Signage Sunday

Daten und Waren sollen freier und sicherer fließen

- Signage Sunday heute: Freier Daten-Verkehr soll innerhalb der EU die Digitalwirtschaft pushen, Amazon will die Türschlösser der Besteller knacken dürfen – und Big Magenta möchte die Netze sicherer machen. von Thomas Kletschke

Startschuss in Bonn – das SOC der Telekom (Foto: Telekom)

Startschuss in Bonn – das SOC der Telekom (Foto: Telekom)

Signage Sunday berichtet sonntags ab 14 Uhr über die kleinen und großen Ereignisse der Digital Signage-Woche. Mit dem neuen Feature blicken wir auch über den Tellerrand hinaus und beleuchten Trends und Diverses jenseits von 16:9-Signage. Signage Sunday heute.

Schon bald sollen die nicht-personenbezogenen Daten im freien Binnenmarkt „ungehindert fließen dürfen“, wie die EU-Kommission in dieser Woche mitteilte. Die Mitgliedstaaten dürfen damit Organisationen nicht länger verpflichten, Daten an einem Standort innerhalb ihrer Grenzen zu speichern oder zu verarbeiten. Ergänzend zu bestehenden Vorschriften für personenbezogene Daten hat die EU-Kommission eine Reihe neuer Vorschriften für den freien Fluss nicht-personenbezogener Daten in der EU vorgelegt (etwa an dieser Stelle sowie hier zu finden). Damit sollen diese Daten in der gesamten Union gespeichert und verarbeitet werden dürfen. Ziel sei es, die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen zu steigern und die öffentlichen Dienste zu modernisieren. Somit könnten Firmen Cloud-Dienste verstärkt nutzen. „Außerdem können sie ihre betriebseigenen IT-Ressourcen an die kostengünstigsten Standorte verlagern“, so die Kommission weiter. Dies bedeute ein zusätzliches Wachstum des BIP der EU um schätzungsweise 8 Milliarden Euro pro Jahr.

Die Aufhebung von Datenlokalisierungsbeschränkungen gilt der EU-Kommission zufolge „als wichtigste Faktor, damit sich der Wert der Datenwirtschaft bis 2020 auf 4% des BIP verdoppeln“ könne. Nach EU-eigenen und fremden Berechnungen haben AI, IoT, Cloud und weitere digitale Dienstleistungen, die in der „Data Economy“ zusammenfließen, im Jahr 2016 ein Volumen von 60 Mrd. Euro erreicht – gegenüber 2015 eine Zunahme um 9,5%. Im Jahr 2020 könnte dieses Marktvolumen 106 Mrd. Euro erreichen.

In welchem EU-Land nicht-personenbezogene Daten gespeichert werden, ist künftig irrelevant (Foto: Pixabay / frabre)

In welchem EU-Land nicht-personenbezogene Daten gespeichert werden, ist künftig irrelevant (Foto: Pixabay / frabre)

Auch die Logistikbranche treibt die Digitalisierung weiter voran. Zunächst hatte Amazon kürzlich den Vorschlag gemacht, Pakete im Kofferraum von Privat-Pkws von Bestellern abzulegen. Da aber nicht jeder sein Auto auf dem Grundstück lässt, wenn er nicht zuhause ist, ist es wohl eher ein gedanklicher Rohrkrepierer. Jetzt will Amazon – zunächst in den USA – mit Smart Locks den Weg dafür frei machen, dass der Postbote das Paket künftig zuhause ausliefern kann, wenn niemand da ist. Bedeutet: Fremde sollen in Privathaushalten einen Zugang erhalten. Die Lösung, die nach Recherchen des Bayerischen Rundfunks in Deutschland derzeit nicht geplant ist, besteht aus einem digitalen Schloss sowie einer Kamera. Was der potenziell bissige Wachhund (respektive die Kratze-Katze) in der Wohnung wohl davon hält? – Auch wie Versicherungen im Fall des Missbrauchs einer solchen Lösung reagieren würden, ist eine interessante und bislang nicht beantwortete Frage.

Briefkasten – noch ohne Smart Lock (Foto: Pixabay / StfeanHoffmann)

Briefkasten – noch ohne Smart Lock (Foto: Pixabay / StfeanHoffmann)

A propos Datensicherheit und Hacks: In Bonn ging in dieser Woche das integrierte Cyber Defense und Security Operation Center (SOC) der Telekom in Betrieb. Nach Angaben von Big Magenta werden dort täglich 1 Milliarde sicherheitsrelevanter Daten aus 3.000 Datenquellen analysiert – nahezu vollautomatisiert. 1.000 Anfragen bearbeitet die Telekom dort täglich, um ihre Infrastruktur und so die Sicherheit ihrer Kunden zu schützen. Was sie gegen Cyberangriffe auf die eigene Infrastruktur unternimmt, bietet sie auch anderen Unternehmen an. Zuständig dafür ist der Geschäftsbereich Telekom Security.

In Bonn sowie an den Standorten Darmstadt, Kiel, Bad Kreuznach, Leipzig, Budapest, Prag, Madrid und Kapstadt sorgen 200 Mitarbeiter für Cyber Security. Aktuell nutzen nach Konzernangaben mehr als 30 deutsche DAX- und mittelständische Unternehmen die Services. Diese sind 24/7 oder 16/5 nutzbar, auf Wunsch werden dort auch ausschließlich Dienstleistungen aus Deutschland erbracht. Pro Arbeitstag werden alleine 6 Millionen Angriffe auf die extra eingerichteten Honeypots gezählt. Etwa 250 Millionen Euro gibt der Telekommunikationskonzern pro Jahr für IT-Sicherheit aus. Einen Video-Rundgang gibt es an dieser Stelle bei der Tagesschau der ARD zu sehen.

Telekom will die Netze sicherer machen (Foto: Telekom)

Telekom will die Netze sicherer machen (Foto: Telekom)

Einen Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.