Display-Technologie

Kommt bald das GST-Display mit Nano-Pixeln?

- Flexible und dünne Sandwich-Displays, die sehr hochauflösend und sehr stromsparend sind, könnten künftig selbst OLEDs den Rang ablaufen. Branchenfirmen und Investoren verhandeln bereits mit den Erfindern. von Thomas Kletschke

Hauchdünn und flexibel: GST-Display (Foto: Isis Innovation)

Hauchdünn und flexibel: GST-Display (Foto: Isis Innovation)


Haben britische Experten nun die eierlegende Wollmilchsau der Displaytechnologie gefunden? – Die Legierung Ge2Sb2Te5 (Germanium-Antimon-Tellur oder: GST) könnte künftig eine Revolution in der Displayherstellung bedeuten. Forscher der Universität Oxford meinen nun, die Eigenschaften von GST soweit kennen und beherrschen zu können, das man künftig extrem dünne und stromsparende sowie sehr hochauflösende Displays herstellen könnte.

Wie Materialwissenschaftler Professor Harish Bhaskaran und seine Kollegen in einem Artikel in der Zeitschrift Nature berichten, könnte man künftig Nano-Pixel-Displays bauen, die extrem hochauflösende Bilder erzeugen und sehr dünn sind; bei der letzten Eigenschaft gleichen sie offensichtlich anderen neuen Displayverfahren wie der OLED-Technologie. Besonders interessant: Das Material ist so gestaltet, dass man zwischen einer Art extrem energiesparendem ePaper-Modus sowie einer Betriebsart wählen könnte, bei der sehr hochauflösender Bewegtbild-Content angezeigt wird.

Als Beipielanwendung geben die Wissenschaftler die Nutzung in Wearable Devices an, etwa in smarten Displays von Datenbrillen. Durch die äußerst hohe Auflösung könnten selbst noch starke Vergrößerungen mehr oder minder pixelfrei erscheinen, sind sich die Forscher sicher. Nur die Nano-Pixel, deren Inhalt bei einem Bildwechsel auch tatsächlich verändert werden, würden Strom verbrauchen. Der Rest eines Bildinhalts wird statisch dargestellt.

GST-Display (links) und eines der ersten Bilder auf einem GST-Display (Fotos: Oxford University)

GST-Display (links) und eines der ersten Bilder auf einem GST-Display (Fotos: Oxford University)

Sandwich-Aufbau

Das Verfahren funktioniert so: Eine sieben Nanometer dünne GST-Schicht wird zwischen zwei Layerschichten gesetzt, wie bei einem Sandwich. Die Elektrodenschichten – also die beiden transparenten „Brothälften“ des Sandwichs – bestehen aus Indium-Zinn-Oxid (ITO). Jedes der beschriebenen Nano-Pixel wäre 300 x 300 Nanometer groß. Damit ist jeder einzelne Pixel deutlich kleiner, als dies bei LCD-Displays oder mit OLEDs der Fall ist. So erklärt sich auch, dass GST-Displays noch schärfere und hochauflösendere Bilder liefern könnten.

Das Forscherteam zu dem auch der Oxforder Materialwissenschaftler Peiman Hosseini und Professor David Wright von der University of Exeter gehören, hat zwar gerade erst erste Schritte zur Entwicklung von GST-Displays getan, Verhandlungen mit der Industrie und Investoren gibt es aber ebenfalls schon. Ein erstes Patent wurde beantragt. Isis Innovation – eine Ausgründung der Uni Oxford, die sich um die kommerzielle Verwertung von Forschungsergebnissen der Hochschule kümmert – verhandelt aktuell mit Displayherstellern sowie Finanzinvestoren.

2 thoughts on “Display-Technologie: Kommt bald das GST-Display mit Nano-Pixeln?

  1. Akut am interessantesten sind die Displays wohl aufgrund ihrer Pixelgroesse und extrem kurzen Schaltzeiten für Oculus Rift und andere Hersteller von Virtuelle-Realitaets-Brillen. Laut John Carmack (CTO – Oculus Rift) sind ~120 Bilder pro Sekunde nötig, um dem menschlichen visuellen System glaubhaft virtuelle Realität vorzuspielen.

    Laut Artikel im Spektrum der Wissenschaft 11/14, sind die Folien in der Lage innerhalb von lediglich 100 Nanosekunden zwischen amorpher und kristalliner Struktur zu wechseln. „Umgerechnet auf einen Einsatz als Bildschirm entspräche das einer Wiederholrate von zehn Megaherz […]“

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