Jahreszahlen

Sharp mit 10% höherem Verlust? – Halbes Dementi

- Berichte über größere Verluste aus der LCD-Produktion lassen Sharps Aktienkurs trudeln. Aus Osaka kommt ein halbes Dementi: man verweist knapp – und nur auf Japanisch – auf die Bekanntgabe der offiziellen Zahlen Mitte Mai. von Thomas Kletschke

Bildung und Displays - Big Pad von Sharp im Einsatz (Foto: Sharp)

Bildung und Displays – Big Pad von Sharp im Einsatz (Foto: Sharp)

Sharps Aktie musste am 1. Mai an der Tokioter Börse Kursverluste hinnehmen. Laut einem Bericht der japanischen Zeitung „Nikkei Keizai Shimbun“ und der Nachrichtenagentur Reuters muss Sharp im Ende März 2013 abgelaufenen Geschäftsjahr größere Verluste aus der LCD-Produktion verkraften, als bisher angenommen. Laut Reuters bestätigen dies zwei verschiedene Quellen. Den Angaben nach sollen jetzt Abschreibungen zu einem Defizit in Höhe von 500 Milliarden Yen (etwa 5,1 Milliarden US-Dollar) führen. Im letzten November waren 450 Milliarden Yen von dem Unternehmen als vorläufige Zahl kommuniziert worden.

Womit Sharp sein Geld verdient - Anteil der Unternehmensbereiche am Geschäft (Grafik: Sharp)

Womit Sharp sein Geld verdient – Anteil der Unternehmens-bereiche am Geschäft (Grafik: Sharp)

Daraufhin verbuchte das Sharp-Papier Kursverluste von zeitweise 5% an der Börse in Tokio. Auch Stunden nach der Meldung gab es keine englischsprachige Reaktion des Konzerns. Lediglich auf Japanisch gab es ein knappes und halbgares Dementi. Man verwies darauf, dass die kolportierten Neuigkeiten nicht mit den bisher von Sharp kommunizierten übereinstimmen und verwies auf die offizielle Bekanntgabe der Zahlen am 14. Mai 2013.

Grund für das möglicherweise größer gewordene Loch in der Kasse soll eine schlechtere Auslastung der Produktionsstätten für LCDs sein, wie Reuters unter Bezug auf zwei namentlich nicht genannte Quellen meldete. Damit könnte der Hersteller in den Sog der zuletzt gesunkenen weltweiten Nachfrage nach iPads und iPhones geraten sein, für die unter anderem Sharp Displays liefert. Anfang 2013 hatte Sharp die Produktion der 9,7 Inch großen Displays für das iPad heruntergefahren.

Optionen zur Stabilisierung

Sharp versucht seit einiger Zeit, den Gesamtkonzern zu stabilisieren. Neben dem Einstieg von Samsung, der Überlegung, sich von weiteren Beteiligungen zu trennen – etwa dem HiFi-Hersteller Pioneer – scheint auch die Ausgabe neuer Aktien inzwischen eine ernsthaft diskutierte Option zu sein. Wie die englischsprachige Japan Times Anfang April berichtete, haben die beiden wichtigen Hausbanken Mizuho Corporate Bank und Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ ihr prinzipielles Einverständnis zur Ausgabe weiterer Anteilsscheine gegeben.

Anfangs hätten die Banker Bedenken, da durch weitere Aktien die bisherigen Anteile der Alteigentümer verwässert werden könnten. Spätestens mit diesem Schritt könnte die bis heute ungeklärte Situation mit Hon Hai/ Foxconn besser gelöst werden: Entweder Foxconn zahlt in Toto den ursprünglich vereinbarten Gesamtbetrag für eine Beteiligung – und erhält dann mehr Aktien, um so den Einstandspreis je Schein zu senken. Oder beide Parteien geben bekannt, dass die ursprüngliche Vereinbarung über einen Einstieg nicht mehr gilt.

Auswirkungen auf Loewe

Im Zusammenhang mit der aktuellen (Wert-) Entwicklung bei Sharp dürften auch hierzulande die Sorgen beim kriselnden Hersteller Loewe größer werden. Wie lange Sharp seine bisher 28,83% Anteile an dem Unternehmen noch halten wird, ist auf mittlere Sicht ungewiss. Beziehungsweise, ob Sharp bereit wäre, größere Verluste bei einem Verkauf oder Teilverkauf hinzunehmen, um so zu mehr Cash zu kommen. Und auch die zuletzt bei Loewe diskutierte Option, dass Aktionäre wie Sharp zusätzlich Kapital nachschießen, ist zumindest aktuell weniger wahrscheinlich geworden.

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