Gewinneinbruch

Wincor Nixdorf will chinesischer werden

- Die Wende Richtung Schwellenländer – hier vor allem China – und Software und Services ist eingeleitet – doch der Paderborner Konzern muss vorerst noch mit schlechten Zahlen an die Öffentlichkeit gehen. von Thomas Kletschke

Wincor will - und muss - chinesischer werden: Standort Shanghai (Foto: Wincor Nixdorf)

Wincor will - und muss - chinesischer werden: Standort Shanghai (Foto: Wincor Nixdorf)

Wincor Nixdorf hat eine Ad-hoc-Mitteilung zu seinen ersten beiden Quartalen veröffentlicht – der Paderborner Hersteller hat Geschäftsjahre, die nicht identisch mit den Kalenderjahren sind. Die Halbzeitbilanz – genaue Zahlen liegen am 26. April vor –  im Geschäftsjahr 2011/12 ist unerfreulich. Denn das Banking-Geschäft schwächelt. Banking-Vorstand Stefan Auerbach musste bereits gehen – und auch im Konzern wird es zunächst zu einem Stellenabbau kommen. Im laufenden sowie im Geschäftsjahr 2012/13 müssen sich 500 Mitarbeiter eine neue Arbeit suchen. Grund ist die immer schwächere Nachfrage nach Geldautomaten. Sie führten wohl zu dem nun vermeldeten Gewinneinbruch in den ersten sechs Monaten. Für das Geschäftsjahr 2011/12 erwarten die Paderborner einen deutlichen Rückgang des operativen Ergebnisses (Ebita) um rund 38 % auf etwa 100 Millionen Euro.

Der neue Fokus des Unternehmens sind die Schwellenländer sowie Software und Services. Der Strategieschwenk soll den „fortgesetzten signifikanten Umsatzrückgang im Banking-Geschäft“ ausgleichen. Der „starke Margendruck im Hardware-Geschäft“ kann aber bisher noch nicht durch die neuen Bemühungen eliminiert werden. In Boom-Märkten ist auch Wincors Banking-Division noch nicht da angekommen, wo sie hin will. Der Umsatzrückgang sei auch dadurch bedingt, „dass sich das Banking-Geschäft in den Schwellenländern nicht im erwarteten Umfang entwickelte beziehungsweise das darauf zugeschnittene Leistungsangebot noch nicht genügend weit vorangeschritten ist“, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens. Auch die Investitionszurückhaltung der Banken allgemein – Stichwort Staatsschulden- und Bankenkrise – schlägt ins Kontor. Vor allem „aufgrund dieser Entwicklungen im Banking-Geschäft reduzierten sich die Hardware-Umsätze konzernweit um 13 % gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres“, so Nixdorfs Angaben.

Allerdings scheinen auch erste kleine Hoffnungsschimmer die Neuausrichtung grundsätzlich zu bestätigen. Die Umsätze im Software- und Services-Geschäft nahmen um 5% zu. Die Konzentration auf dieses Geschäftsfeld und die Umbaumaßnahmen betreffen westeuropäische und deutsche Standorte. Die Hälfte der 500 abzubauenden Stellen wird hierzulande wegfallen. Auch im Bereich Entwicklung ist die Region Asien/ Pazifik als neuer Schwerpunkt angepeilt – bei gleichzeitigem Abbau dieser Kapazitäten in Europa. Derzeit wird kommuniziert, dass „künftig mehr Produkte aus dem bestehenden Portfolio in China produziert und zugleich die Fertigungskapazitäten in Deutschland entsprechend angepasst werden“ sollen.

Gut möglich also, dass die Internationalisierung des Geschäfts – ausdrücklich sollen in den Wachstumsmärkten neue Stellen und übergreifende regionale Unternehmensstrukturen geschaffen werden – noch zu weiteren Abbaumaßnahmen in Europa führt. Das könnten neben weiterem Stellenabbau auch die Aufgabe von Standorten beinhalten, um in den Schwellenländern entsprechend stärker investieren zu können.

Wincor Nixdorf ist nach Konzernangaben in mehr als 110 Ländern präsent, davon in 42 mit eigenen Tochtergesellschaften. Insgesamt arbeiten mehr als 9000 Mitarbeiter im Konzern. Bei programmierbaren elektronischen Kassensystemen (EPOS) in den Kernsegmenten des Handels bezeichnet sich Wincor in Europa als Nr. 1 und weltweit als Nr. 2, bei Geldautomaten als Nr. 2 in Europa und der Welt. Produktionsstätten befinden sich derzeit in Paderborn, Singapur, Shanghai und Sao Paolo.

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