Technologie

OLED, Touch und Co. – Airbus patentiert interaktives Fenster

- LED- und Displayproduzenten rechnen mit wachsender Nachfrage: Flugzeughersteller arbeiten an interaktiven Display-Fenstern. Jetzt hält Airbus ein US-Patent für ein solches System, das OLED- oder LCD- und wohl Touch-basiert sein wird. LED Lighting ist aktuell schon ein Luftfahrt-Trend. Was wird jetzt schon eingesetzt, was in den kommenden 15 Jahren? Ein Überblick. von Thomas Kletschke

Displaytechnologien im Airbus Concept Plane (Foto: Airbus S.A.S)

Displaytechnologien im Airbus Concept Plane (Foto: Airbus S.A.S)

In den kommenden Jahren könnten Airlines ihre Entertainment- und Informations-Systeme an Bord deutlich verbessern. Studien und Konzepte dazu erscheinen in schöner Regelmäßigkeit. Etwa das Airbus Concept Plane, das der Hersteller bereits 2012 vorstellte. Auf einem der Renderings, dem Aufmacherfoto, zeigt Airbus im Prinzip schon das, was man sich jetzt patentieren ließ.

Von Seiten der Luftfahrtindustrie gibt es beispielsweise bei Airbus seit einiger Zeit einige interne und externe Projekte zum Thema. Kann man den aktuell in seiner zweiten Phase befindlichen internationalen Studentenwettbewerb „Fly Your Ideas“ noch als Spielwiese mit ungewissem Ausgang abtun – hier wurde kürzlich ein Entwurf vorgestellt, beim dem ein intelligenter Sitz die Körper-Abwärme des Passagiers nutzt, um ein vor dem Sitz angezeigtes Pop up-Hologramm mit Energie zu versorgen – sind andere Projekte offenbar weiter gediehen.

Jetzt schon können sich Hersteller von LED Lighting-Lösungen über Nachfrage freuen. Zuerst gab es Nachfrage nach speziellen Umbauten, wie sie etwa in dem mit Ambient LED Lighting ausgestatteten Flugzeug Hekla Borealis von Icelandair zu finden sind. Weitere Airlines sind mit ähnlichen Flugzeugen ebenfalls schon in der Luft unterwegs.

Wenn solche Konzepte in Serie gehen, und Standard bei Verkehrsflugzeugen werden, ist das für die Produzenten von LED-Lösungen und entsprechender Steuerungstechnik deutlich interessanter. Als Ende Februar ein Airbus A350 XWB auf dem Airport in München landete, war es noch eines von aktuell fünf Testflugzeugen, die mit einem solchen System ausgestattet sind. Seit Jahresanfang ist die neue 350 mit LED Lighting aber auch regulär im Einsatz, etwa für Qatar Airways, die damit die Strecke Frankfurt – Doha bedient.

Noch in naher Zukunft liegen Konzepte für Flugzeuge, die die Fensterfront als Enternainmentsystem nutzen werden. Dass sie kommen werden, gilt als ausgemacht. Wenn sie kommen, dann werden sie von Boeing und Airbus stammen.

Grafiken aus dem Airbus-Patent für ein interaktives Display-Fenster (Screenshots; Montage: invidis)

Grafiken aus dem Airbus-Patent für ein interaktives Display-Fenster (Screenshots; Montage: invidis)

Vor einigen Wochen hat Airbus in den USA ein Patent erhalten, in dem ein solches System beschrieben wird. Damit markieren der 19. März 2015 und das an diesem Tag vom United States Patent and Trademark Office veröffentlichte Patent US 2015/0077337 A1 einen interessanten Wendepunkt für Diplayhersteller weltweit. In dem achtseitigen Dokument – wir haben Screenshots daraus in der nebenstehenden Montage zusammengefasst – beschreibt Airbus ein interaktives Display im Fenster. Dabei lässt man sowohl LCD-basierte wie Lösungen via OLED zu. Wie üblich bei Patenten versucht man, ein möglichst großes Spektrum an Features abzudecken.

Dennoch dürfte OLED die interessanteste Basis für ein interaktives Display-Fenster in einem Flugzeug sein: Dafür sprechen etwa der niedrige Energieverbrauch und die Bildqualität bei hohem Kontrast, die ein fenster (Sonneneinstrahlung in großer Höhe) sicherlich liefern müsste.

Zudem lässt sich von den Materialeigenschaften von OLED darauf schließen, dass man dieser Technologie wohl den Vorzug geben würde. OLED-Folien können flexibel und stabil zugleich sein, sehr lichtdurchlässig und eine Reihe von Forscherteams weltweit arbeitet explizit an OLED-Fenstern (etwa Philips in den Niederlanden sowie Fraunhofer hierzulande).

Im Patent spricht Airbus zudem davon, dass das interaktive Fenster auch Touch-Eigenschaften besitzen kann – davon ist definitiv auszugehen. Hier stünden diverse Touch-Technologien zur Auswahl. Zudem sind im Patent auch Face Recognition-Systeme beziehungsweise Kameras vorgesehen, die für Interaktion oder Personalisierung genutzt werden könnten.

Als Beispiel für eine Anwendung führt Airbus im Patent einen Flug nach Paris an: Sieht man von weitem den Eiffelturm, kann man durch eine Fingergeste darauf entsprechende Infos abrufen, oder vielleicht das Abendessen im Restaurant des Turms buchen.

Einen Usability-Schönheitsfehler hat das Patent allerdings: Man muss schon seinen Kopf und Korpus nach rechts drehen, um ein Fenster-Display zu nutzen. Gibt es mehr als einen Sitzplatz pro Reihe – was der Regelfall ist – müssten sich zwei Nutzer ein OLED-Fenster teilen. Insofern müsste man sich hier noch etwas einfallen lassen, um die Customer Experience besser zu gestalten.

Einen Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.