Quartalszahlen

Sorgenkind Sharp – mehr LCDs bei sinkendem Ertrag

- Der Fortbestand der Firma ist akut gefährdet. Die tiefroten Zahlen bei Sharp – invidis berichtete gestern – stellen eine Gefahr für den Bestand des Konzerns dar. Allerdings setzte das japanische Unternehmen im zweiten Quartal mehr LCDs um, als zuvor. Hauptproblem war und ist bis auf weiteres aber die Ertragslage, wie ein Blick in die Zahlen zeigt. von Jörg Sailer

Vom Aussterben bedroht - Sharp könnte das Schicksal von Dinos und Mammuts ereilen (Foto: Sharp)

Vom Aussterben bedroht – Sharp könnte das Schicksal von Dinos und Mammuts ereilen (Foto: Sharp)

Ausgerechnet das 100. Jahr des Bestehens ist für Sharp ein tiefrotes und rabenschwarzes Jahr. Bis Ende März 2012 erwartet man nun Verluste von 4,3 Milliarden Euro – rund 2 Milliarden mehr, als zuvor geschätzt. Die Luft wird dünn für die Firma. Denn das Milliardenloch bedroht die Existenz. „Das stellt die Fortführung unseres Unternehmens erheblich in Frage“, erklärte Sharp gestern. Zugleich kündigte man an, erneut alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um wieder in ruhigeres Fahrwasser zu kommen.

Dabei zeigen die Absätze bei LCD-Produkten, dass man sich im Vergleich zum – ebenfalls negativen – Vorjahr und zum ersten Quartal 2012 durchaus verbessern konnte. Allerdings hält die Ertragslage dem nicht stand. So stiegen die LCD-Absätze laut Sharp im Quartal 2 um 52,2 % auf 222 Milliarden Yen an. Das entspricht Umsätzen von circa 2,12 Milliarden Euro. Für das Jahr erwartet man einen Anstieg der LCD-Umsätze um 22,1 % auf 880 Milliarden Yen – umgerechnet 8,4 Milliarden Euro. Bei mittelgroßen und kleinen LCDs erwartet Sharp um 60 % mehr Absatz, für große LCDs geht man von einem Mehrabsatz von 40 % aus. Allerdings steht insgesamt ein operatives Minus – inklusive Abschreibungskosten – von 12 Milliarden Yen unter dem Strich. Das wären etwa 115 Millionen Euro Fehlbetrag.

Ausradiert: Sharp musste die Zahlen neu berechnen (Grafik: Sharp; Montage invidis.de)

Ausradiert: Sharp musste die Zahlen neu berechnen (Grafik: Sharp; Montage invidis.de)

2011 bis 2012 – 36 % weniger LCD-TVs

Bei LCD-Fernsehern ist auch der Absatz aufs Jahr gesehen eingebrochen: Zwar stiegen die Umsätze mit LCD-TVs auf 108 Milliarden Yen (1, 032 Milliarden Euro), was 39 % mehr Geräte als im Vorquartal waren. Auf das Jahr gerechnet werden mit Umsätzen von 370 Milliarden Yen – oder 3,535 Milliarden Euro – insgesamt -36.4 % weniger LCD-TVs abgesetzt, als im Fiskaljahr 2011. Als Ziel hat sich Sharp vorgenommen, im zweiten Halbjahr mehr hochwertige Produkte umzusetzen, etwa IGZO LCDs.

Vor einigen Tagen berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo, Sharp verhandele mit Apple, Microsoft und Google über die Lieferung kleiner, energiearmer Bildschirme für Smartphones, Tablets und Laptops. Allerdings hatte Google erst in dieser Woche sein neues Nexus-Smartphone vorgestellt, das mit Technik von Konkurrent LG arbeitet.

Zudem gab es in den letzten Monaten Berichte, nach denen Sharp bei kleineren und mittleren LCDs Qualitäts- und Lieferprobleme gehabt haben könnte. Zudem ist weiterhin der Einstieg von Foxconn/ Hon Hai in der gemeinsam ausgelagerten LCD Plant eine Dauerbaustelle bei Sharp. Marktgerüchte, die von Kyodo weitergegeben wurden, besagten Anfang der Woche, Sharp verhandele mit den US-Unternehmen Intel und Hewlett Packard über deren mögliche Beteiligung an dem Unternehmen. Was dran ist, ist unklar – der Einstiegskurs könnte allerdings günstiger kaum sein. Während Sharp Anfang 2000 – zu Boomzeiten an der Börse – mit über 25 Euro je Anteilschein gehandelt wurde, sind die Aktien an der Frankfurter Börse derzeit kaum mehr als 1,50 Euro wert. Auch vor elf Monaten war der Kurs mit 7,40 Euro rund fünfmal höher bewertet, als aktuell.

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