Hologrammposter

Mercedes startet Kampagne – 3D an drei deutschen Airports

- Top-Kunde Mercedes-Benz wirbt auf neuen 3D-Hologrammpostern des Anbieters Realeyes: Invidis.de gibt einen Überblick über die 12 Monate vom ersten Prototypen am Airport Düsseldorf bis zum erfolgreichen Launch. von Thomas Kletschke

Das Prinzip von Realeyes: Aus einem computergenerierten 3D-Modell werden Renderings aus 30.000 verschiedenen Betrachtungswinkeln ausgegeben und über 250.000 streichholzkopfgroße Mikrolinsen pro Quadratmeter wiedergegeben (Foto: Realeyes)

Das Prinzip von Realeyes: Aus einem computergenerierten 3D-Modell werden Renderings aus verschiedenen Betrachtungswinkeln ausgegeben und über streichholzkopfgroße Mikrolinsen wiedergegeben (Foto/ Grafik: Realeyes)

Die Hamburger Agentur more ambient vermarktet deutschlandweit das vom Kieler Anbieter Realeyes entwickelte 3D-Hologrammposter-Medium an bisher drei deutschen Airports. In Düsseldorf, Hamburg und Köln/ Bonn sind Werbeflächen installiert – und mit der ersten bundesweiten Kampagne im kleinen aber spektakulären Out-of-Home-Netzwerk auch gebucht. Der Autobauer wirbt dabei für seine neue S-Klasse.

Begonnen hat die Realeyes-Story vor über sechs Jahren mit einer Idee von Felix von Laffert. Der Physiker wollte ein neues 3D-Medium schaffen und tat sich mit Kompagnon Philipp von Trotha zusammen. Wie bei einer Wackelpostkarte sollte ein überdimensioniertes 3D-Plakat entstehen, bei dem keine Brillen oder ähnliche Hilfsmittel benutzt werden müssen (siehe Infografik unten rechts). Im Jahr 2006 wurde ihr Unternehmen gegründet – und es dauerte einige Jahre und brauchte Partner aus Forschung und Industrie bis zum fertigen Produkt. Die Uni Kiel und die Fraunhofer-Institute gehörten zu den Kooperationspartnern auf Forscherseite.

Bisher sind bis zu  2m² große Hologrammposter realisiert worden (Infografik: Thomas Kletschke/ invidis.de)

Bisher sind bis zu  2m² große Hologrammposter realisiert worden (Infografik: Thomas Kletschke/ invidis.de)

Auch in der Industrie wurde man fündig – alle Partner kommen aus Deutschland oder der Schweiz. Spezialfilm von Film-Hersteller Ilford, spezielle Leuchtkästen von der Sommer GmbH aus Hilter bei Osnabrück, Teile vom Spritzguss-Spezialisten: schon die Zulieferer stehen für innovative Produkte. „Wenn man in der Entwicklung effizient vorgehen möchte, muss man sich die richtigen Partner suchen“, sagt Philipp von Trotha gegenüber invidis.de. Für ihn ist klar: „Es braucht Firmen, die auf ihrem Gebiet echte Experten sind.“

Nach dem Gewinn des Innovationspreises 2010 des Bundeswirtschaftsministeriums war ein erster großer Abschnitt geschafft. Erste Messeauftritte mit den Realeyes-Postern wurden realisiert. Was folgte, war die Serienfertigung der Module ab 2012. Spektakuläre Umsetzungen für Kunden wie den Kamerahersteller Leica oder die Luxusuhren-Marke Hublot zeigte, dass das Potenzial auch bei Werbungtreibenden ankommt. Und im hohen Norden wirbt man besonders gerne mit dem 3D-Hologramm: auch die Sushi Factory ist seit Frühjahr 2012 guter Kunde.

Erste Generation: dieses  Poster steht zur Eigenwerbung am Flughafen Düsseldorf (Foto: Realeyes)

Erste Generation: dieses Poster steht zur Eigenwerbung am Flughafen Düsseldorf (Foto: Realeyes)

Seit Sommer 2012 wirbt man auch an Airports – zumindest erst mal für das eigene Produkt. Am Flughafen Düsseldorf steht seitdem eine Realeyes-Stele, der ersten Generation. Der Prototyp ist noch etwas dicker , als die jetzige Gerätegeneration. Grund: Während die aktuellen Werbemittel mit LEDs arbeiten, wurde die erste Serie noch mit Röhren hinterleuchtet.

Und seit Mitte Juli sind an den Airports Düsseldorf, Köln/ Bonn und Hamburg jetzt die neuen Realeyes-Poster im Einsatz. Sie werden von der Hamburger Agentur more ambient vermarktet. Das kleine Netz in HAM, CGN und DUS kommt in der Branche gut an.

„Vor kurzem wurde ein 3D Hologramm an unserem Terminal 1 (Abflug) installiert“, sagt CGN-Werbeleiter Stephan Merkens gegenüber invidis.de. „Dabei hat die Hamburger Agentur more ambient eine leer stehende Location gemietet, wo sie den Werbecontent für ihren Kunden Mercedes gebucht hat.“ Der Flughafen Köln/ Bonn freue sich, die innovative Werbeform gemeinsam mit der Hamburger Agentur anbieten zu können. „In der Nähe des Lufthansa-Lounge im Shopping-Bereich erreicht der Autobauer damit vor allem die zahlungskräftige Business-Kundschaft“, so Merkens im Gespräch mit invidis.de. Bis Mitte Oktober 2013 läuft die Kampagne des Autobauers.

Mit der Mercedes-Kampagne ist das Holo-Netzwerk offiziell in Betrieb (Foto: more ambient)

Mit der Mercedes-Kampagne ist das Holo-Netzwerk offiziell in Betrieb (Foto: more ambient)

Auch die Passagiere fahren auf den Reiz des räumlich- darstellenden Posters ab. Erhebungen am Hamburger Airport zeigten, dass über 80% aller Passanten stehen blieben und das Werbemotiv intensiv und lange betrachteten, heißt es bei more ambient. Im Vergleich zu den etwa acht Betrachtungswinkeln bei 3D-Screens, die noch dazu einen einzigen optimalen Betrachtungsstandpunkt erfordern, können bei Realeyes innerhalb eines Winkels von 40° erreicht werden. Dazu sind 30.000 Betrachtungswinkel notwendig.

Für die Zukunft gibt es bei Realeyes in Kiel zwei Überlegungen: größere Boards oder vielleicht auch Bewegtbild-Content sind Visionen, die die Tüftler umtreiben. Allerdings ist dies nicht ganz einfach. Eine 9m² großes Board wie in unserem Aufmacherbild oben ist derzeit noch nicht real. Es würde 2,25 Millionen Mikrolinsen erfordern. Aktuell sind Formate bis 2m² lieferbar. Eine gewaltige Menge an Daten muss transportiert und gespeichert werden: 232 Gigabyte je Quadratmeter.

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