Out-of-Home-Kampagne

Simon Wiesenthal Center führt Plakatkampagne fort

- Im Sommer rief die Organisation Zeitzeugen auf, Hinweise auf noch lebende Kriegsverbrecher zu geben. Ende November wird die Kampagne weitergeführt, die bisher zu einer Reihe konreter Hinweise geführt hat. von Thomas Kletschke

Im Wortsinn nicht zu spät: Durch die Plakataktion gingen Hinweise zu 108 Verdächtigen ein (Foto: Simon Wiesenthal Center/ Operation Last Chance)

Im Wortsinn nicht zu spät: Durch die Plakataktion gingen Hinweise zu 108 Verdächtigen ein (Foto: Simon Wiesenthal Center/ Operation Last Chance)

Ein Motto des Außenwerbeverbands FAW lautet: „Aussenwerbung. Trifft. Immer.“ Und es gilt wohl auch im Fall der späten Tätersuche des Simon Wiesenthal Centers (SWC) – mehrere Fälle wurden nun dank der Kampagne an Strafverfolgungsbehörden übergeben.

Damit hat sich zudem das Motto der SWC-Plakatkampagne als zutreffed herausgestellt: „Spät. Aber nicht zu spät! Operation Last Chance II“. Das SWC wird die Aktion deshalb in den nächsten rund drei Wochen auf dann etwa 2.500 Flächen in Leipzig, München, Magdeburg, Rostock, Stuttgart, Dresden, Nürnberg und Frankfurt fortführen.

Dabei ruft man Menschen dazu erneut auf, sachdienliche Hinweise über noch lebende und nicht verurteilte NS-Kriegsverbrecher an das Simon Wiesenthal Center zu geben. Erneut setzt das SWC für Informationen, die zur Verhaftung und Verurteilung von Tätern führen, eine finanzielle Belohnung von bis zu 25.000 Euro aus.

Vier Fälle liegen bei Statsanwaltschaften

Grund für die Fortsetzung der Ende Juli gestarteten Kampagne ist, dass durch die Kommunikationsmaßnahme aus diesem Sommer vier Fälle von mutmaßlichen NS-Verbrechern an Staatsanwaltschaften verschiedener Bundesländer übergeben werden konnten, wie das SWC jetzt mitteilte.

Dabei geht es unter anderen um Verbrechen bei Massakern in Frankreich und um Personen, die als KZ-Aufseher tätig waren. Die ersten Entscheidungen dazu werden im Dezember erwartet. Zwei dieser Fälle, untersucht inzwischen die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg.

Enorme Resonanz

Kommunikativ war die mit Außenwerbemitteln duchgeführte Kampagne in mehrfaher Hinsicht ein Erfolg. „Insgesamt war die Aktion ein überwältigender Erfolg, weil die Resonanz der Bevölkerung enorm war und das Thema wieder auf der Agenda der Medien stand. Dies ist auch heute für die Familien der Opfer ein wichtiges Signal auf dem Weg zur Gerechtigkeit“, sagt SWC-Leiter Dr. Efraim Zuroff.

Hinweise zu 108 Verdächtigen gingen ein, die größtenteils in Deutschland leben. Darunter sind nach Angaben der Organisation aber auch Personen, die sich in den USA, Mexiko, Spanien und anderen Ländern aufhalten. Es wurden insgesamt mehr als 200 Anrufe auf der Hotline entgegen genommen, 145 von ihnen mit konkreten Informationen. Die nachfolgenden Recherchen haben dem SWC zufolge ergeben, dass ein Teil der Personen bereits verstorben war. In vielen Fällen fehlten die entscheidenden Beweise für eine juristische Weiterverfolgung. Aufgrund von begrenzten, finanziellen Ressourcen seien die Recherchen zu einigen Fällen noch nicht abgeschlossen und dauerten noch an.

Überwiegend positive Reaktionen

Außerdem erreichten E-Mails und Anrufe von weiteren 140 Personen die verschiedenen Büros des Simon Wiesenthal Center weltweit. Erfreulicherweise verzeichnete die Aktion nur etwa zwei Dutzend Kontakte, die sich negativ im Zusammenhang mit der Kampagne „Spät. Aber nicht zu spät!“ geäußert haben.

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