Handel

Das sind die neuen Apotheken - Schubladendenken adé

Immer mehr Apothekerinnen und Apotheker setzen auf moderne Ladenbau- und Signage-Konzepte. Gesucht ist der Kunde - denn vom Patienten allein lebt die Branche längst nicht mehr so gut wie früher.
Mehr Kunde, weniger Patient: Die Apothekenlandschaft ändert sich (Screenshots und Montage: invidis.de)
Mehr Kunde, weniger Patient: Die Apothekenlandschaft ändert sich (Screenshots und Montage: invidis.de)

Sie heißen Apotheke 4.0, Die Neue Apotheke oder Westgate: Hierzulande machen eine Reihe von Apotheken vor, dass man anstelle von traditionellen Medikamenten-Verorgungseinrichtungen mit dem Flair des ausgehenden 20. Jahrhunderts auch modern anmutende, technisch perfekt ausgestattete und dientsleistungsorientierte Apotheken bauen und betreiben kann.

Immer mehr deutsche Apotheken lernen dabei vom Einzelhandel: Einerseits setzen sie auf topmoderne Warenwirtschaften, noch genauere Bestellsysteme und Sortieranlagen im Innern, die die klassischen Schubladen in den Verkaufsbereichen überflüssig machen. Davon profitiert der Ladenbau: aufgelockert kommen Apotheken daher. Statt Thekenfront finden sich kreisrunde Counter in der Mitte der Apotheke – und das nicht bloß in Neubauten von Newcomern, sondern in traditionellen Apotheken wie Münchens Rosenapotheke am Marienplatz.

Large Format Displays und bunte Akzente

Es geht aber noch mehr: So setzt Die Neue Apotheke in Herne-Wanne mehr als 20 Large Format Displays ein, große 55-Zöller von Samsung. Mit Digital Signage sowie farblichen Akzenten bei der Dienstkleidung setzt man sich von Mitbewerbern ab. Und in Berlin könnten Besucher der Apotheke 4.0 sich in einem gut gehenden Modegeschäft wähnen, so angenehm ist die Ausstattung, die eine virtuelle Sichtwahl von Dienstleister Optimum Media/ Apo TV.com beinhaltet. Konzepte wie das der Westgate-Apotheke in Köln, die von der Ben Hur GmbH ausgestattet wurde, sind bereits mehrfach preisgekrönt, was zusätzlich zur Kundenbindung beitragen kann.

Die neuen Flagship-Apotheken

„Analog zur Modebranche gibt es aktuell eine starke Tendenz, auch bei Apotheken so etwas wie Flagship-Stores, in denen neue Innenarchitekturkonzepte getestet werden, aufzubauen“, sagt Marcel Becker im invidis-Gespräch. Der Geschäftsführer von Apovid sieht verschiedene Gründe dafür. „Gab es hierzulande früher 21.500 Apotheken, so sind es derzeit nur noch 21.000 Apotheken. Diejenigen, die fast nur vom Rezeptverkauf leben, haben es tendenziell deutlich schwerer als ihre Kollegen, die große Umsätze mit freiverkäuflichen Mitteln generieren.“

Deshalb gebe es den Trend „weg vom Apothekenimage“, so der Experte. „Die Apotheken möchten weniger das reine Gesunheitsthema und den Arzneimittelverkauf betonen, sondern auch ein Shopping-Erlebnis erzeugen“, hat Becker beobachtet. „Heutzutage begrüßen sie die Menschen mehr und mehr auch als Kunden – und nicht nur als Patienten“, so Marcel Becker weiter.

Displays in verschiedenen Bereichen der Apotheke

Generell sind die neuen Apos mit Konzepten unterwegs, die an die Gestaltung mancher Parfümerien und Drogerien angelehnt sind. Dabei spielt Digital Signage eine große Rolle. „Zum einen werden Displays direkt an den Kassenbereichen eingesetzt“, sagt Becker. „Immer häufiger finden sich auch Large Formats oder sogar Video Walls an den Wänden hinter den Kassen“, stellt der Apothekenexperte fest. Der Vorteil: Kunden, die in der dritten oder vierten Reihe warten, werden informiert und unterhalten. „Sie sind in dieser Position sogar empfänglicher als Kunden, die sich gerade im Beratungsgespräch mit einer Apothekerin, einem Apotheker oder einer PTA befinden.“

Technologische Neuerungen, wie moderne Kommissionierungsautomaten erleichtern nicht nur die Arbeitsprozesse in den modernen Apotheken, meint Marcel Becker. „Sie führen zusätzlich zu noch mehr Spielraum bei der Ladengestaltung. Etwa bei den ebenfalls immer öfter eingesetzten freistehenden Displays“, so der Experte.

Damit befinden sich Apotheken mit geringeren Rezeptanteilen auf dem Weg zu dienstleistungsorientierteren Angeboten mit mehr OTC-Geschäft und freiverkäuflicher Ware – und individuelleren Signage-Lösungen.