Leuchtenhersteller

Neustart – Nordeon übernimmt Hess AG

- Trotz Bilanzskandal und Insolvenz ist die Hess AG über den Berg – auch ohne Einstieg von Osram. Zum Herbst steigt die Nordeon-Gruppe als Investor ein. von Thomas Kletschke

Installation in der Shopping Mall des Marina Bay Sands Resorts: Auf 74.000 m² wurden 88 Lichtstelen installiert (Foto: Hess AG)

Installation in der Shopping Mall des Marina Bay Sands Resorts: Auf 74.000 m² werden 88 Lichtstelen installiert (Foto: Hess AG)

Der neue Investor Nordeon hatte im März diesen Jahres bereits die Hess-Tochter Vulkan in Hannover gekauft. Jetzt steigt der Lichthersteller aus Springe bei der von einem Bilanzskandal gebeutelten Hess AG ein. Ab Oktober wird Nordeon – die im Herbst 2012 aus der früheren Industrielampen-Produktion von Philips hervorgegangen ist – den Geschäftsbetrieb von Hess übernehmen.

Mit übernommen werden zudem die in Stockholm ansässige Vertriebsgesellschaft von Hess sowie der Produktionsstandort und der Vertrieb von Hess in Gaffney (USA). Die Arbeitsverhältnisse der insgesamt rund 180 Hess-Mitarbeiter werden fortgeführt, wie beide Unternehmen übereinstimmend mitteilten. Dabei soll Hess als Marke erhalten bleiben. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben auch in der Insolvenz handlungsfähig geblieben, was aktuelle Projekte unterstreichen.

Projekt für große Shopping Mall in Singapur

Zuletzt hatten Spezialisten von Hess America gemeinsam mit dem US-Lichtplanungsbüro Illuminating Concepts das Beleuchtungskonzept für das exklusive Einkaufszentrum im Marina Bay Sands Resort in Singapur erarbeitet. Insgesamt 88 Lichtstelen sorgen dort in naher Zukunft für die richtige Atmo. 60 Lichtstelen des Typs VIGO G mit einer Höhe von 2,5m sowie 28 individuell kombinierte Stelen des Typs CITY ELEMENTS sorgen demnächst für eine bessere Beleuchtunsqualität und eine optimale Lichtstimmung in der Shopping Mall.

Hess-Neueigentümer Nordeon ist neben den Engagements bei Hess in Deutschland, Schweden und den USA auch bereits in anderen Ländern aktiv. Produziert wird an insgesamt 4 Standorten in Deutschland, Frankreich und den USA. Im französischen Chalon sur Sâone gehört ebenfalls ein ehemaliges Philips-Werk zu den Produktionsstandorten. Im niedersächsischen Ort Springe möchte das Unternehmen mit einer automatischen Montagelinie die Produktivität um mindestens 30 % steigern. Nach der Übernahme von Hess beschäftigt die Gruppe insgesamt rund 600 Mitarbeiter. Eigentümer der Nordeon-Gruppe ist die im niederländischen Utrecht ansässige Investmentgesellschaft Varova.

Beide Unternehmen ergänzen sich: Nordeon konzentriert sich mit seiner Angebotspalette sehr stark auf die Entwicklung und Herstellung von Leuchten für den Innen- und Außenbereich. Der Standort in Springe ist nach Unternehmensangaben eine der größten Fertigungsstätten Europas für die Herstellung von professionellen LED-Leuchten. Hess fokussiert sich vorrangig auf die Entwicklung und Herstellung dekorativer und designorientierter Außenleuchten.

Allerdings geht auch die Fortführung der Aktivitäten bei Hess nicht ohne Stellenabbau vonstatten. Im Juli hatte die Hess AG bekanntgegeben, dass das Werk der Tochter Hess Lichttechnik GmbH im sächsischen Löbau Ende August seine Pforten schließen muss. Dadurch fallen etwa 80 Arbeitsplätze weg.

Bilanzskandal und Betrugsvorwürfe: Ermittlungen gegen 17 Beschuldigte – über 11 Millionen Euro Schaden möglich

Noch nicht abgeschlossen sind umfangreiche Untersuchungen der Mannheimer Schwerpunktstattsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität. Deutschlandweit sowie im europäischen Ausland wird derzeit ermittelt. Inzwischen hat sich der Kreis auf 17 Beschuldigte erweitert, wie ein Sprecher der Behörde gegenüber invidis.de bestätigt. Dabei geht es um verschiedene Straftatbestände, die die Anklagebehörde zum Schaden der Hess AG und weiterer Firmen annimmt – vor allem Straftaten rund um die Bilanzerstellung, Betrug und Untreue.

In den vergangenen Monaten kam es deshalb zu Durchsuchungen in mehreren Bundesländern. Im Juli 2013 kam es überraschend auch zu zwei Festnahmen. Zwischenzeitlich wurden diese beiden Haftbefehle wieder vom Gericht außer Vollzug gesetzt. Dabei handelt es sich nach übereinstimmenden Medienberichten um die ehemaligen Hess-Vorstände Christoph Hess und Peter Ziegler, die gegen Auflagen auf freien Fuß kamen.

Nach Angaben der Schwerpunkt-Staatsanwälte könnte der Gesamtschaden in dem Komplex bei über 11 Millionen Euro liegen. Der Hess AG könnte den Ermittlern zufolge ein Schaden von 1,14 Millionen Euro durch Untreue entstanden sein. Zwei kreditgebende Banken könnten außerdem um zusammen 5,4 Millionen Euro geschädigt worden sein; ein niederländischer Finanzdienstleister sieht sich um 3,63 Millionen Euro gebracht, so die Behörde gegenüber invidis.de. Wann die Ermittlungen abgeschlossen sind, ist derzeit noch unklar.

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