Digital Signage & Ausstellungen

Interaktive und simultane Präsentation in acht Museen

- Erstmals zeigen alle acht Forschungs-Museen der Leibniz-Gemeinschaft eine gemeinsame und simultane Ausstellung. Mittels Multitouch setzen die Macher von „8 Objekte, 8 Museen“ dabei auf Interaktivität. von Thomas Kletschke

Multitouch Tisch in einem der acht Leibniz Forschungs-Museen (Foto: Catherine Hug)

Multitouch Tisch in einem der acht Leibniz Forschungs-Museen (Foto: Catherine Hug)

Geschichte ist dann besonders spannend, wenn man sie gerade rücken muss – etwa weil Fälschungen der Nachwelt etwas vorgaukeln. Im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg befindet sich die sogenannte Henlein-Uhr. Lange Zeit galt sie als die erste Taschenuhr der Welt, zweifelsfrei erwiesen war das aber nicht.

Erst als sich Forscher daran machten, die Uhr genau auseinanderzunehmen und ihre einzelnen Bestandteile auf ihr Alter zu untersuchen, unter anderem mittels Röntgen Technologie, war klar. Bei der Uhr handelt es sich nicht um ein original aus dem 16. Jahrhundert, sondern einen nachträglich und nur in Teilen aus so alten Bauteilen zusammengesetzten Zeitmesser. Sie sei „ein Kompilat des Historismus“, urteilten die Experten. Also eine Fälschung.

Die Henlein-Uhr ist nur eines von 100 Millionen Exponaten, die sich in den Sammlungen der Forschungs-Museen der Leibniz-Forschungsgemeinschaft befinden. Von kleinen Insekten bis hin zur 1962 entdeckten Bremer Kogge, dem besterhaltenen Handelsschiff des nordeuropäischen Mittelalters. Aus Platzmangel, aus konservatorischen Gründen, oder weil manches Exponat zurückgegeben und durch eine Kopie ersetzt wurde, wie eine Jahrhunderte alte Metallschüssel aus Nigeria, setzen auch die acht deutschen Museen der Forschungsgemeinschaft auf die Digitalisierung von Beständen und die Digitalisierung der Präsentation. Die Forschungs-Museen sind:

  • Deutsches Bergbau-Museum Bochum – Leibniz-Forschungsmuseum für Georessourcen
  • Deutsches Museum, München
  • Deutsches Schifffahrtsmuseum – Leibniz-Institut für deutsche Schifffahrtsgeschichte, Bremerhaven
  • Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg
  • Museum für Naturkunde – Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung, Berlin
  • Römisch-Germanisches Zentralmuseum – Leibniz-Forschungsinstitut für Archäologie, Mainz
  • Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
  • Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig – Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere, Bonn

Noch bis Ende Juni 2017 haben die acht Institutionen nun auch erstmals eine gemeinsame und simultane Ausstellung auf die Beine gestellt. Eine Präsentations-Plattform der Ausstellung befindet sich im Web und ist eine Kooperation mit dem vom Google Cultural Institute angestoßenen Projekt Google Arts & Culture. Die Museen zeigen dort einzelne Exponate. Doch auch vor Ort lassen sich die Forscher über die Schulter schauen, in der gemeinsamen Ausstellung „8 Objekte, 8 Museen“.

Neben den Touch Tischen können die Besucher Tablets für weitergehende Infos nutzen (Foto: Catherine Hug)

Neben den Touch Tischen können die Besucher Tablets für weitergehende Infos nutzen (Foto: Catherine Hug)

Anlass der seit November 2016 laufenden Schau waren der 370. Geburtstag und der 300. Todestag von Gottfried Wilhelm Leibniz. Idee der interaktiven Ausstellung vor Ort: Egal, welches der acht Museen betreten wird, man kann die acht hervorgehobenen Ausstellungsstücke an jedem Ort erkunden. Als Mittel dazu werden Multitouch Ultra HD Tische mit 84″ Bilddiagonale (IR Touch, bis 50 simultane Touch-Punkte) eingesetzt, sodass die Nutzer auch großflächig die Exponate und Details erkennen können. Die Technologie stammt von eyevis und besteht jeweils aus einem 2,05 m x 1,15 m großen Multitouch Tisch, der in mehreren Bild-Ebenen zur Interaktion einlädt und erklärende Infos liefert. Kombiniert werden die Touch Tische mit Tablets, auf denen die Ausstellungsbesucher individuell vertiefende Exponat-Informationen abrufen können. Bei den großen Touch Tischen vom Typ EYE-LCD-8400-QHD-V2 sorgt 6 mm dickes, entspiegeltes Glas für eine robuste Bedienoberfläche.

Damit bis zu vier Menschen den Tisch simultan und bei 3.840 × 2.160 p @60 Hz nutzen können, sorgt jeweils ein Hochleistungsrechner der eyevis-Serie Netpix Rage mit großer Rechenleistung und hochperformanter Grafikkarten für die Hintergrundarbeit. Als Software wird EyeVisit genutzt. Die gebogenen Metall-Untergestelle der Tische sind handgefertigt.

Die interaktive Ausstellung wurde vom IWM Tübingen (Leibniz-Institut für Wissensmedien) federführend betreut. Hersteller eyevis und das IWM Tübingen arbeiten seit 2014 bei verschiedenen Projekten zusammen. Im Tübinger Leibniz-Institut werden bereits mehrere Touch Tische des Herstellers eingesetzt.

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