Digital Signage im Sektor Bildung

RWTH Aachen setzt in neuem Hörsaalzentrum auf AV-Technik

- An der RWTH ist ein neues Hörsaalzentrum mit 27 Sälen in Betrieb genommen worden – ein Millionen Euro schweres Projekt. Dabei setzt die Kaderschmiede für Ingenieurinnen und Naturwissenschaftler auf ein ausgefeiltes System an umfangreicher Medientechnik. von Thomas Kletschke

Pulte, Projektoren und weitere Technologie stammen von diversen Herstellern (Foto: Guido Erben)

Pulte, Projektoren und weitere Technologie stammen von diversen Herstellern (Foto: Guido Erben)

Zum Jahreswechsel 2015/2016 erhielt AV-Spezialist Studio Hamburg MCI von der RWTH Aachen den Auftrag zur medientechnischen Ausstattung des neuen Hörsaalzentrums in der Classenstraße. Die insgesamt 28 geplanten Hörsäle und Seminarräume wurden mit medientechnischen und elektroakustischen Anlagen auf dem aktuellsten Stand der Technik ausgestattet. Aufgrund der hohen, technischen und logistischen Anforderungen des Projektes, wurden an die Eignungsvoraussetzungen des Generalunternehmers besonders hohe Ansprüche in einem EU-weiten Ausschreibungsverfahren gestellt. Konzeption, Planung, Ausschreibung und Projektleitung, Medien- und Hörsaaltechnik lagen in den Händen des Teams von Erben Engineering.

Voraussetzung für den Zuschlag war Erfahrung im Bau, der Inbetriebnahme und dem Handling der geplanten Technologien, im Besonderen der Projektion mit Edgeblending. Weitere Kriterien waren die Simulation, Ausrüstung und Einmessung der Beschallungsanlage in den zwischen 20 und 1.000 Sitzplätzen großen Hörsälen sowie die Anbindung der Mediensteuerung an die Gebäudeleittechnik und die Errichtung einer Fernwartung für den hochschuleigenen technischen Support.

Für das Projekt wurden für alle Signalübertragungen – Audio, Video, Steuerung, Lichttechnik und IP-Streaming – strukturierte Netzwerke aufgebaut, für die CAT-7 Kupfer- oder LWL Gradientenfaser-Kabel genutzt werden. Die gesamten Steuerungen, das IP-Streaming und die Audioübertragung über AVB und DANTE setzen auf Ethernet-Netzwerke auf. Alle weiteren Dienste wie HDbaseT für die Video-Übertragung in HD/2K/4K/3D nutzen ebenfalls die physikalische Netzwerkinfrastruktur, allerdings unabhängig von Ethernet. Die Signalübertragung erfolgt dabei über Signalmodule, die dem Nutzer die gewünschten AV-Anschlüsse zur Verfügung stellen.

Medientechnik der Hörsäle H01 bis H03

Die drei größten Hörsäle H01-03, mit bis zu 1.000 Sitzplätzen, wurden mit jeweils drei Barco Projektoren mit einer Leuchtdichte von 26.000 ANSI Lumen in Spezialgehäusen zum Schall- und Personenschutz ausgestattet. Zudem verfügen sie über Auto-Calibration-Systeme für ein perfektes Edgeblending. H01 und H02 verfügen über eine gemeinsame Regie und einen Geräteraum, der teilweise auch die Technik des etwas kleineren H03 beinhaltet.

Die Beschallung erfolgt über verteilte Audiomatrizen von Biamp Systems mittels großer Line-Arrays von Alcons und Mikrofonie von Sennheiser. Über mehrere Crestron Mediensteuerungen verteilte Programmierungen und je ein Crestron 32×32 Matrix sorgen für das Signalrouting und die Steuerung aller AV-Komponenten des Raumlichtes und weiterer Gebäudefunktionen.

Eine Guntermann & Drunk KVM, Sony Kameras auf Sachtler Stativen und der Media Master CL4000G von Reach runden das medientechnische Gesamtsystem ab. Letzterer ermöglicht  das Streaming und die Aufzeichnung der Vorlesungen und Veranstaltungen für die VoD-Plattform.

MCIs Crestron-Programmierungen ermöglichen den Dozenten, alle benötigten Geräte für ihre Vorlesungen einfach selbst zu steuern. Bei Bedarf ist zusätzlich über die Regie ein begleiteter Techniker-Betrieb möglich. Für Großveranstaltungen können mehrere Hörsäle zusammengeschaltet werden. Für den Einsatz mit verteilten Experiment-Aufbauten stehen zudem mobile Signalwandler in 21 Flightcases zur Verfügung.

Insgesamt 28 Hörsäle und Seminarräume wurden ausgestattet (Foto: Guido Erben)

Insgesamt 28 Hörsäle und Seminarräume wurden ausgestattet (Foto: Guido Erben)

Medientechnik der Hörsäle H04 bis H11

Die Hörsäle 4-11 verfügen über einen gemeinsamen Geräteraum, wobei die vier Hörsäle 4 bis 7 mit bis zu 214 Sitzplätzen deutlich kleiner sind als die Hörsäle 1-3. Sie verfügen über je zwei Panasonic Projektoren PT-DZ870ELK mit einer Luminanz von 8.500 ANSI Lumen. Die vier kleinsten Hörsäle 8 bis 11 mit je bis zu 150 Plätzen wurden entsprechend mit kleineren Projektoren mit 7.000 ANSI Lumen ausgestattet. Die Beschallung erfolgt ebenfalls jeweils über Audiomatrizen von Biamp mit Lautsprechersystemen von Alcons Audio und Mikrofonie von Sennheiser. Je ein Crestron DMPS3-300-C Mediensteuerung und zwei zentrale Crestron 32×32 Matrizen sorgen für das Signalrouting und die Steuerung aller AV-Komponenten, des Raumlichtes und weiterer Gebäudefunktionen in den Hörsälen 4 bis 11.

Alle Hörsäle wurden mit Visualizern von WolfVision und Wand- sowie Tischanschlussfeldern von ReinPack ausgestattet.

Neben den Hörsälen umfasste der Auftrag auch die Ausstattung von 16 Seminarräumen  mit Panasonic Projektoren, Bose Lautsprechern und Crestron DMPS3-200-C Präsentationssystemen.

Für Crestron war das RWTH Aachen-Projekt ebenfalls ein Großauftrag. So wurden neben fünf 32×32 AV-Matrizen mit 220 Digital Media Ein- und Ausgangskarten auch 46 Tasten- und Touch-Bedienpanel, 59 Digital Media basierte Signalempfänger und -Sender, 27 DMPS Präsentationssysteme, sechs CP3 Mediensteuerungen und weitere Komponenten, sowie die zentrale Fusion Managementsoftware zur Fernwartung und Raumbuchung, integriert. Die auf dem Client-Server-Prinzip basierte Applikation ermöglicht es, Status-Informationen der angeschlossenen Geräte zu sammeln und für den technischen Support übersichtlich raumweise darzustellen. Geräteparamenter wie Betriebszustand, Laufzeit, Betriebsstunden der Beamerlampen, Zeitraum seit der letzten Wartung, sowie der aktuelle Status der Steuerungskomponenten können spezifisch eingesehen werden und vom Administrator auch per Remote geschaltet werden.

Die durch die Studio Hamburg Werkstätten konstruierten und gefertigten Dozentenpulte werden über Multi-Verbinder mit  einem Hartingstecker am jeweiligen Bodentank angeschlossen und können so mit wenig Aufwand für den technischen Support flexibel eingesetzt werden.

MCI verantwortete das 3 Millionen Euro schwere Projekt als Generalunternehmer und führte mit eigenen Ressourcen die Erstellung der Pflichtenhefte und die Programmierung der Mediensteuerungen, die Schallmessung und Simulationen, Montageplanung, Inbetriebnahme, Dokumentation und Schulungen der Nutzer durch.

Die Abnahme erfolgte zum Beginn des Jahres 2017. Die neuen Räume nahmen Ihren Betrieb zu Beginn des Sommersemesters auf.

Leinwand in einem der neuen Hörsäle der RWTH Aachen (Foto: Guido Erben)

Leinwand in einem der neuen Hörsäle der RWTH Aachen (Foto: Guido Erben)

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