Einzelhandel

Signa will Karstadt übernehmen – Entscheidung noch im August?

- Wie das österreichische Magazin Format meldet, steht die vom Österreicher Rene Benko sowie dem Griechen George Economou kontrollierte Signa Holding vor der Komplettübernahme des deutschen Warenhauskonzerns Karstadt.  von Thomas Kletschke

KaDeWe in Berlin: Immobilie gehört zu Signa-Portfolio (Foto: Signa)

KaDeWe in Berlin: Immobilie gehört zum Signa-Portfolio (Foto: Signa)

Man sei zu Hilfe gerufen worden, um Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen als Gesellschafter abzulösen, so Benko gegenüber Format. Ob damit die zu 50% von Benko und dem griechischen Reeder Economou kontrollierte Signa ganz bei Karstadt einsteigt – und welche Folgen daraus für die Anzahl der Filialen, das Filialgeschäft selbst sowie die Onlinehanelsaktivitäten erwachsen können – ist aktuell noch unklar. Rene Benko hatte bereits die Mehrheit am operativen Geschäft von Karstadt Sports sowie an den drei Premiumhäusern Berliner KaDeWe, Alsterhaus und Oberpollinger übernommen.

Benko selbst wird von Format so zitiert, dass es sich zunächst einmal nach einem Bekenntnis zum Erhalt – zumindest eines Teils – des Geschäfts anhört: „Wir haben eine Reihe guter Manager mit Know-how im Handel geholt. Wir sind dabei, uns den Ruf aufzubauen, dass wir auch dieses Geschäft können.“

Österreichischen Wirtschaftsmedien zufolge verfügt Rene Benko über ein Privatvermögen von 850 Millionen Euro. Laut früheren Medienberichten kann Benko 75,1% an Karstadt zum Preis von einem Euro erwerben. Rene Benko gilt als schillernde Figur – kürzlich wurde letztinstanzlich das Urteil gegen ihn in einem Korruptionsverfahren bestätigt. Den Urteilen erster und zweiter Instanz zufolge sollte auf seine Initiative hin über den damaligen kroatischen Ministerpräsidenten Ivo Sanader ein beschleunigter und positiver Abschluss eines Steuerverfahrens beim italienischen Premier Silvio Berlusconi bewirkt werden. Sanader sollte dafür 150.000 € erhalten. Die Urteile wurden kürzlich vom Obersten Gerichtshof (OGH) bestätigt – sind aber in Österreich nicht unumstritten.

Ebenfalls als wichtiger Investor im Boot ist der Milliardär Beny Steinmetz – laut Forbes besitzt er ein Vermögen von etwa 3,5 Milliarden US-Dollar. Steinmetz hat die israelische Staatsangehörigkeit und wohl auch einen französischen Pass. An den drei Premiumhäusern sowie den 28 Karstadt Sport soll er nach Recherchen des Manager Magazins 37,5% der Anteile halten. Seine Diamantenfirma und Minengesellschaft BSGR soll in Guinea die Witwe des damaligen Diktators bestochen haben, was Ende Juli 2014 zu einer Verurteilung seines Geschäftspartners Frederic Cilins zu einer zweijährigen Haftstrafe vor einem New Yorker Gericht führte, nachdem unter anderem die US-Bundespolizei FBI in dem Fall ermittelt hatte.

Inwieweit sich die Signa Holding bisher tatsächlich eine größere Retailexpertise aufgebaut hat, lässt sich bisher schwer abschätzen. Einerseits finden sich weder im Executive Board noch in der Geschäftsführung Handelsexperten. Stattdessen sind Immobilien- und Fondsexperten an Bord, die das nach Unternehmensangaben mehr als sechs Milliarden Euro schwere Immobilienportfolio verwalten. Andererseits gehören zahlreiche Innenstadtimmobilien – auch in Deutschland – zum Portfolio, zu denen auch weitere Einzelhandelsimmobilien gehören. Signa-Fonds werden von vermögenden Privat- sowie institutionellen Investoren gezeichnet. Die Signa Holding selbst verfügt über Kontakte in diverse Branchen – allein im Beirat sitzen gut vernetzte Unternehmer wie Roland Berger und Wendelin Wiedeking sowie der ehemalige österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer.

Dass Karstadt jedenfalls von Nicolas Berggruen kein nennenswertes Engagement zum Erhalt als Handelshaus mehr erwarten darf, war spätestens Anfang Juli 2014 klar, als sich die schwedische Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt nach nur fünf Monaten wieder verabschiedete. Die ehemalige Ikea-Managerin sollte eigentlich für eine neue Perspektive sorgen, wurde aber allem Anschein nach lediglich als Einspar-Managerin benötigt, weshalb sie die Konsequenzen zog. Seit ihrem Rückzug wird die Karstadt Warenhaus GmbH von Chief Finance Officer Miguel Müllenbach und Arbeitsdirektor und Chief Human Resources Officer Kai-Uwe Weitz geleitet.

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