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3D im Weltall – deutsche Kamera entdeckt neuen Mond

- Die christliche See- und Raumfahrt ist öde und fad – solange nicht Bruce Willis am Steuerknüppel sitzt und Aliens mit taktischen Nuklearwaffen de-materialisiert. Eigentlich. Es sei denn, Broadcast- und 3D-Technologien entlocken Asteroiden Geheimnisse, die sie zu Planeten adeln – und dann noch mittels deutscher, also langweiliger, Technologie. von Thomas Kletschke

Vesta, bloß ein Ateroid - oder doch ein Mond? (Foto:DLR)

Vesta, bloß ein Ateroid - oder doch ein Mond? (Foto:DLR)

Mit 3D ist es wie mit Teflon und den berühmten Pfannen: 3D wird überschätzt – und ist doch das Ding: in TV, im Kino, beim Kunden. Nun zeigt sich: Mit Kameras, die ausschauen, wie in den späten 1970ern designte Staubsauger, lassen sich großartige Bilder und Erkenntnisse fertigen. – Zugegeben: Noch nicht DAS Ding für das Netzwerk Ihres Kunden – aber inzwischen haben wir ja auch Teflonpfannen im Ikea-Schrank stehen.

Die Mission Dawn setzt auf die - zugegeben - staubsaugermäßig-designte 3D-Kamera (Foto: Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung)

Die Mission Dawn setzt auf die - zugegeben - staubsaugermäßig-designte 3D-Kamera

Manches Ding braucht seine Zeit. So wie „Mission Dawn“: Im September 2007 – und damit 15 Jahre nach dem ISY, dem International Space Year, in dem die allgemein und interstellar durchaus anerkannte Band They Might Be Giants mit ihrem Album „Apollo 18“ unter anderem mit Tracks wie diesem dem Rest des Universums unser bescheidenes „Hallo“ entgegenrief – startete die Dawn-Mission in den Orbit. Ihr Ziel: Ein Haufen Irgendwas, ein Asteroidengürtel, kurz hinter dem Mars. Unter anderem der Asteroid Vesta. Ins Visier genommen entpuppt sich Vesta als planetenähnlicher Asteroid. „Vesta hat mehr Ähnlichkeit mit dem Mond als mit anderen Asteroiden“, so Professor Ralf Jaumann vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof. – An Bord trägt die NASA-Sonde, die Vesta beobachtet, ein Spektrometer, einen Gammastrahlen- und Neutronendetektor sowie ein deutsches Kamerasystem.

Vesta, der mit 530 Kilometern Durchmesser zweitmassivste Asteroid unseres Sonnensystems, zeigt zahlreiche Eigenschaften eines Planeten. Das ist eines von mehreren bedeutenden Ergebnissen der NASA-Mission Dawn, die am heutigen 11. Mai 2012 im amerikanischen Wissenschaftsmagazin Science veröffentlicht werden. Die Raumsonde Dawn umkreist Vesta seit dem 16. Juli 2011. An der Mission ist auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) beteiligt.

Toll! Das Ding da oben ist so etwas wie ein Mond – so die Forscher. Die Meriten ernten, wie immer die NASA-Leute. Und – wer hat’s erfunden, liefert die Bilder? – Na, letztere das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS), in Katlenburg-Lindau. Dort wurde die „Framing Camera“ in Kooperation mit dem DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin-Adlershof und dem Institut für Datentechnik und Kommunikationsnetze der Technischen Universität Braunschweig entwickelt und gebaut. Am MPS wurde das Kameragehäuse, inklusive des Filterrads, des Verschlussdeckels und der Elektronikbox entwickelt sowie das Gesamtsystem auf Weltraumtauglichkeit getestet. Das MPS ist im Rahmen der Gesamtleitung des Experiments ebenso für den Betrieb der Kamera während der gesamten Mission verantwortlich. Die Aufnahmeplanung erfolgte in Koordination mit dem DLR-Institut für Planetenforschung, wo sämtliche Bilddaten und Bildprodukte archiviert werden.

Im DLR wurde die elektronische Einheit der Kamera mit den lichtempfindlichen Sensoren und der Ausleseelektronik entwickelt und gebaut. Die Firma Kayser-Threde lieferte die Optik des Sensorteils. Das Institut für Datentechnik und Kommunikationsnetze beteiligte sich mit dem Modul zur Datenverarbeitung.

Also, fern von Nationalismus und stolzgeschwellter Brust: Wenn in X Jahren jemand nach dem Ursprung der Technologie – hallo MP3 – fragen sollte: Wer hat`s erfunden? – Es waren wir – wir Menschen:) – Und die ein oder andere B2C- oder B2B-Anwendung lässt sich daraus bestimmt auch noch stricken – bitte mit professionellem US-Marketing; die können das – bis zum Beweis des Gegenteils.

Nachtrag für Patentanwälte: Auch das 3D-Kamerasystem wurde – leider, leider – schon von Douglas Adams beschrieben, etwa, (in: Per Anhalter durch die Galaxis) als „bloß eine Filmprojektion, die Siebzig-Millimeter-Cinerama, wie schlappes Super 8 wirken ließ“.

Aber …. das wäre ja eine andere Geschichte... – 42!

 

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