Case Study

US-Senat zum Anfassen – mehr Demokratie wagen mit Signage

- Wie funktioniert Gesetzgebung? Wer sitzt eigentlich für mich im Senat? Auf welche Weise kann ich mich engagieren? – Das Edward M. Kennedy Institute for the United States Senate setzt auf Digital Signage, Projektion und Interaktion, um Demokratie spielend erlebbar zu machen. Verbaut wurde Technologie von AMX, Elo, Christie, Google, NEC und Sharp. von Thomas Kletschke

Senatskammer im EMKI (Foto; Rendering: Electrosonic)

Boston, Ende März 2015. Hoher Besuch im Edward M. Kennedy Institute for the United States Senate (EMKI): US-Präsident Barack Obama und Vizepräsident Joseph Biden kommen zur Eröffnung. Das auf Anregung des 2009 verstorbenen US-Sentors Edward „Ted“ Kennedy gegründete und nach ihm benannte EMKI möchte kein Verwahr-Museum sein, sondern ein interaktives Institut.

Jetzt können Schülergruppen, US-Bürger und ausländische Besucher die Rolle des US-Senats besser kennenlernen – und sollen für sich selbst lernen, wie sie persönlich Demokratie leben wollen. Neben einigen Exponaten können Interessierte auch in einer originalgetreuen Kopie des Abstimmungssaales in Washington oder in verschiedenen Klassenzimmern echte Abstimmungen im Rollenspiel durchführen. Dazu bedurfte es einer genauen Planung und Umsetzung.

Projektion "How a Bill Becomes a Law" (Foto: Electrosonic)

Projektion „How a Bill Becomes a Law“ (Foto: Electrosonic)

Ausstellungsexperten, Architekten, Ingenieurbüros, Integratoren, Lichtplaner und weitere Spezialisten haben auf insgesamt etwa 6.300 m² ganze Arbeit geleistet. Als reine Ausstellungsfläche stehen 1.600 m² zur Verfügung, für das Mock-up des originalen Abstimmungssaals haben die Planer des Architekturbüros Rafael Viñoly Architects gut 400 m² vorgesehen. Für eine Replik des Büros des gerne als „Löwen des Senats“ bezeichneten Ted Kennedy hat man es mit etwa 72 m² nicht übertrieben – auch damit wurde ein toter Gedenkort für „große Männer der Geschichte“ vermieden.

Leben in die Bude: Nach diesem Motto hat man nicht nur die Laufwege und die genutzte Technologie geplant. Insgesamt stehen 140 m² Raum für abgetrennte Meeting- und Lern-Bereiche zur Verfügung, die sich auf sechs Klassenräume verteilen. Die Verantwortung als Integrator bei dem Großprojekt hat Electrosonic übernommen. Dabei musste relativ langfristig geplant werden, mitunter mit Hardware, die zu Beginn des Prozesses noch nicht existierte. Seit dem finalen Entwurf (2010) und der Grundsteinlegung (2011) bis hin zur Eröffnung im ersten Quartal 2015 haben sich die Digital Signage- und AV-Medien schließlich weiterentwickelt.

Aufgrund baulicher Vorgaben – teilweise schmale Gänge, weitläufiges Gelände, in der Mitte die offene Senatsabstimmungskammer – gab es für Electrosonic einiges zu beachten. So wurde die gesamte Verkabelung mit Glasfaser umgesetzt, um alle vorgesehenen Installationsorte optimal versorgen zu können.

Tablets für die Besucher des Edward M. Kennedy Institutes (Foto: Electrosonic)

Tablets für die Besucher des Edward M. Kennedy Institutes (Foto: Electrosonic)

Im Eingangsbereich des Museums empfängt eine „Quote Wall“ die Besucher. Die Video Wall besteht aus fünf 55″-Screens von NEC. Zudem sorgen drei Projektoren mit tvONE CORIO Edge Blender für die Bespielung einer Curved-Leinwand. Hier werden Beispiele bürgerlichen Engagements gezeigt, etwa solche, die Besucher des Museums umsetzen wollen oder umgesetzt haben.

Neben den B2B-Geräten setzt das EMKI auch Consumer-Technik ein: Insgesammt 750 Google Nexus Tablets wurden angeschafft, mit denen Besuchergruppen arbeiten können. Auf den Tablets ist interaktive Software von der Control Group installiert. Hier kann beispielsweise die Rolle eines republikanischen oder demokratischen Senators übernommen werden, die man bei der später folgenden zweistündigen Simulation im hauseigenen Mini-Senat beibehält.

Falls Gruppen eines der sechs Klassenzimmer nutzen, können sie in drei Räumen auf weitere Bewegtbildinhalte zurückgreifen, unter anderem Live TV sowie Live Feeds aus der Nachbildung der Senatskammer. Hierzu sind an der Decke Projektoren (NEC) und Kameras sowie im Raum Touch-Panels (AMX) installiert. Das Büro Ted Kennedys wurde mit zwei Touch-Kiosken von Elo Touch Solutions ausgestattet.

Im westlichen Gebäudeflügel wird die Funktionsweise des US-Senats mit Hilfe von acht Projektoren visualisiert. In einem nördlich gelegenen Trakt versehen neun DHD555-Projektoren von Christie ihre Dienste; das Blending wird mit Spyder Image Processing von Vista Systems unterstützt – inhaltlich wird hier der Weg vom Entwurf zum fertigen Gesetz gezeigt.

Eingangsbereich des EMKI (Foto: Electrosonic)

Eingangsbereich des EMKI (Foto: Electrosonic)

Im Herz des EMKI, dem nachgebauten Senatssaal, sind drei Video Walls mit 60″-Screens von Sharp installiert worden. Zwei Walls sind als 1×3 konzipiert, in der Mitte befindet sich eine 4×3-Anordnung. Ein Soundsystem sowie Broadcast-Kameras von Sony sorgen für Beschallung und Bildübertragung – nicht nur auf die Screens dort, sondern auch in die Klassenräume. Im Prinzip wurde die gesamte Technik so konzipiert, dass Bilder von jedem Raum in jeden anderen übertragen werden können.

Ein Museum mit dem Anspruch des EKMI soll lebendig sein. Deshalb sind neben Wechselausstellungen, die zu Gast sind, auch abendliche Events geplant. Hier lassen sich bei Bedarf die Klasssenräume öffnen, sodass die dort verbaute Technik auch auf den Gängen nutzbar ist.

Mehr Demokratie wagen, bedeutet manchmal ja auch, dass man sich ordentlich feiern muss. Ohne passenden Sound und Bewegtbild-Content wäre das aber nur halb so schön.

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