Einzelhandel

Signa übernimmt Karstadt – Sanierung und Filetierung?

- Neues Kapitel bei Karstadt: In dieser Woche übernimmt Signa alle Anteile. Wie viele der 83 Häuser als Karstadt erhalten bleiben, ist aktuell nicht absehbar. Die neuen Eigentümer fordern forsch: Ruhe im Unternehmen und raus aus den Medien. von Thomas Kletschke

Karstadt verkauft: Signa übernimmt 83 Häuser und das gesamte Geschäft (Foto: Karstadt; Montage: invidis.de)

Karstadt verkauft: Signa übernimmt 83 Häuser und das gesamte Geschäft (Foto: Karstadt; Montage: invidis.de)

In der letzten Woche zeichnete sich bereits ab, dass die Signa Holding von Nicolas Berggruen die Anteile am gesamten Warenhausgeschäft bei Karstadt übernehmen wird. Seit dem Wochenende ist klar, dass die 83 Karstadt-Häuser, das Handelsgeschäft sowie die Verantwortung für die Mitarbeiter auf den Investor aus Österreich übergehen.

Nicolas Berggruen trennt sich von der Karstadt Warenhaus GmbH, zu der die Filialen gehören, und von seinem Anteil an den 3 Premiumhäusern in Hamburg, Berlin und München. Die Signa mit René Benko an der Spitze zahlt 1 Euro – wie zuvor Berggruen, der Karstadt 2010 für einen gleichlautenden symbolischen Preis aus der Insolvenz übernommen hatte. Aktuell beschäftigt das Unternehmen Karstadt etwa 17.000 Mitarbeiter.

Ex-Cerberus-Manager Geschäftsführer bei Signa Retail GmbH

Offensichtlich hat Signa zuvor eine Retail GmbH gegründet, an deren Spitze Wolfram Keil steht, der vor seinem Einzug ins Executive Board der Signa Holding bereits für Cerberus Deutschland und Terra Firma Capital Partners in London arbeitete. Der im Bereich Private Equity und Immobiliengeschäft erfahrene Keil hat dem Unternehmen Karstadt nun via Signa-Pressemitteilung „Ruhe“ verordnet – und fordert, man müsse „raus aus den Medien“. Die Ankündigung eines Kuschelkurses gegenüber Betriebsrat, Gewerkschaft oder Politik hätte sicherlich eine etwas andere Tonalität.

Wolfram Keil: CFO Signa RECAP, Mitglied des Executive Boards der Signa Holding und Geschäftsführer der Signa Retail GmbH (Foto: Signa)

Wolfram Keil: CFO Signa RECAP, Mitglied des Executive Boards der Signa Holding und Geschäftsführer der Signa Retail GmbH (Foto: Signa)

Ab jetzt: Mauern gegenüber den Medien

Man werde in nächster Zeit „keine Wasserstandsberichterstattung betreiben oder weitere mediale Ankündigungen durchführen“, lässt Wolfram Keil weiter verlautbaren. Ruhe scheint also nicht nur innerhalb von Karstadt selbst die erste Bürgerpflicht zu sein – Nachfragen der Öffentlichkeit sind offenbar ebenfalls absolut unerwünscht.

Dass man Karstadt übernehme, sei „angesichts der aktuellen Lage die logische Konsequenz“, so Keil weiter. Das klingt nicht direkt nach einer Liebesheirat. Allerdings wird kolportiert, Benko und Signa wollten sich mindestens 10 Jahre engagieren – was sich sicherlich auf ein wie auch immer geschrumpftes Karstadt-Geschäft bezieht.

Berichten zufolge hatte Signa bisher schon 200 Millionen Euro bei Karstadt investiert – und wird nach eigenem Bekunden für die kommenden 12 Monate die Warenkreditversicherung für Karstadt verlängern. Allerdings heißt dies keineswegs, dass nicht schon deutlich früher Häuser geschlossen – und möglicherweise zu Innenstadt-Malls umgebaut – werden.

Sanierung ohne Tabus

Schon am kommenden Donnerstag will der Aufsichtsrat nach bisherigen Planungen über ein Sanierungskonzept beraten, heißt es in mehreren Medienberichten. Dabei solle es „keine Tabus“ geben, wird die Konzernführung zitiert. Demnach steht gut jeder vierte Standort auf dem Spiel. Mittelfristig könnten 15 bis 20 Karstadt-Häuser geschlossen werden, berichtete etwa die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf das Umfeld René Benkos.

Mögliches Vorbild: Kaufhaus Tyrol

In Österreich hat die Signa-Holding in Innsbruck vor einigen Jahren das seinerzeit marode Kaufhaus Tyrol zu einem Shopping Center umgebaut. Auch beim Goldenen Quartier in Wien entwickelte Signa das Konzept, das aus Einzelhandelsnutzung sowie (Luxus-) Wohnungen besteht. Für Karstadt könnte in Teilen oder als Ganzes ein ähnliches Konzept greifen – etwa der Umbau der Premiumhäuser analog zudem bei Tyrol.

So könnte das Oberpollinger in München oder das KaDeWe sowie das Alsterhaus eine neue Zukunft als Mall mit hochwertigen Markenshops als Mietern haben, möglicherweise auch weitere Karstadt-Standorte. Eine weitere – und dies nicht ausschließende – Option wäre es, strategische Handelspartner aus dem europäischen Ausland mit ins Boot zu holen. So wurden die Galeries Lafayettes, Sainsbury oder El Corte Inglès bereits als potenzielle strategische Partner gehandelt.

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