LED-Markt

Ein bisschen Frieden – Osram versus Samsung – Einigung mit LG in Sicht

- Zumindest für Eierkuchen ist schon gesorgt; ein wenig Frieden zwischen Samsung und Osram herrscht jetzt ebenfalls – und garantiert jede Menge Freude bei der Siemens-Tochter Osram AG. Nachdem von Osram gegen Samsung – und vice versa – diverse juristische Kriegsbeile in Deutschland, den USA, Japan und China wegen Streitigkeiten in Bezug auf LED-Patente ausgegraben worden waren, haben sich die Koreaner und die Münchner vor der USITC geeinigt.  von Thomas Kletschke

Grüner Jesus am Zuckerhut: Das Monumento Cristo Redentor in Rio de Janeiro wird durch 300 LED-Projektoren der Siemens-Tochter Osram in grün beleucht. (Foto: Siemens AG)

Grüner Jesus am Zuckerhut: Das Monumento Cristo Redentor in Rio de Janeiro wird durch 300 LED-Projektoren der Siemens-Tochter Osram in grün beleucht (Foto: Siemens AG)

„Der Friede sei mit Euch“ – Überbringerin der frohen Botschaft ist Lisa R. Barton, Acting Secretary to the Commission, c/o 500 E Street, South West Washington. Mit ihrer Unterschrift und Siegel ist die Rücknahme einer Gegenklage Samsungs vor der United States International Trade Commission (USITC) gezeichnet. Die USITC hatte Ende Juli bekanntgegeben, dass sich Samsung und Osram außergerichtlich geeinigt haben. Dabei kann Osram als moralischer und – wichtiger: vor allem als monetärer Sieger der auf halbem Wege abgebrochenen juristischen Schlacht gelten. In Folge der noch rauchenden Friedenspfeife steckt allerdings LG jetzt in der Bredouille – und wird wohl ebenfalls in vergleichbaren Streitigkeiten gesichtswahrend klein beigeben müssen.

Osram will das LED-Business rocken. So wie Philips, Cree und Nichia. Aber mit diesen Mitbewerbern hat man sich schon zuvor beim Pow Wow gütlich geeinigt, sprich: keine Patent-Streitereien. Mit Samsung jetzt auch; wobei Osram sich mit seiner Sicht durchgesetzt haben dürfte. Nach Scharmützeln vor Gerichten in vier Ländern sowie vor der USITC hat Samsung nun beigegeben. Bisher unwidersprochen ist die Rede von einem dreistelligen Millionen-Euro-Betrag, der in München verbucht werden kann. Der Friedensschluss von Washington – Sitz der United States International Trade Commission – dürfte auch am Wittelsbacherplatz in München für gelöste Erleichterung gesorgt haben, will Siemens doch seine Tochter Osram gerne ohne Altlasten an die Börse bringen.

Good News von Lisa R. Barton: Hör' mit dem Streiten auf, gehe über Los und ziehe einen dreistelligen Mio-EUR-Betrag ein (Screenshot: invidis.de)

Good News von Lisa R. Barton: Hör‘ mit dem Streiten auf, gehe über Los und ziehe einen dreistelligen Mio-EUR-Betrag ein (Screenshot: invidis.de)

LED? Dieses Blink-Dings? – Bei den LED-Wars des 21. Jahrhunderts geht es um die Wertschöpfung in unterschiedlichen Teilmärkten, die weltweit mit Milliarden-Aufträgen winken. Ob General Lighting, Automotive, Displays oder weitere Anwendungen: Mit smarter (O)LED-Technologie werden in B2B- und Consumer-Kontexten aktuell und auf Sicht die neuen Claims abgesteckt. Das passiert in Hoffnungsregionen, die die Exportindustrien Europas, Japans und der USA aus der Dauer-Krise führen sollen (China). Das passiert auf dem Display-Sektor. Auf den Screens von Smartphones oder Tablets, in den Leuchtmittelfassungen, aus denen die Fäden der Glühbirnen von anno tukk immer noch zu viel und zu teure Energie saugen.

Vor diesem Hintergrund sind die anfangs von Osram gegen Samsung, und dann umgekehrt geführten Schachzüge zu sehen. Dabei ging es um die Nutzung/ Verletzung der Nutzung von Patenten von weißen Lumineszenzkonversions-LEDs. Weißlicht-LEDs wurden zuerst 1995 vom japanischen Hersteller Nichia entwickelt. Auch die Osram-Tochter Osram Opto Semiconductors GmbH hatte seinerzeit gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut ebenfalls weiße LEDs entwickelt. Aktuell produzieren nahezu alle Anbieter weiße LEDs.

Aus Innovationen können Friedhöfe werden: Osram in Second Life, vor weniger als 5 Jahren (Foto: Osram)

Aus Innovationen können Friedhöfe werden: Osram in Second Life, vor weniger als 5 Jahren (Foto: Osram)

Aus Technologievorsprüngen werden schnell Patentstreitereien im Kampf um Marktanteile in ganz unterschiedlichen Weltgegenden oder Marktsegmenten. Tausend Gründe genug, das christliche Gebot der Nächstenliebe, die buddhistische Gelassenheit und jede andere Ethik ruhen zu lassen. Von G wie General Electric bis S wie Sharp sind die internationalen Player darauf bedacht, sich in allen Sektoren ihr Stück von der LED-Hoch-Zeit-s-Torte zu sichern. Auch LG ist – noch – in Rechtsstreitigkeiten mit Osram verwickelt. Beobachter erwarten unisono, dass LG – derzeit noch in German Angst verharrend – sich mit Osram nach dem Vorbild der Samsung-Übereinkunft auf ein Unentschieden bei Zahlung von entgangenen Lizenzierungsgebühren einigen wird.

Osram jedenfalls gibt gerade Gas in China: Vor einigen Tagen wurde die LED-Backend-Plant im chinesischen Wuxi eröffnet. Dort werden aus den an den Kapazitätsgrenzen arbeitenden Frontend-Standorten Regensburg und Penang, Malaysia, gefertigte LED-Chips in Gehäusen verbaut. Allerdings wäre wahlweise ein Schelm oder eine Schnarchnase, wer nicht daran dächte, dass in absehbarer Zukunft auch am in der Provinz Jiangsu gelegenen Standort von Osram die bisher nur in Malaysia und Bayern gefertigten wichtigen Vorprodukte hergestellt werden könnten. Schließlich will Osram innerhalb der nächsten drei Jahre 1050 von gut 10.000 Stellen streichen – die andernorts mehr als wettgemacht werden. Osram-Vorstandschef Wolfgang Dehen sagte im Frühjahr 2012 gegenüber der Tageszeitung „Die Welt“, man habe im Jahr 2011 im Bereich der LED-Technologie insgesamt 1200 Mitarbeiter eingestellt.

Patent-Kriege - Wer hat die meisten Patente? -  Nach dem Patent Applicant Ranking 2011 des Europäischen Patentamts (EPA) meldete Siemens dort 2011 insgesamt 2.235 (ohne Osram 1.994) Patente an (Grafik: Siemens AG)

Patent-Kriege – Wer hat die meisten ? – Nach dem Patent Applicant Ranking 2011 des Europäischen Patentamts (EPA) meldete Siemens dort 2011 insgesamt 2.235 (ohne Osram 1.994) Patente an (Grafik: Siemens AG)

 

Wie viele Firmen ist auch Osram manches – auch gerne vergessenes – Wagnis eingegangen. Irrwege, wie die Marketing-Aktivitäten im 2007ff-Friedhof Second Life blieben und bleiben nicht aus. Sind aber umgekehrt auch kein Garant für immerwährende Coolness und stete Marktführerschaft. Osram – oft totgesagter Kandidat – greift bloß, momentan recht erfolgreich, nach den LED-Sternen. Wie alle anderen Sternensucher auch.

Wie schon der olle Rainer Maria Rilke wusste: „Oh – gäb’s doch Sterne, die nicht bleichen. (…) Von solchen Sternen ohnegleichen hat meine Seele oft geträumt. Von Sternen, die so milde blinken, dass dort das Auge landen mag.“

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