Banking

Neue ATM-Generationen machen Banken sicherer

- Ein Zischen, kurze Stille, dann der ohrenbetäubende Lärm einer Explosion. Immer öfter sprengen Kriminelle mit Hilfe von Gas die Geldautomaten von Banken – ein weltweites Problem. Im schlimmsten Fall kommen Menschen zu Schaden. Hersteller von ATMs sowie Spezialdienstleister sorgen mit Gas Protection Units für Abhilfe – ein lohnendes Geschäft für alle. von Thomas Kletschke

Banco de Chile - Portal einer Filiale (Foto: Banco de Chile)

Banco de Chile – Portal einer Filiale (Foto: Banco de Chile)

Mal war es eine Filiale der Banca Monte dei Paschi di Siena in Italien, mal eine Volksbank in Deutschland, mal britische Finanzinstitute wie Barclays, HSBC oder Santander in Leicester oder Liverpool – selbst eine Sparkassen-Filiale im beschaulichen Lipper Bergland musste schon dran glauben.

Neben hohen Sachschäden, die oft weit über den Ersatz eines Geldautomaten hinausgehen, leidet die Reputation der betroffenen Bank. Und Menschen, die sich zufälligerweise in der Umgebung aufhalten, müssen um ihr Leben fürchten.

Auch in Chile ist das Problem seit einiger Zeit bekannt, erst im Januar 2015 sprengten Kriminelle zwei ATMs in einer U-Bahnstation in Santiago de Chile in die Luft. Man ist sich der Problematik bewusst – und hat entsprechend reagiert. Im Jahr 2013 hat Chile deshalb den Decreto 222 erlassen, der die Betreiber von Geldautomaten vermehrt in die Pflicht nimmt, um bis 2018 die Systeme umzurüsten, und damit für Kunden, Passanten und Mitarbeiter wieder sicherer zu machen. Im März diesen jahres wurden die Vorschriften erneut verschärft.

Die Banco de Chile ist laut Finanzdienstleister Bloomberg die profitabelste und vom Rating her stärkste Bank in Lateinamerika. Nun ist sie auch in Punkto Sicherheit für Kunden und Mitarbeiter ein Branchen-Primus. Denn die Nummer zwei im chilenischen Bankenmarkt hat seit Erlass des Decreto zunächst 550 ATMs besonders gesicherte Geldautomaten installiert, die von Wincor Nixdorf stammen. Jetzt hat die Retail Bank erneut 500 CINEO-ATMs geordert.

Das angewendete Sicherheitskonzept von Wincor Nixdorf umfasst eine Video-Überwachung der Umgebung in HD-Qualität, zusätzliche Kameras an den Geldautomaten für das Monitoring des Bedienfeldes und vor allem besonders widerstandsfähige und gas-explosionsgeschützte Tresore. Mit solchen Gas Protection Units, die auch Speezialanbieter wie die niederländische Mactwin Security Group anbieten, soll das Entstehen von Explosionen verhindert werden. Zusätzlich zu bereits installierten Systemen übernehmen Hardwarehersteller wie Wincor Nixdorf oder NCR mit ihrer jeweiligen Service-Organisation auch die fortlaufende Wartung für die neu installierten Systeme.

Für die chilenische Bank hat sich die Aufrüstung offenbar gelohnt: Drei Mal versuchten Diebe im vergangenen Jahr die neuen Systeme mit Gas zu sprengen und mussten lernen, dass diese Angriffsmethode zwecklos ist. Für die Bank der Beweis, weiter in die sichere Lösung zu investieren. „Es geht nicht in erster Linie um das Geld in den Systemen, sondern darum, Begleitschäden, die bei den Explosionen entstehen könnten, zu vermeiden. Die Sicherheit von Kunden und Mitarbeitern hat für uns höchste Priorität“, sagte Osvaldo René González García, Director Security und Risk Prevention, von der Banco de Chile.

Auch eine Filiale der Sparkasse im lippischen Blomberg verfügt seit November 2014 wieder einen neuen, diesmal mit GPU-geschützten Geldautomaten. Ende August des selben Jahres hatten Täter in der Filiale in Istrup den vorher installierten ATM gesprengt. Auch hier ist seitdem ein neues, ebenfalls sicheres System installiert worden.

Ein lohnendes Geschäft für – nahezu – alle: Endkunden, Mitarbeiter und Bank können ebenso wie die Versicherer davon profitieren. Auch die Hardware-Anbieter sowie deren Partner können mit Qualitäts-Lösungen überzeugen. Lediglich die mit gefährlichen Sprengmitteln agierenden Panzerknacker dürfte es wurmen.

Einen Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.