenzone

Die Kassenzone bietet SB- und SB-Schnellkassen sowie traditionelle bemannte Kassen an. Neu ist die Trennung der Scan- und Bezahlprozesse. Die Kunden nehmen die neuen Systeme gut an. Das Personal von real,- steht mit Rat und Tat zur Seite, wenn etwas mal nicht so reibungslos abläuft. Denn eines muss man immer im Hinterkopf haben: Neue Technik hat immer ihre Tücken. Es gilt daher, möglichst viel Erfahrung innerhalb des Future Stores zu sammeln und auf die Reaktion der Kunden zu achten. Nur so können die Produkte optimiert und für den zukünftigen Masseneinsatz modifiziert werden.

real,- Future Store 2008: MultiQ an der KasseOberhalb der SB-Kassen informieren 42-Zoll-MultiQ-Displays mit Cisco-Mediaplayern die Kunden über die neuen Bezahlmöglichkeiten. Bei unserem Besuch konnten wir uns mit eigenen Augen davon überzeugen, dass sehr viele Kunden – jeglichen Geschlechts und Alters – rege von den neuen Kassensystemen Gebrauch machen. Wer also denkt, dass neue Technologien nur etwas für Männer und jüngere Zielgruppen ist, der irrt gewaltig.

real,- Future Store 2008: Fleischtheke mit LG-ErsatzEinkaufen als Abenteuerfahrt
Der Besuch des Future Stores ist ein echtes Erlebnis. Nicht nur in puncto Technik. Neue Produkte, Warenwelten und einen sehr einladenden Ladenbau gibt es ebenso zu bestaunen. Das Einkaufen dort macht wirklich Spaß, und man wünscht sich als Kunde, dass bald alle Märkte so aussehen. (fro/eca)