Displayindustrie

Wie die Branche von Apple profitiert

- Sicherlich ist Cupertino nicht der einfachste Kunde: Alles muss fix gehen, ist Top Secret hoch sieben – und die neuste Displaytechnologie soll zu günstigen Preisen verfügbar sein. Gleichwohl kann die Displayindustrie momentan auf einige neue Aufträge von Apple hoffen – und indirekt profitieren auch mehrere deutsche Konzerne von Apples Erfolgen. von Thomas Kletschke

OxideTFT-Display des iMac Retina (Screenshot: invidis)

Oxide TFT-Display des iMac Retina: Aufbau (Screenshot: invidis)

Im Prinzip ist Apple ein reines B2C-Brand: Der Anteil der Profi- oder Semi-Profi-Geräte im Line up ist gering – besonders, wenn es solche mit verbauter Displaytechnologie sind. Allerdings ist der Hersteller aus Cupertino auch bei den Consumer-Produkten schnell dabei, neue Technologien auszuprobieren. Dazu arbeitet man seit jeher eng mit den Zulieferern zusammen – manchmal so eng, dass die Industrie nach Luft jappsen muss.

Dennoch hat Apple als Katalysator mitgeholfen, neue Technologien in größeren Stückzahlen umzusetzen. Angefangen bei OLED, über den konsequenten Einsatz von IPS – lediglich ein aktuelles Apple-Produkt arbeitet noch mit TN Panel, das Macbook Air – bis hin zum durch Marketing-Getrommel verbreiteten Retina-Trend, also HiDPI.

Traditionell setzt Apple bei den Displays auf die beiden großen Koreaner: In vielen aktuellen und vergangenen Laptops sowie den All in one-Rechnern der iMac-Serie finden sich Panel von LG oder Samsung. Inzwischen ist Apple bei IPS Panels in 5K angelagt, etwa im 27″ iMac Retina, das zumindest in Teilen mit Panels von LG beziehungsweise LG China bestückt ist. Dabei setzt man auf ein Oxide TFT-Display. Bei den verschiedenen MacBook Pro-Modellen waren Samsung und LG bisher ebenfalls die einzigen beiden bekannten Lieferanten.

Die Umsätze, die Samsung mit Apple macht – einschließlich Prozessortechnik und SSDs, sind immerhin so interessant, dass die beiden ansonsten in diversen Märkten konkurrierenden Konzerne, seit langem kooperieren. Inzwischen hat Samsung ein neues Team zusammengestellt, das aus 200 Leuten besteht, die ausschließlich für Apple arbeiten – und ausschließlich im Bereich Displays. Apple ist laut einer Investor Relations-Meldung von Samsung bereits der fünftwichtigste Kunde für den koreanischen Konzern. Apple wiederum hat auf den Weltmärkten mit starken Marktanteilen bei Tablets und Smartphones sowie im Bereich PC eine Rolle als Großabnehmer auch der Displayindustrie – nach Berechnungen der Marktforscher von IDC stieß Apple im Jahr 2014 erstmals in die Top 5 der PC-Hersteller auf (nach verkauften Einheiten).

Flexibles 9,9 Zoll OLED (Foto: JOLED)

Flexibles 9,9 Zoll OLED (Foto: JOLED)

Ebenfalls ein Bereich, in dem Apple immer wieder größere Stückzahlen ordert – und einige Innovationen vorangetrieben hat: OLED. Möglicherweise stammen OLED-Displays für die Apple Watch von Samsung. Aber: Im Bereich OLED haben auch kleinere Marktteilnehmer eine realistische Chance, mit Apple ins Geschäft zu kommen. So soll das – offiziell bisher nicht bestätigte iPad in 12″ ab dem Jahr 2016 oder schon ab Herbst 2015 entweder mit Oxide-TFT Panel oder mit OLED-Panel ausgestattet werden – je nach Quellenlage. Laut dem OLED iPad-Gerücht gibt es bereits einen weiteren konkreten Lieferant – und der käme dann aus Japan.

Im Gespräch ist demnach JOLED als Lieferant. Unter dem Namen JOLED hatten JDI, Sony und Panasonic ihre Geschäfte mit kleinen OLEDs gebündelt – unter tatkräftiger Mithilfe und Beteiligung des japanischen Public Private Partnership INCJ. Auch Sharp ist einer der wichtigen Panel-Lieferanten bei Apple. Zuletzt hatte der Konzern ein 5,5″ Igzo Panel mit 806 PPI vorgestellt. Hier scheint man allerdings eher als Lieferant der Smartphone-Sparte von Samsung im Spiel zu sein, wie verschiedene Berichte nahelegen.

Eine größere Marktdurchdringung von Oxide TFT Panels könnte auch im Ruhrgebiet mit Freuden zur Kenntnis genommen werden, schließlich hat Evonik gemeinsam mit dem belgisch-niederländischen Holst Centre an einer entsprechenden TFT Backplane-Technologie geforscht, die unter iXsenic vermarktet wird. Evonik sieht seinen Oxide TFT Coating Process als Alternative zu anderen Backplane-Technologien wie LTPS. Die Technologie lässt sich mit hochauflösenden OLED oder LCD Panels umsetzen – laut einer Mitteilung von Evonik aus dem Herbst 2014, produziert zumindest schon ein Großkunde entsprechende Displays in Serie. Dabei könnte es sich also um LG handeln, den Lieferanten des iMac 5K 27-Zöllers.

Apple veröffentlicht auf seiner Website jeweils eine Liste der 200 wichtigsten aktuellen Zulieferer. Auf der Liste – die für mindestens 97 % der Beschaffungsaufwendungen für die Produktion in den eigenen und fremden weltweit 18 Endmontagewerke stehen – findet man aus den Bereich Display, LED und verwandten Sektoren momentan unter anderem diese Hersteller als Top-Lieferanten: 3M, Au Optroncis, Corning, Foconn / HonHai, Henkel, Intel, Infineon, verschiedene LG-Gesellschaften einschließlich LG Innotek, Murata, Nichia, Omnivision Technologies Panasonic, die Robert Bosch GmbH, Samsung, SEMCO (die Samsung-Experten für Shelf Displays), Sharp, Sony sowie Toshiba und NEC-Tokin. Der Letztgenannte dürfte Lieferant von elektronischen Bauteilgruppen sein.

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