Serie Banking 2.0

Deutsche Banken – Digitalisierung geht weiter

- Seit dem Jahr 2000 wurden in Deutschland 10.200 Bankfilialen geschlossen. Für Dienstleister eine eher gute Nachricht: Denn Retail-Banken investieren zugleich stark in Digitalprojekte. Und die Filialnetze werden bis 2035 weiter stark ausgedünnt. von Thomas Kletschke

Noch ohne Blockchain und Co. – Wertpapierabteilung der Commerzbank in den 1930er Jahren (Foto: Commerzbank)

Noch ohne Blockchain und Co. – Wertpapierabteilung der Commerzbank in den 1930er Jahren (Foto: Commerzbank)

Es gab Zeiten, da war das Telex oder die Hollerithmaschine das heißeste Teil, dass in einer modernen Bankfiliale zu finden war. Heute kommen Flagships der deutschen Banken daher wie moderne Filialen aus dem Modehandel oder wie schicke Bistros. Sowohl bei der Technologie für die Prozesse im Hintergrund wie bei den Lösungen für die Präsentation gegenüber dem Kunden reiten die Retail-Banken auf einer aktuell besonders starken Modernisierungswelle. Nahezu im Monats-Rhythmus eröffnen neue Flagships – vor wenigen Tagen etwa einer der Commerzbank. Dafür werden kleine Filialen geschlossen – ein Branchen-Trend, über den wir an dieser Stelle regelmäßig berichten.

Seit mehreren Jahren untersuchen KfW Research und die Universität Siegen, wie sich die Banken-Landschaft in Deutschland verändert. Ursprünglich wurde der Zeitraum der Jahre 2000 bis 2013 untersucht. Danach wurde der Analysezeitraum auf die Jahre von 2000 bis 2015 verlängert. Diese aktuellen Studienergebnisse zeigen: In den letzten Jahren hat sich das Tempo noch erhöht. In den vergangenen beiden Jahren des Untersuchungszeitraums – 2014 und 2015 – wurden demnach 2.200 Standorte geschlossen.

Gegenwärtig existieren in Deutschland noch rund 27.900 Filialen. Im Jahr 2000 waren es mehr als 38.000 Bankfilialen. Ursprünglich war für die Filialanzahl im Jahr 2015 ein Korridor zwischen 29.800 (bei leichter Erholung der „Rückbauquoten“) und 28.300 (bei starker Schrumpfung) geschätzt worden. Die Ausdünnung des Filialnetzes betrifft alle Institutsarten wie genossenschaftliche Banken, Sparkassen und private Banken.

Entwicklung der Filialanzahl deutscher Banken bis 2035 (Grafik: KfW Research)

Entwicklung der Filialanzahl deutscher Banken bis 2035 (Grafik: KfW Research)

In nahezu allen Regionen Deutschlands wird das Filialnetz zurückgebaut. Filialschließungen sind in 94% der Kreise und kreisfreien Städte zu beobachten. Ländliche Regionen sind in der Gesamtsicht etwas stärker von einer Ausdünnung betroffen als Städte: -27% seit dem Jahr 2000. Bei den Städten gab es eine Abnahme von -23% seit 2000.

Der Vergleich mit den Nachbarländern zeigt, dass es sich um einen Prozess handelt, der überall zu beobachten ist. Deutschlands Banken stehen mit ihrem Filialrückbau also nicht alleine da. Viele nationale Bankenmärkte haben sich in der jüngeren Vergangenheit einem strukturellen Wandel unterzogen: Spitzenreiter sind demnach die Niederlande, mit einem Rückbau von 60% der Bankfilialen zwischen 2000 und 2015, dicht gefolgt von Dänemark (-53%) und Belgien (-48%). In einer zu Deutschland vergleichbaren Gruppe finden sich Finnland (-32%), Großbritannien (-24%) und Spanien (-21%). Von einem zu drastischen Abbau hierzulande könne demnach keine Rede sein, schreibt das Autorenteam Dr. Michael Schwartz, Thomas F. Dapp, Prof. Dr. Günter W. Beck und Assem Khussainova.

Neue, im Herbst 2017 eröffnete Flagship-Filiale der Commerzbank in Freiburg im Breisgau (Foto: Commerzbank)

Neue, im Herbst 2017 eröffnete Flagship-Filiale der Commerzbank in Freiburg im Breisgau (Foto: Commerzbank)

Auch in den kommenden Jahren wird der Trend zu weniger Filialen anhalten. So sieht Deutschlands Bankenlandschaft im Jahr 2035 aus: Gehe man von einem gleich bleibenden Tempo der Schrumpfung aus, werden im Jahr 2035 über die Hälfte der noch im Jahr 2000 existierenden Filialen geschlossen sein (-52% beziehungsweise -19.600 Standorte). Unterstellt man eine „leichte Erholung“ im Rückbautempo, wären es im Jahr 2035 etwa 34% weniger Filialen. Nimmt man hingegen ein Szenario „verschärfte Ausdünnung“ an, würden im Vergleich zur Jahrtausendwende im Jahr 2035 sogar 60% weniger Filialen existieren (-23.000 Standorte).

Die Digitalisierung wird die Bankenlandschaft auf allen Ebenen weiter beschäftigen, so die Studie: Internet, Blockchain, Data Analytics, Robo Advice und selbst lernende Algorithmen werden als große Trends beschrieben. Weiterhin wird Omnichannel das Thema sein, dass die Retail-Banken umtreibt, und bei dem die Dienstleister zum Zuge kommen dürften. „Ständige Erreichbarkeit, Echtzeitberatung, individuelle Angebote oder Mobilfähigkeit sind nur einige Aspekte, die Kunden mehr und mehr einfordern“, heißt es in der Studie. Die Digitalisierung sei „für viele Institute eine Herkulesaufgabe“.

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern liegt die Filialdichte in Deutschland im Mittelfeld (Grafik: KfW Research)

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern liegt die Filialdichte in Deutschland im Mittelfeld (Grafik: KfW Research)

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