Banking 2.0

Das ist Belgiens spacigste Bank

- Mit einer Pop up-Filiale hat Hello bank! in Brüssel gezeigt, wie man junge und technologieaffine Zielgruppen für so biedere Themen wie Geldanlage und Altersvorsorge interessieren kann. Zum Einsatz kamen Augmented Reality, Projektionstechnik sowie Digital Signage. von Thomas Kletschke

Interaktiver AR Tisch Polar (Screenshot: invidis)

Interaktiver AR Tisch Polar (Screenshot: invidis)

Die Finanzkrise seit 2008 weitestgehend unbeschadet überstanden, als systemrelevante Bank mit hoher Eigenkaptalquote gesegnet (lies: dazu verdonnert): Die BNP Paribas ist zwar grundsolide und eine Marke mit Ausstrahlung – aber nicht unbedingt das sexiest Brand des Universums.

Vor allem junge und technikaffine Kundengruppen kann es da schnell weg von der Filiale um die Ecke ziehen, auf in neue Banking-Galaxien. Deshalb hat die französische Bank – die zuletzt in 75 Ländern insgesamt 175.000 Mitarbeiter beschäftigte und 4,8 Milliarden Euro umsetzte – sich entschieden, ab 2013 eine neue europäische Marke aufzubauen, die vom Kanal Mobile her agiert – Geburtsstunde der Hello bank!.

Gestensteuerung am Polar Table (Foto: Lab 101)

Gestensteuerung am Polar Table (Foto: Lab 101)

Was das ganze, schöne Konzept leider ein wenig wiggelig macht: In jedem Markt agiert die Hello bank! – zumindest bisher noch – anders. Das hat ein wenig mit Geschichte zu tun.

Hierzulande ist die Hello bank! niemand anderes als die Consorsbank. Anhand des Logos kann man das noch recht schnell erkennen. Ansonsten aber ist die vormalige Cortal Consors seit 2003 im Besitz der Franzosen. Die in Nürnberg ansässige Direktbank hat ihren Fokus immer noch auf dem Online-Wertpapierhandel – und tritt im Vergleich zu ihren Hello bank!-Schwestern deutlich biederer auf; auch auf der Hello bank!-Deutschland-Microsite.

Weitere Hello banks! gibt es in Italien, Frankreich sowie Belgien. In den beiden letztgenannten Märkten hat Hello bank! seitdem ein schärferes Profil entwickeln können. Und in Belgien hat das Finanzinstitut mit einem temporären Pop up gezeigt, dass man – so man will – die spacigste Bank des Landes sein kann. Dazu bedurfte es aber auch eines gewissen Aufwands – der sich offenkundig gelohnt hat.

Kleiner  Controller, große Wirkung: Leap Motion (Foto: Leap Motion)

Kleiner Controller, große Wirkung: Leap Motion (Foto: Leap Motion)

Um die eigene App besser bekannt zu machen, setzt Hello bank! in Belgien stark auf Veranstaltungen und Workshops für die Zielgruppe. Das können Photoshop-Kurse sein, Graffitti- oder Musik-Workshops. Dazu hatte das Finanzinstitut von September 2014 bis Dezember 2014 eine temporäre Filiale in der Brüsseler Innenstadt in der Rue Fossé aux Loups 14 angemietet.

Hier wurde der Polar installiert, ein mit Software und Controllern von Leap Motion umgesetzter, kreisrunder Touch-Tisch mit Gestensteuerung. Statt auf Diplaytechnologie setzte man dabei auf Projektion mit vier Full HD-Projektoren von Hitachi. Eine Video Wall, 3D-Drucker sowie diverse kleinere Touch- und sonstige Terminals fanden in dem Pop up ebenfalls Platz. Wie die Gesamt-Installation wirkte, und wie der Polar Table entstand, kann man den beiden eingebetteten Videos entnehmen.

Für die Konzeption und Umsetzung des Polar zeichnen insgesamt fünf Beteiligte verantwortlich. Grundgedanke: ein 360º-Tisch mit verschiedenen Zonen für die unterschiedlichen Inhalte sollte her. Und Interaktion, die abgespacter daherkommt, als über eine reine Touch-Lösung.

Aufteilung des Polar Table nach Content-Zonen (Screenshot: invidis)

Aufteilung des Polar Table nach Content-Zonen (Screenshot: invidis)

Für Strategy & Ideation war in dem Polar-Projekt die Agentur Trendwolves verantwortlich; Konzept Design und Umsetzung übernahm Bump. Das Interactive Concept Design und dessen Realisierung stammen von Beyond.io. Coding und Animationen übernahmen die Kreativen von Lab101. Das Projekt-Video drehte Visual Assault.

Auch in diesem Jahr sind die mobilen Banker mit Angeboten für junge und technikaffine Kunden in Brüssel vor Ort zu finden, momentan im Phygital Lab, in der Rue de la Cathédrale 97-99. Dort werden mal IoT/ Arduino-Workshops angeboten; mal geht es ums vergane Kochen. Allein im Kanal Mobile fühlen sich weder die Banker, noch die Konsumenten wohl. Auch technikaffine Menschen vertrauen nicht der erstbesten App, die ihnen im App Store ihrer Wahl vor die Füße fällt.

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