Wartezimmer-Netzwerke

Stärkere Marktdurchdringung in Österreich als in Deutschland

- Vergleicht man Wartezimmer-Netzwerke in Deutschland und Österreich, zeigt sich, dass der Markt in der Alpenrepublik ausdifferenzierter ist. Zugleich ist die Abdeckung in absoluten Zahlen geringer – aber die Marktdurchdringung deutlich stärker. von Thomas Kletschke

An Vita TV angeschlossene Arztpraxis (Foto: A1)

An Vita TV angeschlossene Arztpraxis (Foto: A1)

In Deutschland sowie Österreich ist TV-Wartezimmer mit seinen Netzwerken sehr stark vertreten. Der Anbieter aus Freising hatte sich, nachdem er in Deutschland sein Geschäft ausgebaut hatte, auch in Österreich umgeschaut. Dort wurde man fündig: Die Übernahme von Vita TV stand an – das war Ende 2013. Nach dem Erwerb hat man die Strukturen des bestehenden Netzwerks angepasst. TV-Wartezimmer ist im Nachbarland sowohl mit dem Netzwerk Vita TV wie dem österreichischen TV-Wartezimmer vertreten. Denn die Marktvoraussetzungen in den beiden Ländern unterscheiden sich.

Zunächst wurde Vita TV verkleinert. Momentan gehören 545 Screens an 387 Standorten zu Vita TV. Damit ist das Netz zahlenmäßig um gut 30 % kleiner, als direkt vor dem Erwerb. In der weiteren Vergangenheit kam Vita teilweise auf 1.000 Screens und mehr.

Grund für die Anpassung: Vita TV war ein Misch-Netzwerk aus On- und Offlinesystemen, was nicht zur Strategie der Freisinger passt. Nun ist Vita TV wie sein Schwester-Netzwerk ein reines Onlinesystem. Damit unterscheidet man sich von Wettbewerber y-doc, der sein Offline-Netzwerk in jüngerer Zeit vergrößern konnte. Im Gegensatz zu Deutschland hat ein Offline-orientiertes Healthcare-Wartezimmer-Netzwerk eine breite Marktresonanz.

Wie aber unterschieden sich die beiden österreichischen Online-Netzwerke? Vita TV kann in einer Basisversion (mit oder ohne Zusatzmodulen) von den Praxen erworben werden, ist preislich also in der Mitte der drei Netzwerke anzusiedeln. Nicht alle Inhalte, die TV-Wartezimmer zur Verfügung hat – zu denen eigenproduziertes Material wie Patientenfilme ebenso gehört, wie zugekauftes Material von verschiedenen Content-Partnern – werden auch auf Vita TV ausgespielt. Insofern wurde Vita TV inhaltlich weiter aufgewertet. Allerdings gibt es weiterhin exklusiveren Content für das Netzwerk TV-Wartezimmer, das das Premium-Netzwerk ist.

Das österreichische TV-Wartezimmer – 102 Screens in 102 Praxen – unterscheidet sich weiterhin dadurch von seiner Schwester, dass hier im Regelfall ein Screen pro Praxis installiert ist. Die Vita hat dagegen auch Großkunden wie verschiedene Spitäler, Tiroler Landeskrankenhäuser und einige der Gebietskrankenkassen, etwa in Wien oder Niederösterreich als Kunden. In der Vermarktung sind TV-Wartezimmer und Vita TV weiterhin eine Einheit.

Nach der Umstellung bei Vita auf Online wird ein neues Wachstum des Netzes angepeilt, ebenso bei der österreichischen TV-Wartezimmer. Die Zwei-Marken-Strategie bleibt erhalten. Bei der Vita hat TV-Wartezimmer mit dem Mobilfunker A1 einen Kernkooperationspartner. Die A1 ist in Österreich im Healthcare-Segment stark aktiv, etwa bei Systemen für elektronische Gesundheitsakten und in ähnlichen Feldern. Schon vor der Übernahme der Vita war A1 mit im Boot. Sie ist einerseits technischer Partner, der bei Installationen und Wartung in vielen Fällen involviert ist. Zudem steuert A1 aufgrund der Expertise bei Healthcare diverse Zielpartner bei. Mit IT-Park aus Wien hat Vita einen Kooperationspartner, wenn es um die Broadcasting-Software geht.

Insgesamt sind österreichweit etwa 1.500 Screens in allen Wartezimmer-Netzwerken im Einsatz. Damit sind die Netze im Vergleich zu Deutschland wesentlich etablierter. Nimmt man die übliche Formel 1:10 als Maßstab, müssten in Deutschland 15.000 Screens in den Netzwerken in Betrieb sein. An aktiven Screens kann man hierzulande aber von etwa 8.500 ausgehen. Geht die Expansion bei den Netzwerken im österreichischen Markt weiter, könnten dort bald schon sind im Verhältnis doppelt so viele Screens etabliert sein wie in Deutschland.

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