Casual Friday

Mit Turnen und Tand den Carbon Footprint jazzen

- Stabhochsprung in Düsseldorf, Schnell-Schach in Leipzig, noch schnelleres Rennen über’s BER-Rollfeld: Immer mehr deutsche Airports lassen die fliegenden Kisten am Boden und setzen auf Sport und Kirmes. Welche Zielgruppe erreichen Sie wo? – Casual Friday verrät’s. von Thomas Kletschke

Airport-Sport: weniger mehr Flüge - mehr Läufer (Foto: Günter Wicker/ Flughafen Berlin Brandenburg GmbH)

Airport-Sport: weniger Flüge – mehr Läufer (Foto: Günter Wicker/ Flughafen Berlin Brandenburg GmbH)

Man muss ja was machen: Die Verkehrsentwicklung an den hiesigen 22 Verkehrsflughäfen ist seit Anfang 2013 stark rückläufig. Insgesamt 40,4 Millionen Passagiere flogen ab und kamen an – 2,7% weniger als im Vorjahresquartal. Dem Drama begegnen die deutschen Airportmanager mit einer Rückbesinnung auf Vater Jahn: Turnen – und notfalls: Tand -, das jazzt zumindest die Besucherzahl hoch. Die Sport-Saison startete zum Mai-Feiertag – und konnte auch ein wenig beim Greenwashing helfen.

Denn: den Carbon Footprint des Flughafens kann man damit auch ein wenig ins Bessere drehen. Zumindest dann, wenn man, wie am BER-Airport die eigene Landebahn zumindest einmal im Jahr beim Halbmarathon so richtig austesten kann. Der 7. Airport-Run über eine Strecke von 21,0975 Kilometern wurde von immerhin 3682 Läufern absolviert, die sich über die astreine Qualität des Asphalts gefreut haben dürften, um ihre neuen Asics-Laufschuhe so richtig auszutesten. Erstmals ließ man die Athleten am Abend über das Gelände spurten – die so bessere Ergebnisse liefern konnten. Angenehmer Nebeneffekt: mehr Kraft und Ausdauer gleich mehr Ausgleich bei der Umweltbelastung.

Auch in FRA ging es um Carbon. Da konnten Radler ihre kohlefaserverstärkten Rennmaschinen aus der Garage holen und das Rollfeld unsicher machen. Auch gemütlichere Drahtesel waren zugelassen, um endlich wieder das Gefühl „freie Bahn“ genießen zu können – wenn einem nicht ein Mountainbiker in die Flanke sauste.

Was Frankfurt kann, das will Düsseldorf noch toppen. In DUS konnten sich Interessierte kürzlich eine Trendsportart anschauen, die so hip ist, dass sie noch keiner kennt. Headis war angesagt – bei dem „Kopfball gekonnt mit Tischtennis vermischt“ wird. Was man sich lieber nicht vorstellen mag, da das wohl entweder sehr schmerzhaft ist – oder einfach bescheuert aussehen könnte. Deshalb hatte man am Düsseldorfer Flughafen auch noch gleich auf etwas mehr Eleganz gesetzt. Stabhochsprung wurde ebenfalls geboten, bei dem wahrscheinlich die letzten kleinen Rollsplit-Stückchen bis in den Bereich der Besuchertribüne geschleudert wurden. Nach Entfernung der Asphaltsplitter aus dem eigenen Auge konnten die Zuschauer sich abreagieren, indem sie eine Kletterwand an NRWs größtem Airport erklommen. Motiviert und angefeuert wurde die ganze Besucher- und Sportlerbande von einem Trupp Cheerleader.

Lediglich am Flughafen Leipzig/Halle setzte man mehr auf Hirn, denn auf Muskeln. In sieben Runden à 20 Minuten – nach Schweizer System! – quälten sich die Teilnehmer des 7. Schnell-Schach Airport-Cups. Den traditionell der Schachklub Großlehna e.V. als Indoorsport veranstaltet.

Werbungtreibende wissen nun für’s kommende Jahr, an welchen deutschen Airports sie welche Sport-affinen Menschen mit ihren Botschaften erreichen können.

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