Studien

Multichannel wird wichtiger – Online jagt Handel Anteile ab

- Vier aktuelle Studien des EHI Retail Institute, des HDE, des IFH Köln sowie des ECC Köln mit der Hochschule Aschaffenburg weisen nach: Der Onlinehandel wächst weiter stark, Multichannel im stationären Handel wird wichtiger – und bei Information und Bezahlvorgängen nutzen Kunden im Geschäft und Web inzwischen alle Möglichkeiten. von Thomas Kletschke

Bargeld, EC, Kreditkarte - die drei wichtigsten Bezahlarten im Handel (Grafik: EHI Retail Institute/ HDE)

Bargeld, EC, Kreditkarte – die drei wichtigsten Bezahlarten im Handel (Grafik: EHI Retail Institute/ HDE)

33 Milliarden Euro erwirtschaftete der Online-Handel nach Angaben des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH Köln) im vergangenen Jahr. Das entspricht 7,7% des Einzelhandels-Umsatzes. Damit hat sich der Anteil der Onliner am Handelsumsatz seit 2007 mehr als verdoppelt, denn im Jahr setzte an noch 3% des Gesamtumsatzes im Handel um. Ohne Fast Moving Consumer Goods (FMCG) wie Nahrungsmittel und Körperpflegeprodukte haben die deutschen Onlinehändler bereits sogar 14,2% des Markt-Kuchens für sich. Von 2011 bis 2012 stieg der Umsatz im Onlinehandel um 15%.

Der Kanal Online ist je nach Branche unterschiedlich stark gewichtet (Grafik: IFH Köln)

Der Kanal Online ist je nach Branche unterschiedlich stark gewichtet (Grafik: IFH Köln)

Aber nicht alle Branchen profitieren gleichermaßen vom Online-Geschäft. Während der Anteil im Bereich der Sortimente Consumer Electronics/Elektro (17%) und Fashion & Accessoires (16,8%) besonders hoch ist, spielt das Internet beim Kauf von Produkten aus den Bereichen Heimwerken & Garten (2,6%) und FMCG (0,8%) nur eine untergeordnete Rolle.

E-Commerce – und damit eine Multichannel-Strategie für die stationär verankerten Händler – wird hierzulande in den nächsten Jahren branchenübergreifend immer wichtiger. „Der Einzelhandel funktioniert nur noch mit dem Internet, nicht dagegen. Gleichzeitig bringt die neue Mobilität des Internets durch Smartphones und Tablets die Online- und Offline-Shopping-Welten näher zusammen. Von einer Stagnation des Online-Wachstums ist auch in den kommenden Jahren kaum auszugehen“, sagt Hansjürgen Heinick vom IFH Köln.

Mobile Payment: kleine Rolle im Handel

In einer anderen Studie von ECC Köln und der Hochschule Aschaffenburg untersuchten die Marktforscher, welche Bezahlmethoden in Deutschland, Österreich und der Schweiz derzeit von den Kunden genutzt beziehungsweise akzeptiert werden. Dabei zeigt sich, dass Mobile Payment im stationären Handel noch nicht die Rolle spielt, die er spielen könnte. Mobile Zahlverfahren spielen im Onlinehandel dagegen eine stärkere Rolle. Ebenfalls ein Hinweis darauf, dass die Einzelhändler vor Ort noch einiges an Service verbessern könnten – um nicht am Ende als altbacken zu gelten.

Ergebnisse der repräsentativen Untersuchung "Studie IZV11"( Grafik: ECC Köln/ Hochschule Aschaffenburg)

Ergebnisse der repräsentativen Untersuchung „Studie IZV11″( Grafik: ECC Köln/ Hochschule Aschaffenburg)

Denn obwohl bereits 63,2% der Verbraucher aus D-A-CH Waren oder Dienstleistungen über ihr Smartphone gekauft haben, und in Deutschland knapp ein Drittel der befragten Mobile-Shopper mobile Abrechnungsarten genutzt hat (Österreich: 28,8% Schweiz: jeder vierte Befragte), kommt der Handel vor Ort auf eine einstellige Prozent-Zahl.

Im Länderdurchschnitt haben bereits 5,8% der Befragten in einem stationären Geschäft mit Hilfe eines mobilen Endgeräts bezahlt. Weitere 6,9% haben ein mobiles Endgerät genutzt, um damit an einem Automaten zu bezahlen.

An der Ladentheke: Bargeld lacht

Eine ebenfalls kürzlich publizierte Untersuchung des EHI Retail Institute zu den Bezahlvorgängen im Handel stützt die Beobachtung, dass Mobile Payment im Ladengeschäft gegenüber anderen Zahlarten derzeit eine Nische einnimmt. Bargeld lacht auch an der deutschen Ladentheke noch oft, gefolgt vom Umsatz mit EC-Karten und Lastschriften per EC-Karte und den Zahlungen via Kreditkarte. An der Umfrage beteiligten sich 572 Unternehmen mit 70.000 Betrieben aus 36 Branchen. Gemessen am Gesamtumsatz im deutschen Einzelhandel stehen die befragten Unternehmen laut HDE für mehr als 50 Prozent der Branche

Smartphone zur Schnäppchenjagd – Tablet zum Shoppen

Der Handelsverband Deutschland – HDE hat jüngst auch zum Thema Nutzung verschiedener Geräte Trends und Tipps publiziert. Dabei ergab sich auch für die Onlinepräsenzen im Handel ein interessantes Ergebnis. Shoppen via Tablet ist beliebter als das Einkaufen mit dem Smartphone. Das ist das Ergebnis der Studie „The State of Mobile Benchmark – Q2 3013“. „Das zeigt, wie wichtig es für die Händler ist, ihr Internet-Angebot und ihre Online-Shops für die Darstellung auf Tablets zu optimieren. Hier liegt noch großes Potenzial“, so der stellvertretende HDE-Hauptgeschäftsführer Stephan Tromp. Der Studie nach würden Smartphones vor allem zum Preisvergleich und zur Suche von Geschäften genutzt. Mit Tablets dagegen wird demnach dreimal so viel im Internet eingekauft wie mit dem Smartphone. Eine Fixierung ausschließlich auf Smartphones oder Tablet-PCs berge die Gefahr, dass Kunden enttäuscht und verärgert würden, so das Fazit des HDE.

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