Taxi statt Tram

Geschäftsreisende verzweifeln am Nahverkehr in Deutschland

- Zum Gardasee kommt man – aber vom dortigen Bahnhof bis zur Kongresshalle, dem Hotel oder dem Firmensitz des Geschäftspartners? Fast sechs von zehn Business-Reisenden fanden den öffentlichen Nahverkehr am Ankunftsort so kompliziert, dass sie stattdessen statt S-Bahn oder Tram lieber gleich ins teurere Taxi gewechselt sind. von Thomas Kletschke

Gardasee

Das ist das Ergebnis einer vom Deutschen ReiseVerband (DRV) in Auftrag gegebenen Untersuchung. Befragt wurden dazu 100 Vorstände, Führungs- und Fachkräfte. Nahverkehr wird offensichtlich als ein verwirrendes System vor Ort erfahren. So sind 57% der Befragten bereits mindestens einmal am Tarifsystem des öffentlichen Nahverkehrs am Zielort gescheitert und deshalb aufs Taxi umgestiegen.

Der Tarifdschungel von U-Bahnen, Straßenbahnen und Bussen ist für Ortsfremde extrem verwirrend. Wer geschäftlich unterwegs ist, hat wenig Zeit, die komplexen Angebote zu studieren oder sich durchzufragen. Doch auch die Deutsche Bahn und ihre Konkurrenten schrecken Geschäftsreisende ab. Denn 52% der Befragten sagen, sie seien beim Fahrkartenkauf mit deren Automaten nicht zurechtgekommen.

Automaten der Bahn sind etwas für Männer jenseits der 40

Interessanterweise scheinen vor allem junge Führungskräfte nicht viel mit den Bahn-Automaten anfangen zu können: 65% der vermeintlich technisch versierteren jungen Kollegen beschweren sich zudem über Probleme mit dem Fahrkartenautomaten der Bahn, aber nur 43% der älteren Mitarbeiter.

Bei den Geschlechtern sind Männer dagegen mit dem Nahverkehr in der fremden Stadt tendenziell besser vertraut, als Frauen: Mit dem öffentlichen Nahverkehr kamen nach eigenen Angaben 68% der Frauen nicht zurecht, aber nur 46% der Männer. Am Ticketautomaten der Bahn verzweifelten 62% der Frauen und 42% der Männer.

Für einen möglichst reibungslosen Ablauf von Geschäftsreisen können dagegen die Reisebüro-Mitarbeiter helfen. Sie übernehmen das gesamte Reisemanagement inklusive Planung, Vor- und Nachbereitung. Zwar lassen sich damit nicht alle großen und kleinen Missgeschicke vermeiden. Geschäfts- und andere Reisebüros geben aber wertvolle Tipps zum Zielort – etwa welche Verbindungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln dort geeignet sind, oder welche Smartphone-Apps vor Ort weiterhelfen.

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