Casual Friday

Keine Kamerabeute – David Hockney flimmert durch Köln

- Oh, welche Freude; „seid umschlungen Millionen! Diesen Kuss der ganzen Welt!“. Ach, welch Gram; „this site and contents are copyright David Hockney and may not be reproduced anywhere at anytime in any form“. Aber man kann ja auch ohne Bilder über Bilder schreiben – oder mit Knipsen dem Künstler schnippisch ein Schnippchen schnippseln. von Thomas Kletschke

Unscharf, aber echt - Kaffeetasse für's Coffee Table Magazin-Belegexemplar (Foto: Thomas Kletschke/ invidis.de)

Unscharf, aber echt – Kaffeetasse für’s Coffee Table Magazin-Belegexemplar (Foto: Thomas Kletschke/ invidis.de)

Ich gestehe, als ich Mitte der 1990er Jahre das erste Mal vor einem echten David Hockney stand, habe ich sofort von einem mir Bekannten eine semi-schrotte Spiegelreflexkamera entliehen. Direkt nach der Enteignungsaktion – Expropriation der Expropriateure – ging es samt Kamera und defektem Lichtbildmesser raus in die Welt. Viele Schüsse ein und des selben Motivs, sie versetzt übereinander legen wie David Hockey seine berühmten großformatigen Bilder aus Polaroids – das war doch was! – Leider nur für den Hausgebrauch, klar. Keine noch so kaputte Ruhrgebietsgalerie wollte den Schmarrn.

Beim Original – das als Maler auch mal den Fußboden eines kalifornischen Swimming Pools ornamental verfeinert – sieht es anders aus. Hockney, Jahrgang 1927, ist immer noch gut im Geschäft. Der nette Brillenträger ist im Business wohl aber härter als ein mit Ruthenium-Legierung gehärtetes Schlachtermesser aus Carbon.

In Dom-Nähe – Hockney auf Tour

Gerade sind seine Werke wieder auf Tour – und gesponsert von der Display-Industrie wird er auch noch. Eigentlich ’ne kleine, bunte Meldung. Doch schon die Pressemitteilung des Sponsors signalisiert: Wir haben die Ehre, aber keine Bilder.

Und das Museum? Die können einem auch schon fast leid tun: „Bitte senden Sie 3 Belegexemplare Ihrer Veröffentlichung an uns (2 für das Studio David Hockney und 1 für unser Archiv).“ Na jut, send‘ ick dem Künstler halt zwo mal dieselbe E-Mail. Man weiß ja ungefähr wie es gemeint ist. Und da man als Onliner ja meist am Ende der medialen Nahrungskette steht, und dem Lippenstift-Redakteur oder der Küchen-Kolumnistin eines Coffee Table Magazins statusmäßig nicht ebenbürtig, will man ja nur seine 1, 2 Bildchen.

Ein Hoch auf die (Display-) Werbung, McLuhan sei Dank (Foto: Thomas Kletschke/ invidis.de)

Ein Hoch auf die (Display-) Werbung, McLuhan sei Dank (Foto: Thomas Kletschke/ invidis.de)

Aber ach: „Für die kostenfreie Nutzung aller Pressebilder zur Ausstellung David Hockney. A Bigger Picture gelten folgende Bedingungen: Der Autor / die Redaktion erhält die Pressebilder zur einmaligen Nutzung im Rahmen der Berichterstattung über die Ausstellung.“ So weit so knorke. Doch: „Nach erfolgter Veröffentlichung muss das Bild vom Server der Redaktion / des Autors entfernt werden.“

Mühsam – immer dieses C im Kreis malen

Das ist schon fast wieder genial. Setzt du das „Casual Friday“ nach Verfassen online, löschst sicherheitshalber nach einer Minute direkt wieder jedes Bild, dem du vorher mühsam den Foto-Credit „© David Hockney“ beigegeben hast vom Server. Und kriegst dann Kommentare und Ärger um die Segelohren gehauen, weil du keine passenden Bilder genommen hast. Wo allein schon das akribische Nachzeichnen des „©“ mir immer solche Mühe bereitet. Weil: ich kann keine Kreise malen, die echt rund sind. Ich krieg‘ grad mal nen Zirkelschluss hin, aber keinen Kreis. Und nach einer Minute ist der Spaß wieder vorbei! – Und Bilder beim Malerfürsten selbst, die darfste ja auch nicht nehmen. Denn David Hockneys Website selbst ist so einladend, wie der Keller des Polizeipräsidiums von Pjöngjang im Winter. Bin mir nicht mal sicher, ob der Warnhinweis zu Anfang als Screenshot schon ein mittelschweres Verbrechen wäre; das Zitieren geht bestimmt so gerade noch durch. Wenn man eine gute Kanzlei zur Hand hat, die einen da rausboxt.

Scharf, aber unecht - Reproduktion eines Fotos eines Buches von Herrn Benjamin(Foto: Thomas Kletschke/ invidis.de)

Scharf, aber unecht – Reproduktion eines Fotos eines Buches von Herrn Benjamin (Foto: Thomas Kletschke/ invidis.de)

Hmmmm, hab‘ ich noch Bilder im Archiv? Find‘ ich vielleicht was. So was Blinkendes oder so. Irgendwas mit Farbe und Form. Notfalls setz‘ ich ein Foto eines Displays des besagten Sponsoren als Aufmacher-Bild ein. Und beim eigenen Material habe ich doch noch ein paar nette Fotos aus Berlin. – Jau, dit mach‘ ick.

Walter Benjamin mit seinem „Das Kunstalter im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“ ist auch kein Trostgeber. Ganz im Gegenteil; wimmernd und weinened schalte ich zur Beruhigung das Netzradio von Linn Records ein, nachdem der olle Walter mir den Rest gegeben hat: „In der Tat ist der heimkehrende Amateur mit seiner Unzahl künstlerischer Originalaufnahmen nicht erfreulicher als ein Jäger, der vom Anstand mit Massen von Wild zurückkommt, die nur für den Händler verwertbar sind. (…) Soviel vom Knipsen.“ – Ach leck‘ mich doch! Der Händler gibt mir wenigstens Kohle. Und hat nicht schon der große Meister gesagt: „Bless advertising art for its pictorial vitality and verbal creativity“? – Eben, Marshall McLuhan war eh viiiiel cooler als Benjamin.

Jammern über Kleingedrucktes

Was soll’s: Ich bin jung (hüstel) und brauche das Zeilengeld. Also pack ich die Amateurfotos da rein. Weil Hockney ja keine Kamerabeute werden will. Ah, kannste als Überschrift nehmen, „Kamerabeute“. Machste ein „Casual Friday“ draus, bisschen Jammern über Künstler und gemeine Kleingedrucktheiten. Ein wenig Wortwitz, Prise Pathos, fängste mit Schiller-Zitat an, das durch den Fleischwolf gedreht wird, kramste einen kanadischen Medientheoretiker raus, noch ein paar Fotos. Fertich is‘ die Laube, wie man in Wanne-Eickel sagt.

Kamerabeute kursiv (Foto: Thomas Kletschke/ invidis.de)

Kamerabeute kursiv (Foto: Thomas Kletschke/ invidis.de)

Danke Benjamin, danke Hockney. Versöhnt mit der Welt, die Ode an die Freude innerlich schmetternd geht es an reproduzierbare Werk. Mit originalen Handy-Fotos schlechter Qualität, aber geprüfter, astreiner Provenienz.

Ach ja. Hier noch die Fakten: Die – mit Sicherheit absolut sehenswerte – Ausstellung „David Hockney. A Bigger Picture“ im Kölner Museum Ludwig wurde Ende Oktober 2012 eröffnet und läuft noch bis zum 03.02. 2013. Zu sehen gibt es beispielsweise Werke wie „Woldgate, 7 November 2010, 11:30am“, Video auf 18 Screens.

Und die Displays kommen von NEC. Ein Großteil von Hockneys Bildern wird auf über 70 großformatigen Displays von NEC gezeigt, den MultiSync X551UN. Darüber hinaus sind 13 Monitore aus der MultiSync EA-Serie im Einsatz (MultiSync EA273WM), um das digitale Kunstwerk von Hockney zu zeigen.

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