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eyevis in der Insolvenz – das verraten die Zahlen

- Bestandsgefährdet: Seit zwei Jahren taucht das Wort in den Abschlüssen von eyevis auf. Bis Ende 2017 gaben die Banken Finanzierungszusagen – natürlich gegen Sicherheiten, zu denen auch die Patente gehören. Trotz Restrukturierung musste eyevis nun Insolvenz anmelden. Das zeigen auch die Kennzahlen. von Thomas Kletschke

Mit eyevis-Videowalls ausgestatteter Schulungsraum bei der Erbe Elektromedizin GmbH (Foto: eyevis)

Mit eyevis-Videowalls ausgestatteter Schulungsraum bei der Erbe Elektromedizin GmbH (Foto: eyevis)

Es hat nicht mehr gereicht. Offenbar konnten auch höhere Umsätze eyevis nicht mehr retten. Zumindest in seiner bisherigen Form. Denn der AV-Spezialist war bilanziell überschuldet und die Kreditzusagen der Banken gaben von 2014 bis Ende 2017 Zeit, das Ruder noch herumzureißen. Dennoch besteht Hoffnung, dass die Firma, deren Geschäfte weiter gehen und Aufträge weiter bearbeitet werden, es noch schaffen kann. Auch die Gläubiger haben daran ein Interesse. Doch der Prozess gleicht einer Operation am offenen Herzen.

Was zeigen die bislang im elektronischen Bundesanzeiger veröffentlichten Abschlüsse der eyevis Holding GmbH und der eyevis Gesellschaft für Projektions- und Großbildtechnik GmbH, die nun beide in die Insolvenz gegangen sind?

Drohende Deckungslücke ab Februar 2018

Laut letzten Firmenangaben gegenüber der Lokalredaktion Reutlingen des „Schwäbischen Tagblatts“ droht eyevis ab Februar 2018 eine „Deckungslücke in sechsstelliger Höhe“. Und gemäß den im Bundesanzeiger veröffentlichten Abschlüssen für die Geschäftsjahre 2014 und 2015 – aktuellere sind nicht hinterlegt – gab es eine bilanzielle Überschuldung, zuletzt einen nicht gedeckten Jahresfehlbetrag von rund 15 Millionen Euro sowie Ansagen von Seiten der Banken, die bis Ende 2017 gewährten Kredite dafür zu nutzen, einen begonnenen „Restrukturierungsprozess, der sich auf die gesamte eyevis Gruppe erstreckt“ erfolgreich umzusetzen. Der Jahresfehlbetrag ist nicht mit einem Verlust gleichzusetzen.

Seit Mitte 2014 war zudem ein Haftungsrahmen in Millionen-Euro-Höhe vereinbart worden. Ein solcher entsteht beispielsweise dadurch, dass Lieferanten Sicherheitsgarantien für mögliche Ausfälle in der Zukunft zur Bedingung machen. Das hatte die Holding für die eigentliche Gesellschaft übernommen, wie es im Abschluss für das Jahr 2015 heißt: „Die eyevis Holding GmbH unterliegt gemäß eines Schuldbeitritts vom 25.6.2014 einer gesamt schuldnerischen Mithaftung für sämtliche gegenwärtigen, künftigen und bedingten Ansprüche, die den Kreditgebern der eyevis Gesellschaft für Projektions- und Großbildtechnik mbH, Reutlingen, aus deren Kreditverträgen zur vorgenannten Gesellschaft gegen diese zustehen. Der Haftungsrahmen beträgt EUR 8,0 Mio.“ Umgekehrt bestand ein Gewinabführungsvertrag zwischen der operativ tätigen Gesellschaft und der Holding. Ende Juli 2016 – also zur Abfassung des Jahresabschlusses für 2015 – notierte die Holding: „Aufgrund der positiven Umsetzung des Ertragssteigerungs- und Wachstumskonzepts ist mit einer Haftungsinanspruchnahme derzeit nicht zu rechnen.“

Anstieg der Umsatzerlöse von 2014 bis 2016

Im Kalender- und Geschäftsjahr 2014 betrugen die bei der Holding verbuchten Umsatzerlöse laut Bundesanzeiger 1,309 Millionen Euro. Im Jahr 2013 wurden demnach 1,228 Millionen Euro erlöst. Konkrete Umsatzerlöse für die Jahre 2016 oder 2015 hat eyevis im Bundesanzeiger nicht veröffentlicht – allerdings hatte eyevis im Februar 2017 per Pressemitteilung mitgeteilt: „Nach Jahren stagnierender Umsatzzahlen in 2013 und 2014, konnte die eyevis Gruppe im vergangenen Jahr den Umschwung aus 2015 fortführen und hat am Ende des Jahres ein dickes Plus zu verzeichnen. Mit einer Steigerung von 17% gegenüber dem Vorjahresergebnis konnte 2016 deutlich über Plan abgeschlossen werden.“

Demnach lagen die Umsatzerlöse der Gruppe, beziehungsweise Holding, bei mindestens, respektive mehr als, 1,31 Millionen Euro. Damit wären die Umsatzerlöse im Jahr 2016 in einer Größenordnung von mindestens 1,533 Millionen Euro anzusetzen.

Minus in Madrid, positive Zahlen in Frankreich

Wo es definitiv nicht rund lief, dass war in der spanischen eyevis. Die in Madrid ansässige eyevis Visual Solutions S.L. ist eine 100%-ige Tochter der eyevis Gesellschaft für Projektions- und Großbildtechnik GmbH. Deren Jahresfehlbeträge hatten sich von 89.000 Euro im Jahr 2014 auf ein Minus von gut 186.000 Euro im Jahr 2015 mehr als verdoppelt. Angesichts der schwierigen Lage der AV-Branche in dem Land verständlich. Die französische Tochter eyevis France S.A.S. mit Sitz in St. Affrique (Anteil seit 2015: 75%) dagegen hatte in den Jahren 2014 und 2015 Jahresüberschüsse von 48.000 Euro beziehungsweise 86.000 Euro ausgewiesen.

Trotz der Schwierigkeiten, in denen das gesamte Unternehmen nun steckt: Zusammen mit einer Beratungsgesellschaft wird in einem Mergers and Acquisitions-Prozess nach Firmen gesucht, die eyevis übernehmen oder weiterführen wollen.

Patente und Forschung

Der Spezialist aus Reutlingen selbst hatte in den vergangenen Jahren – das zeigen die Jahresabschlüsse der eyevis Gesellschaft für Projektions- und Großbildtechnik GmbH – großen Wert auf eigene Forschung und Entwicklung gelegt. Eine F&E-Truppe von etwa 20 Leuten arbeitete an Neuentwicklungen. Das waren stets etwa 1/6 des Personalbestands. Investiert wurden jeweils Hunderttausende Euro.

Mit Innovationen wie eyeUNIFY,einer Open Source-Videwall-Management-Software, LED-Modulen mit 0,9 mm Pixel Pitch (gemeinsam mit Unilum) und weiteren Entwicklungen überzeugte der Hersteller auf der ISE 2016. Ein Jahr später brachte der Hersteller auf der ISE 2017 DLP Rear Projection Cubes mit der stromsparenden TRP-Architektur von Texas Instruments auf den Markt.

Ein besonders wertvoller Schatz bei eyevis sind die eigenen Patente. Zu den Garantien, die eyevis seinen Banken gegeben hatte, zählte laut dem Abschluss der Projektions-Gmbh auch die „Verpfändung sämtlicher bestehender und künftiger gewerblicher Schutzrechte (Patente, Markenrechte etc.) inklusive Abtretung von Ansprüchen aus Lizenzverträgen.“

In welcher Form das Unternehmen, das auch auf der ISE 2018 ausstellen und seine Neuheiten zeigen wird, weiterleben wird, ist gleichwohl noch offen. Aber: Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

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