Diebstahl im Handel

Ihr hab alle schon geklaut! – rund 3,9 Mrd. Euro Schaden

- Waren sowie Teile der Ladenausstattung sind begehrte „Mitbringsel“ von Dieben. Auch die zur Absatzsteigerung am PoS eingesetzten technischen Gadgets müssen in präventive Maßnahmen einbezogen werden. von Thomas Kletschke

Langfinger: Handel beklagt hohe Umsatzausfälle durch Diebstahl (Foto: invidis.de)

Langfinger: Handel beklagt hohe Umsatzausfälle durch Diebstahl (Foto: invidis.de)

Schon Vierjährige fürchten sich vor „Stehl-Menschen und Dieben.“ Dass sie damit nicht ganz falsch liegen, beweist eine neue Studie des EHI Retail-Instituts. Obwohl der Handel jährlich mehr als 1 Milliarde Euro in Präventiv- und Sicherheitsmaßnahmen investiert, summierten sich 2013 die Inventurdifferenzen – bewertet zu Verkaufspreisen – auf 3,9 Milliarden Euro.

Die Autoren der EHI-Studie „Inventurdifferenzen 2014“ – die EHI-Mitglieder hier kostenlos downloaden und andere Interessierte dort bestellen können – sehen nach wie vor hohe Diebstahlsraten am Point of Sale.

Nach Einschätzung der Handelsexperten sind auf Ladendiebstähle durch Kunden rund 2,1 Mrd. Euro zurückzuführen, den eigenen Mitarbeitern werden fast 900 Millionen angelastet, und Lieferanten sowie Servicekräften werden etwas mehr als 300 Mio. Euro an Warenverlusten im Jahr zugerechnet. Die restlichen 600 Mio. Euro entfallen auf organisatorische Mängel.

Vandalensichere Installationen sind ein Muss

Neben den zum Verkauf stehenden Waren sind auch Installationen gefährdet, bedürfen also Sicherungsmaßnahmen. Denn: Entwendet wird, was geht: Das können beispielsweise kleinere Displays sein, zur Präsentation verwendete Tablets und iPads. Und – aus manchem Projekt wohl bekannt – selbst kleine USB-Sticks an Displays werden gerne mal als Werbegeschenk mitgenommen. Das führt dazu, dass auch relativ niedrigpreisige Komponenten, die fehlen, zu Ausfällen insgesamt teurer Installationen führen. Diese Teile müssen wiederbeschafft, geliefert, im extremfall von Servicetechnikern der Dienstleister installiert, onfiguriert oder überprüft werden. Sogenannte vandalensichere Installationen am PoS sind das A und O.

Umsatzeinbußen von 1,3%

Statistisch gesehen hat jeder von uns schon mal zugelangt, ohne den Checkout-Vorgang abzuschließen. Jeder Bundesbürger nimmt statistisch jährlich Waren im Wert von 26 Euro an sich, ohne zu bezahlen. Nach wie vor schmälert eine durchschnittliche Inventurdifferenz von 1,01% des Umsatzes die Renditen im Einzelhandel – obwohl der Handel rund 1,3 Milliarden Euro in Technik und Personal investiert, um seine Waren vor Diebstählen zu schützen. In Summe gehen dem Einzelhandel laut EHI 1,3% des Umsatzes beziehungsweise rund 5,2 Milliarden Euro verloren (Inventurdifferenzen und Investitionen zu deren Vermeidung). Letztlich wird diese Summe in die Verkaufspreise einkalkuliert und jeder ehrliche Kunde zahlt mit. Der Mehrwertsteuerverlust, den der Staat durch Kundendiebstähle erfährt, beträgt rund 450 Mio. Euro.

„Hitliste“ geklauter Artikel

Zu den am häufigsten geklauten Artikeln gehören im Lebensmittelhandel nach wie vor kleine, teure Waren wie Parfüm und Kosmetik, Rasierklingen, Spirituosen sowie Tabakwaren. Im Bekleidungshandel werden vor allem hochwertige Marken bevorzugt, aber auch modische Artikel und Accessoires (Brillen, Tücher, Modeschmuck etc.) werden oft nicht bezahlt. Speichermedien, Konsolenspiele, Smartphones und LED-Leuchtmittel gehören zu den „Klaurennern“ im Elektronikhandel.

Datenbasis der Untersuchung 

An der aktuellen Untersuchung beteiligten sich 104 Unternehmen mit insgesamt fast 18.000 Verkaufsstellen, die einen Gesamtumsatz von gut 69 Milliarden Euro erwirtschaftet haben. Die durchschnittliche Verkaufsfläche der beteiligten Geschäfte beträgt 1.200m².

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