Einzelhandel

SAP entwickelt digitale Assistenten für DooH im Handel

- SAP will nicht mehr nur Abläufe hinter den Kulissen steuern, sondern auch sichtbare Produkte. Ein Beispiel ist intelligente Werbung für den stationären Handel. von Stefanie Schömann-Finck

Das digitale Assistenzsystem zeigte SAP bisher nur auf seiner Hausmesse (Foto: SAP)

Der Passant läuft am Schaufenster vorbei, der Bildschirm dort erkennt ihn, schlägt ihm ein Outfit vor, analysiert den Gesichtsausdruck, zeigt ein neues Outfit. Das gefällt und im besten Fall wird aus dem Passanten ein Kunde. Dieses Szenario demonstrierte SAP auf seiner Hausmesse in Orlando.

„Mit der Machine-Learning-Technologie ist es möglich, Kunden direkt beim Einkaufsbummel zu scannen. So können Einzelhändler in Sekundenschnelle intelligente Werbung platzieren und dem Kunden weitere verfügbare Artikel empfehlen – personalisiert nach seinem Geschmack, Alter und Geschlecht. Sogar sein Gesichtsausdruck kann dabei berücksichtigt werden“, erläutert Klaus Schimmer, Leiter des Bereichs Business Development, SAP Leonardo Machine Learning.

Gleichzeitig werden in Echtzeit Daten aus sozialen Netzwerken wie Instagram und Facebook gesammelt, mit den Daten aus den Filialen kombiniert und analysiert. Das soll, geht es nach SAP, Auswirkungen auf Design, Produktionsplanung, Bestandskontrolle und dynamische Preisgestaltung haben und sicherstellen, dass die passenden Artikel an den richtigen Ort und so zum richtigen Kunden gelangen.

Gut drei Viertel aller weltweiten Transaktionsumsätze laufen derzeit irgendwann durch ein SAP-System, dessen Einfluss damit bereits immens ist und den das Unternehmen nun nutzen möchte. Es will sich zu einem digitalen Assistenzsystem in möglichst vielen Bereichen wandeln, darunter eben auch im Handel. Geschehen soll das Ganze dank Künstlicher Intelligenz, Machine Learning, Internet of things, Big Data und der Cloud. Die digitalen Assistenten werten in Echtzeit alle Daten aus, die in einem Unternehmen zusammenfließen und reagieren darauf. Wie bei einem Auto, das von selbst bremst, wenn es dem Vordermann zu nahe kommt.

„Wir müssen bei der Entwicklung von Technologien offener werden“, sagte Bernd Leukert, der Produktverantwortliche im SAP-Vorstand, gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Das Ziel: Die SAP-Anwender sollen statt einer komplexen Werkzeugmaschine ein digitales Werkzeug bekommen, mit dem sie sofort arbeiten können.

Die Assistenzsysteme schalten nicht nur gezielt Werbung, sie nehmen auch Arbeit ab, indem sie im Einzelhandel Modetrends, Kunden-, Verkaufs- und Bestandsdaten verknüpfen. „Wie sich ein Artikel verkauft, kann in London oder Paris ganz unterschiedlich sein. Aber mit Echtzeitdaten können Einzelhändler schnell erkennen, dass kühle Farben in Paris nicht mehr gefragt sind, während sie in London noch voll im Trend liegen“, sagt Schimmer. „Anstatt die Preise der Artikel in den Pariser Läden zu reduzieren, können die Kleidungsstücke in diesen Farben rasch nach London verschickt werden. So können die Händler von der Nachfrage dort profitieren.“ Und zwar ganz automatisch, ohne menschliches Zutun.

SAPs Wandel schreitet rasch voran und das Unternehmen fasst auch in der digitalen Außenwerbebranche Fuß. Erst in diesem Jahr wurde die Kooperation mit Cittadino und Tank&Rast intensiviert. Sie launchten gemeinsam die Moovon-App, bei der Kunden für jeden zurückgelegten Kilometer Punkte sammeln und diese gegen Prämien eintauschen. Für SAP ein wichtiger Schritt, um auch beim digitalen Marketing und DooH mitzuspielen.

Weitere Informationen gibt es bei der „SAP Leonardo Live – IoT for Business“ in Frankfurt vom 11. bis 12. Juli.

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