Branchenreport Lebensmittelhandel Teil IV, Seite 1

Herr Vaglio-Giors, können Sie zu Beginn einige Wort über die Anfänge von Neo Advertising sagen?

Christian Vaglio-Giors, CEO Neo Advertising

Christian Vaglio-Giors, CEO Neo Advertising

Christian Vaglio-Giors: Ziel und Aufgabe von Neo Advertising ist es, ein paneuropäisches digitales Out-of-home-Netzwerk mit digitalen Displays, die online verbunden sind, zu betreiben. Mein Partner Alexandre de Senger und ich haben Neo Advertising 2003 in Genf in der Schweiz gegründet. Wir waren beide damals in der Bankenbranche tätig, auch international. Einer meiner damaligen Kunden stammte aus dem Einzelhandel und somit war ich mit dieser Branche schon sehr vertraut. Er begann frühzeitig, Bildschirme in seinen Outlets zu installieren. Das war mein erster Kontakt mit Digital Signage und ich war sofort begeistert. Von dem Zeitpunkt an hatte ich die Vision, dass eines Tages alle Bildschirme mit einander vernetzt sind und die Inhalte zentral geändert werden können – also Angebote auf den Bildschirmen in Verbindung mit dem Warenwirtschaftssystem zu steuern und Kampagnen starten zu können.

Wir haben dann ein Unternehmen für den Roll-out solcher Systeme in der Schweiz gegründet. Basis war ein sehr flexibles Geschäftsmodell. Im ersten Schritt verkauften wir die Systeme an Retailer und Immobilienbesitzer. Sehr schnell erkannten wir, dass der Verkauf von Bildschirmen und Hardware ein sehr schwieriges Geschäft ist und es viel zu lange dauern würde, ein Netzwerk aufzubauen, das man Werbekunden anbieten kann.

Anfang 2004 beschafften wir uns Kapital, um eigene Displays im Retail-Bereich zu finanzieren. Gestartet sind wir dann in Genf mit Shopping Malls, um danach in den deutschsprachigen Teil der Schweiz zu expandieren. Sehr schnell konnten wir einen Vertrag mit Coop, Nummer zwei im Schweizer Einzelhandel und wichtigster Retail-Immobilienbesitzer, schließen. Als Nächstes kamen dann Carrefour und Migros, die Nummer eins in der Schweiz, hinzu.

Im Laufe des Jahres gewannen wir an Fahrt und waren in der Lage 1000 Displays jährlich auszuliefern. Es war damals der richtige Zeitpunkt, um sich für die Netzwerkbetreiberstrategie mit eigener Infrastruktur zu entscheiden.

Gab es zu dieser Zeit bereits Wettbewerber in der Schweiz?

Christian Vaglio-Giors: Es gab eine Einzelhandelsinitiative im Zusammenhang mit den Tamoil-Tankstellen und das Poststellennetzwerk. Aber es war kein harter Wettbewerb. Für uns war es sogar positiv, denn als wir zu den Agenturen gingen, waren diese bereits mit den Einzelheiten und der Digital-Signage-Technologie vertraut. Die Grundlagenarbeit war also schon erledigt worden.

Wie unterscheidet sich Neo Advertising vom Wettbewerb?

Christian Vaglio-Giors: Unser Ziel war es, eine einfache Lösung und ein einfaches Business-Modell anzubieten. Unser Ursprung liegt näher am Media Business als an der Technologie. Somit kommunizierten wir in der Sprache der Agenturen und Werbetreibenden. Unsere Wettbewerber sprachen über Technologie – wir über Impact und CPM (cost per mille). Das haben die Agenturen verstanden. Denn Media-Einkäufer müssen die Visionen verstehen, sonst kaufen sie nicht. Das war definitiv ein neuer Ansatz: „make it simple – a standard screen for standard formats“ (ganz einfach – ein Standardscreen für Standardformate“).

Warum wählten sie Broadsign als Software-Partner?

Christian Vaglio-Giors: Als wir begannen, gab es noch keine etablierte Technologie auf dem Markt. So entschieden wir uns dafür, etwas Eigenes zu entwickeln. Wir kauften ein kleines Stück Software, das sehr einfach zu nutzen war, um eine Playlist zu erstellen und diese an den Mediaplayer zu senden. Ursprünglich war diese Software für Conferencing-over-IP gedacht. Von dieser Basis aus entwickelten wir einige Module und schlussendlich unsere eigene Softwarelösung.

Nach einem Jahr stellten wir allerdings fest, dass wir 20 % unserer verfügbaren Zeit damit verbrachten, die Software zu testen und unser Entwicklungsteam zu koordinieren. Aber genau das wollten wir nicht.

Wir begannen den Markt zu sondieren. Testeten etwa 50 Softwarelösungen und entschieden uns dann für Broadsign. Als Netzwerkbetreiber haben wir im Vorfeld immer einen großen Investitionsaufwand (Capex). Broadsign ermöglichte es uns, diesen Aufwand zu reduzieren. Es ist eine sehr zuverlässige und skalierbare Lösung; wir erhalten aufgrund unseres Volumens (installierte Basis) ein extrem gutes Preis-Leistungsverhältnis. Das ist unschlagbar, und kein anderer Anbieter kann damit konkurrieren.