Serie Retail Banking 2.0

Brot, Milch, Käse und Banking – Barclays im Supermarkt

- Wollen oder müssen Retail Banken ihr Netz verkleinern, sind Filialen an anderen Orten ein Ansatz. Selbst eine Mini Branch im Billig-Supermarkt kann funktionieren, wie die Barclays Essentials in ASDA-Supermärkten. Die an sieben Tagen in der Woche geöffneten Essentials sollen helfen, die traditionsreiche Bank wieder auf Kurs zu bringen. von Thomas Kletschke

Auf dem Weg zur "Go to"-Bank: Kundin vor einer Barclays-Filiale (Foto: Barclays)

Auf dem Weg zur „Go to“-Bank: Kundin vor einer Barclays-Filiale (Foto: Barclays)

Bread, Milk, Cheese, Eggs, Banking: Britische Banken und Händler kooperieren nicht nur, wenn es um die Nutzung von Geldautomaten als Digital-out-of-Home-Medien geht. Mit obigem Claim wirbt Barclays nun in seinen ersten Supermarkt-Filialen bei ASDA. ASDA ist eine der UK-weit agierenden Retailketten, die im atmAd-Netzwerk mit von der Partie ist – zudem haben ASDA und Barclays seit 2014 eine weitergehende Kooperation geschlossen, die zeigen soll, wie Filialbanking im 21. Jahrhundert auch funktionieren kann.

Kürzlich konnte ASDA Geburtstag feiern: Die am 19. Februar 1949 gegründete britische Supermarktkette ASDA gehört seit einigen Jahren zum US-Konzern Walmart und gilt nach Tesco als zweitgrößte Supermarktkette Großbritanniens. Die grünweißen ASDA Stores sollen gegenüber der Konkurrenz vor allem über den Preis ihre Marktposition halten. Lange Zeit galt die Devise: 20 % billiger als die Konkurrenz, dafür ein 20 % kleineres Sortiment. Diese Politik ist über die Jahre etwas aufgeweicht worden: billig kann auch die Konkurrenz. Und: Eine Reihe größerer und sehr großer Supermärkte (Superstores, Supercenters) werden inzwischen betrieben.

Barclays Essentials-Filiale (Foto: ISG)

Barclays Essentials-Filiale (Foto: ISG)

Aktuell gibt ASDA an in Großbritannien mehr als 400 Stores zu betreiben. Neben dem Supermarktgeschäft betreibt die Gruppe spezialisierte Läden (Optiker, Reisebüros) und ist zudem wie viele Retailer mit einer eigenen Finanzabteilung unterwegs (Konsumentenkredite, Kreditkarten, Versicherungen).

Insofern arbeitet zumindest ein Teil der Gruppe selbst im Bereich der Finanzdienstleistungen. Bei den Kreditkarten hat man momentan die Sygma Bank UK als Partner, Tochter des französischen Kreditinstituts Sygma Banque, dessen Töchter europaweit mit verschiedenen Handelsketten wie Obi und Selgros (Deutscland) oder Komputronik (Polen) zusammenarbeiten.

Seit einem guten Jahr gibt es eine neue Retailer/Retail Banking Connection: ASDA und Barclays sind eine Liaison eingegangen. Grund dafür scheint das Programm „Aus der Not eine Tugend machen“ zu sein. Die 1690 gegründete Barclays – die drittgrößte Bank in Großbritannien – muss sparen. Bisher betrieb Barclays in 50 Ländern 4.750 Filialen und Niederlassungen – allein 1.600 Filialen in UK. Im Mai 2014 gab Barclays bekannt, innerhalb der nächsten drei Jahre weltweit 19.000 Stellen zu streichen, 3.700 davon in Großbritannien.

In UK sollen zunächst 400 Filialen geschlossen werden, weitere dürften 2015 geschlossen werden, wie aus einer Investoren-Präsentation von Februar 2013 hervorgeht. Unter dem Programmnamen Integrity hat man die Umgestaltung der Bank begonnen. Bis 2016 soll auf der Einnahmeseite wieder akzeptable Pfund Sterling verbucht werden – und bis 2018 will man den Weg zur Go to-Bank hinter sich bringen.

Kunden vor einer Barclays Essentials-Filiale in einem ASDA (Foto: ISG)

Kunden vor einer Barclays Essentials-Filiale in einem ASDA (Foto: ISG)

An die Stelle zumindest einiger der geschlossenen Barclays-Filialen sollen Repräsentanzen in Supermärkten von ASDA treten. Inwieweit dieser Ausbau zügig voranschreitet, oder ob er einer anderen strategischen Weichenstellung Platz machen wird, ist derzeit unklar. Denn bisher gibt es erst acht dieser Filialen, die man als Barclays Essential Branches vermarktet.

Die Essentials, die bisher in Liverpool, Watford und Blackpool sowie an weiteren Orten entstanden sind, könnte man auf den ersten Blick auch für eine im ASDA befindliche Gastronomie halten. Die eingesetzte Technologie ist sparsam und nicht marktschreierisch gehalten. Holz, Erdtöne, Weiß und natürlich Akzente im Barclay-eigenen Blau verweisen auf die Bank.

Video Wall in der Barclays-Filiale Picadilly (Foto: Barclays)

Video Wall in der Barclays-Filiale Picadilly (Foto: Barclays)

In den Essentials greift Barclays dabei in großen Teilen auf ein Konzept zurück, dass auch in weiteren Mini Branches umgesetzt wird, etwa in South Kensington. Das Konzept Branch of the Future ist sowohl für Kleinfilialen – ob in eigenen Immobilien, oder zu Gast bei ASDA – wie Pop Ups entwickelt worden. Beim Design wurde darauf geachtet, dass es sich in verschiedenen architektonischen Umgebungen einsetzen lässt.  Entwickelt wurde es von Checkland Kindleysides, einer in Leicester und London angesiedelten Brand-Agentur, die zahlreiche Shop-Konzepte für internationale Marken entwickelt und umsetzt. Insgesamt drei Hauptauftragnehmer zeichnen bisher für die Essential-Umsetzungen verntwortlich – unter anderem auch ISG, die auch schon zuvor für Barclays gearbeitet haben. Nach Angaben von ISG bewegt sich das Investitionsvolumen für die Renovierung kleinerer Filialen sowie die Einrichtung der Essentials in ASDA-Supermärkten in der Größenordnung zwischen 100.000 £ und 3,2 Millionen £.

Große Video Walls – wie in der Filiale Picadilly – gehören bei den Essentials natürlich nicht zum Repertoire. Aber klassisches Digital Signage hat dort Platz gefunden – in Form von einzelnen Displays, die um Lightboxes ergänzt werden. Eingesetzt werden zudem Tablets sowie Video-Dienste für die externe Beratung. Andere Faktoren sind den Endkunden besonders wichtig, hat Steve Cooper, CEO Personal Banking bei Barclays festgestellt. Bankkunden wollen längere Öffnungszeiten – und Parkplätze. Die Essentials in den ASDA haben jede Menge an kostenlosem Parkraum vor der Tür. Und bei den Öffnungszeiten richtet man sich nach denen des jeweiligen Supermarkts. Das können also auch mal 24 Stunden sein. An Samstagen haben die Essentials ebenfalls lange genug geöffnet, dass auch noch der letzte Student bequem zur Bank kann – also mindestens bis 21 Uhr. Jede Essentials-Bankfiliale ist auch an Sonntagen für die Kunden da.

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