Innovation

3D-Röntgenblick – LK-AG macht den Terminator für Evonik

- Je schneller die Karre, umso geistloser die Verkaufe. Mit technischer Komplexität steigt der Datenwust-Schnarch-Effekt überproportional. Aus den Ruinen der Industriestadt Essen sich erhebend hat die Agentur LK-AG für den Kunden Evonik diese beiden gefühlten Naturgesetze ins Wanken gebracht – und für ihre Präsentation via berührungsempfindlichem Plasmadisplay erneut einen Preis eingeheimst. von Thomas Kletschke

Schnell mal den Flitzer scannen: Lotus Exige mit Kunststoff-Verkleidung von Evonik und LK-Display (Foto: LK-AG)

Schnell mal den Flitzer scannen: Lotus Exige mit Kunststoff-Verkleidung von Evonik und LK-Display (Foto: LK-AG)

Die Mission: Einen Haufen Blech oder Kunststoff visualisieren – der über das Äquivalent einer Herde wilder, stolzer Rennpferde, die einer argentinischen Hacienda entlaufen sind – gespannt ist – ohne dabei eine halbnackte Frau auf die Kühlerhaube setzen zu müssen. Oder das Automobil – gähn – über einen Berghang oder einen vereisten See zu jagen, dabei eine sonore Männerstimme über Freiheit schwadronieren zu lassen, das ganze im TV versenden. Level zwo: komplexe Technik erklären, ohne Datenblätter zücken zu müssen.

Für den Kunden Evonik hat die LK-AG den kreativ und technisch deutlich spannenderen Weg gewählt – und die Terminator-Brille aufgesetzt: Ein bewegliches Display zeigt die Innereien eines Lotus Exige in 3D- und Röntgen-Optik. Am Anfang standen dabei Vermessungshandwerk und wahre Berechnungs-Orgien am PC.

Für die Evonik Industries AG entwickelte das Team der Imagineering-Abteilung eine Präsentationstechnik, um Kunststoffbauteile des Automobilzulieferers in der Tiefe zu erklären, die sonst nicht sichtbar sind. Die Lösung lieferten die Kreativen der auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Katharina im Essener Norden beheimateten LK-AG mit einem berührungsempfindlichen Bildschirm, der sich hin und her schieben lässt und quasi Röntgenblicke in Echtzeit in das Innere des Luxusautos ermöglicht – immer am jeweiligen Standort des Betrachters.

Im Jahr 1981 war Evonik noch ein Teil der in Essen beheimateten Ruhrkohle AG - und der Lotus Esprit S3 wurde von 007 präsentiert (Foto: Group Lotus plc)

Im Jahr 1981 war Evonik noch ein Teil der in Essen beheimateten Ruhrkohle AG – und der Lotus Esprit S3 wurde von 007 präsentiert (Foto: Group Lotus plc)

Hinter der Technik verbirgt sich eine aufwändige 3-D-Animation, für die der Lotus Exige mit der Schieblehre 1:1 von Hand vermessen wurde. Auf Basis dieser Daten haben dann fünf Mitarbeiter über zwei Monate an dem Modell programmiert. Von der grafischen Gestaltung, über die Steuertechnik bis hin zur Kinetik – deren Besonderheit übrigens darin lag, dass man das Gefühl vermittelt bekam, selbst kräftig zu schieben, der Monitor aber in Wirklichkeit auf Fingertipp reagierte – wurde ganze Arbeit geleistet. Die Präsentation sorgte für jede Menge Aufmerksamkeit und kam bei den Besuchern so gut an, dass der Kunde Evonik das Projekt nach LK-Angaben als vollen Erfolg verbuchen konnte. Aufgrund dessen wurde der Schiebemonitor auch auf der ECS 2011 in Nürnberg präsentiert.

Die „X-ray 3D Echtzeit Präsentation“, die in der Abteilung „Imagineering by LK-AG“ für die Evonik Industries AG entwickelt wurde, gehört zu den Gewinnern des Automotive Brand Contests 2012. Damit heimst das Projekt bereits die fünfte Auszeichnung ein.

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