Übernahme

TV-Sparte von Metz wird europäischer Hub von Skyworth

- Der große chinesische Produzent Skyworth kauft die TV-Sparte des Herstellers Metz. Der Standort in Zirndorf bleibt erhalten, und soll als Sprungbrett der chinesischen Marke für deren Europa-Expansion dienen. Skyworth hat ehrgeizige Ziele – und setzt auch auf den Sektor B2B. von Thomas Kletschke

Skyworth im Bereich B2B - Kontrollraum mit Video Wall-Screens (Foto: Skyworth)

Skyworth im Bereich B2B – Kontrollraum mit Video Wall-Screens (Foto: Skyworth)

Deutlich schneller als zuletzt Loewe hat der ebenfalls kriselnde deutsche TV-Hersteller Metz aus der Insolvenz heraus eine neue Perspektive für das Unternehmen gefunden.

Dabei wird Metz zweigeteilt: Käufer der Blitz- und Kunststoffsparte ist die Daum-Gruppe mit Sitz in der Region. Die Daum-Gruppe ist ein international tätiger Hersteller von Antriebslösungen im Bereich der Elektromobilität und von Fitnessgeräten.

Auch der TV-Bereich wird überleben, wie Metz‘ Insolvenzverwalter Joachim Exner mitteilte. Erwerber der TV-Sparte ist der chinesische Konzern Skyworth, einer der marktführenden Hersteller in China. Bereits als Loewe auf der Verkaufsliste stand, waren neben Hisense und Changhong weitere chinesische Interessenten gehandelt worden – zu denen Branchenbeobachter auch Skyworth gezählt hatten.

International gehört Skyworth zu den zehn führenden TV-Herstellern. Das Unternehmen beschäftigt weltweit rund 37.000 Mitarbeiter, davon rund 30.000 in der TV-Sparte. Skyworth verfolgt seit Jahren einen konsequenten internationalen Wachstumskurs. Insbesondere durch Zukäufe erschließt das Unternehmen neue Märkte und erreicht dadurch bis zu zweistellige Zuwächse, zuletzt in Südafrika rund 50 %. Damit verfolgt Skyworth auf dem schwarzen Kontinent eine vergleichbare Strategie wie Hisense.

Skyworth hält am Produktions- und Entwicklungsstandort Zirndorf fest und will nach eigenem Bekunden von dort aus die Marke Metz stärken und ausbauen. Zugleich sollen Zirndorf und das bestehende Netzwerk als „Hub“ zur Erschließung des europäischen Marktes für die eigenen Produkte der Marke Skyworth dienen. Dazu übernimmt das Unternehmen 152 der verbliebenen 219 Mitarbeiter der TV-Sparte. Damit bleiben rund 70 % der Arbeitsplätze erhalten. Die Gläubiger haben dem Verkauf bereits zugestimmt, die Genehmigung durch die Kartellbehörden ist beantragt. Der Betriebsübergang ist für den 1. Juni 2015 geplant.

Mitte April 2015 hatte Skyworth seine Pläne für die Märkte in Übersee für die kommenden fünf Jahre publik gemacht. Yang Dongwen, President der Skyworth Group, nannte die ehrgeizigen Ziele auf einer Konferenz für die internationalen Distributionspartner.

Ziel bis zum Jahr 2017 in den Exportmärkten ist demnach ein Verkaufsvolumen von 10 Millionen TVs insgesamt, mit einem Anteil der Eigenmarken in Höhe von 30 %. Bis zum Jahr 2020 soll das Volumen auf 15 Millionen Einheiten ausgebaut werden, dann soll der Anteil der Eigenmarken an den verkauften TVs schon bei 50 % liegen.

Bekannt ist, dass die 1988 gegründete Skyworth teilweise auch mit LG Display kooperiert. So werden etwa IPS-Panel von LG Display in Skyworth TVs wie dem Coocaa Honor A55 Smart Screen TV eingesetzt.

Aktuell hört man von Skyworth‘ Produkten im B2B-Segment wenig – dennoch gibt es Video Walls aus Eigenproduktion mit entsprechenden LCD Screens zumindest in der Volksrepublik China. Dort sind Installationen bei verschiedenen Banken bekannt, etwa der Industrial and Commercial Bank of China, der Bank of China, der China Merchant Bank sowie der Bank of Communications. Wenn sich die Gelegenheit bietet, im Segment B2B auch in Exportmärkten Fuß zu fassen, dürfte Skyworth perspektivisch zugreifen – auch hier kann man an Übernahmeszenarien denken.

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