Mit dem wachsenden Digital Signage-Markt verändern sich auch die Bedürfnisse der Kunden und die Anforderungen an die Anbieter von Soft- und Hardware. Gerade die Software muss immer mehr Funktionen erfüllen und auf die Technik abgestimmt sein, um dem Bedarf gerecht zu werden.

Für Software-Anbieter und –Entwickler heißt das, schnell zu reagieren und neue Versionen und Updates zu erstellen. Welchen Anforderungen und auch Herausforderungen die Hersteller zurzeit gegenüberstehen, erläutert Screenfood-Geschäftsführer Pierre Farine.

ScreenFOOD

Pierre Farien, Gründer und Geschäftsführer der schweizer Software Anbieters ScreenFOOD

Herr Farine, wenn Sie fünf Jahre zurückblicken, wie hat sich die Software für Digitale Signage verändert?

Pierre Farine: Die Anforderungen an Software sind heute marktspezifisch, früher dagegen kamen sie von den Systemintegratoren. Die Software-Bauteile waren Komponenten, heute sind Gesamtlösungen gewünscht und die Integration soll möglichst einfach und automatisiert erfolgen.

Also sind heute eher Standardlösungen gefragt?

Pierre Farine: Standard bedeutet, dass die Integration möglichst wenig Aufwand erfordert. Das ist von Kundenseite gewünscht. Auf der anderen Seite aber sollen die Lösungen auch maßgeschneidert sein. Hier sehe ich ein großes Spannungsfeld: Preiswerte und trotzdem individuelle Standardlösungen. Eine rein individuelle Lösung wäre viel zu teuer, bei reinen Standardlösungen sind die Kunden enttäuscht.

Wie ist der Spagat zu schaffen?

Pierre Farine: Man muss es eingrenzen und sich auf einen bestimmten Markt fokussieren. Man kann nicht alles bieten, das wäre nicht effizient. Mit der Software heute funktioniert es ähnlich wie zum Beispiel mit Power Point. Dort werden unheimlich viele Funktionen angeboten. Der Kunde kann sie nutzen oder auch nicht. Tut er es nicht, funktioniert das Programm trotzdem, eben als Standard.

Die Kunden möchten individuelle Lösungen und verschiedene  Funktionen. Sie wissen also genau, was sie brauchen?

Pierre Farine: Mehr als noch vor ein paar Jahren. Trotzdem stehen wir unseren Kunden und Partnern beratend zur Seite und setzen uns mit den Endkunden an einen Tisch, um die Bedürfnisse zu verstehen und die besten Lösungen zu definieren. Der Markt ist noch jung und die Kunden müssen ihn erst einmal verstehen, also das was wir heute bereits in der Lage sind zu machen. Wir probieren ständig Neues aus und schauen über den Tellerrand, um innovativ zu bleiben und immer wieder neue Lösungen anzubieten. Das ist unser Erfolgsrezept.

Interaktivität ist ein großes Thema in der Branche. Welchen Stellenwert hat es für Sie?

Pierre Farine: Wir waren früher ein Multimedia-Unternehmen, aus  welchem die screenFOOD AG entstanden ist. Das heißt, wir bieten interaktive Lösungen schon lange an.  Aktuell haben wir fertige Lösungen in Form von unseren Apps, welche unsere Partner selbst entwickeln können. Dieser Geschäftsbereich ist für uns zurzeit sehr wichtig und die Anfragen steigen. Vor vier Jahren dagegen war das überhaupt kein Thema, obwohl wir es damals schon konnten.

Wird die Nachfrage nach Interaktivität für Digital Signage noch weiter zunehmen?

Pierre Farine: Absolut. Dabei ist es völlig egal, ob die Interaktion mit dem Handy, Tablet-PC oder einem Bildschirm stattfindet oder gar von einem Sensor aktiviert wird. Vor allem ist es wichtig zu wissen, wer, wann, was und wie oft abruft. Nur so ist zielgruppenspezifische Kommunikation möglich. Jedes Digital Signage-Display wird zum Hot Spot und damit zum Kundenerlebnis.

Wie kann ich mir das vorstellen?

Pierre Farine: In einer Bank zum Beispiel lassen Sie sich beraten. Zusätzlich zu den Papierausdrucken bekommen Sie die Informationen aufs Handy. Am Schalter oder einem interaktiven Terminal können Sie sie dann wieder abrufen. Gleiches funktioniert in Shops. Sie fotografieren zum Beispiel einen QR-Code und erhalten die gewünschten Informationen. Diese zieht der Verkäufer an einem Touch- oder gestengesteuerten Screen wieder hervor um sie weiter zu nutzen. Diese Integration schreitet in der Game-Welt rasant voran und ich denke, dass sie sich innerhalb von fünf Jahren auch auf dem Digital Signage-Markt durchsetzt.

Wie muss sich die Software daran anpassen?

Pierre Farine: Es müssen neue, integrative  Funktionen hinzukommen, beispielsweise  die dynamische Content-Erstellung und die dynamische profilbasierte Verteilung von Inhalten. Zudem werden intelligente Buchungstools und Lokalisierungsoptionen mehr und mehr zum Zuge kommen. Die Customer Journey soll zu einem gesamtheitlichen Erlebnis werden, unabhängig vom Medium, das heißt vom privaten TV-Gerät zu Hause, über DooH im Außenbereich bis hin zum Bildschirm im Supermarkt, zum Beispiel an der Waage. Auch die einzelnen Kommunikationskanäle werden künftig in einem Shop ganzheitlich mittels einer einzigen Software orchestriert, so wie wir es heute bereits erfolgreich praktizieren können.

Vielen Dank für das Gespräch!

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