Digital Signage im Finanzamt

Noch Pilot-Stadium im Ländle, schon Routine in Österreich

- In der öffentlichen Verwaltung sind Digital Signage- und Inhouse TV-Projekte seltener zu finden als in der Wirtschaft. Ausnahmen im deutschsprachigen Raum gibt es, wie zwei Beispiele zeigen: Um die Steuerbürger zu informieren, setzt die Republik Österreich seit 2011 auf ein entsprechendes System in allen Finanzämtern. In Baden-Württemberg hat gerade ein entsprechender Test begonnen. von Thomas Kletschke

Infocenter des Finanzzentrums Wien Mitte (Foto: BMF / citronenrot)

Infocenter des Finanzzentrums Wien Mitte (Foto: BMF / citronenrot)

Digitale Außenwerbekampagnen, um zur Steuerehrlichkeit aufzurufen, sind auf absehbare Zeit kein Projekt für das Bundesministerium der Finanzen in Berlin. Bunte Werbung zum Thema Steuern bleibt also vorerst ein britisches Phänomen. Geht es um nutzwertige Kommunikationsformen, gibt es durchaus Digital Signage-Projekte im deutschsprachigen Raum.

In allen Finanzämtern Österreichs etwa setzt die dortige Steuerverwaltung auf ein Digital Signage-System. Das vom Bundesministerium der Finanzen (BMF) in Wien beauftragte System nennt sich BMF-TV. In der Alpenrepublik setzte die öffentliche Hand schon früh auf Digital Signage in diesem Bereich der Verwaltung, mit dem jeder Bürger regelmäßig in Berührung kommt – ob er nun mag oder nicht. Live ging das BMF-TV bereits im Jahr 2011.

Kundenaufrufsystem im Finanzzentrum Wien Mitte (Foto: Thomas Neumeister)

Kundenaufrufsystem im Finanzzentrum Wien Mitte (Foto: Thomas Neumeister)

Das von der Aeneas Beteiligungsgesellschaft mbH konzipierte und abgewickelte Projekt richtet sich inhaltlich an Steuerzahler, respektive Besucher der lokalen Finanzämter und ist ein werbefreies System. Relevante Informationen für den Steuerzahler sind gefragt. Beim Content setzt man entsprechend auf Finanz- und Servicethemen. Lokale Informationen wie News, Wetter- und Verkehrsinfos kommen hinzu.

Als Format setzen die Finanzämter 52″-Displays ein, die in Landscape-Orientierung verbaut wurden und entsprechend bespielt werden. Insgesamt gibt es österreichweit 85 Standorte mit zusammen 94 Screens. Das Finanzzentrum Wien Mitte ist eines der großen Finanzämter – im Spätsommer 2013 hat invidis das dortige System für den invidis Digital Signage Explorer erfasst. Eine „insgesamt gelungene Installation“, lautete das Gesamturteil über das aus BMF-TV sowie ein Kundenaufrufsystem bestehende Digital Signage.

Da deutsche Finanzämter zwar die Bundessteuern eintreiben, aber jedes Landes-Finanzministerium für die Ämter zuständig ist, hat invidis.de kürzlich in mehreren Bundesländern Infos zum Status Quo von Digital Signage angefragt. Zumindest im Südwesten der Republik tut sich augenblicklich etwas – es gibt einen entsprechenden Piloten im Ländle.

Wie das Ministerium für Finanzen und Wirtschaft des Landes Baden-Württemberg der Redaktion mitteilte, prüft die Oberfinanzdirektion Karlsruhe derzeit im Auftrag des Ministeriums „die Einsatzmöglichkeit von Präsentationsbildschirmen in den Zentralen Informations- und Annahmestellen (ZIA) der Finanzämter“.

Was gibt's zu glotzen? - So wirbt das Finanzministerium Baden-Württembergs im Webum Nachwuchs (Foto: Ministerium für Finanzen und Wirtschaft)

So wirbt das Finanzministerium Baden-Württembergs im Web um Nachwuchs (Foto: Ministerium für Finanzen und Wirtschaft)

Wie in Österreich möchte auch Baden-Württemberg nutzwertigen Content ausspielen. Unterschied: Von einer Beimischung weiterer News ist momentan keine Rede. „Den Steuerbürgerinnen und Steuerbürgern könnte mit dem Projekt die Möglichkeit eröffnet werden, sich – während des Aufenthalts im Bereich der ZIA – über verschiedene Angebote der Steuerverwaltung (etwa ELSTER, Ausbildungsmöglichkeiten und Informationen des jeweiligen Finanzamts) zu informieren“, so eine Sprecherin des Ministeriums.

Allerdings kann Ba-Wü – gerade mal wieder von der EU als Region mit der höchsten Innovationskraft geadelt – auch spacig: Geht es darum, jungen Menschen eine Ausbildung schmackhaft zu machen, setzt man auch schon mal auf Aliens, wie den kleinen Ibuza (siehe Video). Wäre ja erweiterbar – etwa um einen Planeten der Steuer-Nichtzahler oder ein Raumschiff mit exterrestrischen Finanzwirten oder B.A.s der Steuerverwaltung. Und irgendwie nicht so dröge, wie das „Glotzen“-Motiv.

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