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Mal wieder ‘nen Bruch machen – wenn die Tele-Finken zwitschern

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- Bevor es sich versendet: Die Vögel pfiffen es in den letzten Tagen von den Dachantennen. Es gab einige bemerkenswerte Jahrestage in der TV-Technikhistorie. Da auch wir mal einen Röhrenkubus von Telefinken – pardon: Telefunken – unser Eigen nennen durften, nehmen wir Sie mit auf die Zeitreise: mit Margit Schaumäker, in den Hochbunker Hamburg und mit Walter Bruch. Schauen wir kurz zurück auf DFF, NWDR, PAL – und SECAM. von Peter Beck

Ein Ständchen für das "Bruch-System" PAL (Bayerisches Landeskriminalamt/ Polizei Bayern)

Ein Ständchen für das “Bruch-System” mit Namen PAL (Foto: Bayerisches Landeskriminalamt/ Polizei Bayern)

Noch bis in die späten 1980er Jahre reproduzierten es – zumindest im Westen der Republik – sogar die Politik-Lehrbücher in der Mittelstufe: Die Welt war – abgesehen von Neutralen, Blockfreien und so – nicht bloß in Ost/ Rot und West/ Blau geteilt. Nö: In der ansonsten recht klar bipolaren Welt gab es ooch noch SECAM versus PAL.

Wobei sich die Franzosen mal wieder so eine – grafisch als gestrichelt dargestellte Fläche in ebenjenen Politikbüchern – Extrawurst brieten. Sie waren nicht nur so halb NATO, schlimmer noch: sie guckten Fernsehen in SECAM – so wie der Osten, samt Albanien. Na ja, wer kein Graubrot kennt – und auch noch so rot ist, das müssen die resistenten Gallier gleich nebenan von Kleinbonum sein.

Rocken das NTSC: der Deutschmann der Franzosen und Walter Bruch 

Klar: Wer über eigene Kurzstrecken-Atomraketen verfügt, die spätestens kurz hinter Kehl oder Trier einschlagen – der hat auch seine eigene TV-Norm. Immerhin ging “Séquentiel couleur à mémoire” (SECAM) auf einen Mann mit dem schönen Namen Henri Georges de Franc zurück. Sozusagen: der Heinrich Deutschmann der Franzosen. Er stellte 1956 sein SECAM vor, dass das US-amerikanische NTSC übertrumpfen sollte. Der Weltkrieg war Geschichte – und Handelskriege waren in der guten alten Zeit eher kleine Scharmützel, über die heutige Patentanwälte nur müde lächeln. Gleichwohl: das berühmt-berüchtigte “SECAM-Feuer“ geht auf Henri Georges de Franc zurück.

Ein Einbruch ist noch kein PAL (Foto: polizei-bertaung.de)

Ein Einbruch für sich ist noch kein Durchbruch, respektive PAL (Foto: polizei-beratung.de)

Der teutonische Konter auf sein französisches und auch “im Osten” übernommenes SECAM folgte auf dem Fuße. Also: ein paar Jahre später. Walter Bruch entwickelte – bei Telefunken in Hannover, dessen Standort seit einiger Zeit schlimmer als eine verlassene sibirische Silbermine vor sich hinschimmelt – das PAL-Fernsehsystem, das er gestern vor 50 Jahren bei der EBU vorstellte. Wobei PAL für “Phase-Alternation-Line” steht.

De Franc und Bruch ruhen nun schon längst in Frieden – und ohne sie wäre das in 24 oder 25 Frames per Second versendete Weltgeschehen nur in weniger Zeilen, mit mehr Phasenfehlern oder bloß in ekligen Farbartschwankungen abbildbar.

Wo wir gerad’ so sentimental gestimmt sind: Auch einige weitere Jubiläen wollen kurz angerissen werden. Ohne Norm keine Sendung. Und ohne Inhalte keinen schwarz-weiße, graue oder farbige Taube auf der Satellitenschüssel, die die Norm auch nur einen Spatzen schert.

DFF-Girl der ersten Stunde: Margit hat die Nase vorn

Die ersten deutschen TV-Sendungen im regulären Betrieb starteten vor gut 60 Jahren. Knapp die Nase vorn hatte “der Osten”. Margit Schaumäker ging am 21. Dezember 1952 live – vier Tage vor dem NWDR, der aus seinem Hochbunker in Hamburg startete. Etwa einen Monat vor dem Jubiläum verstarb Schaumäker, die bereits Anfang Oktober 1952 mit den Worten “Hier ist das Versuchsprogramm des Fernsehzentrums Berlin“ die Ära des Fernsehens im Osten Deutschlands einleitete. Die Ansagerin des späteren DFF (Deutschen Fernsehfunks) war erstes gesamt- und ost-deutsches TV-Aushängeschild als Ansagerin und verstarb Ende November 2012.

Innovationsmäßig gesehen keine ruhige Kugel schieben: Billardzimmer in Paris (Foto: Prèfecture de police)

Innovationsmäßig gesehen keine ruhige Kugel schieben: Billardzimmer in Paris (Foto: Préfecture de police)

Wir finden: Man muss nicht gleich die Scheibe von Bebra oder die Paul Nipkow’sche Scheibe hervorzaubern – und kann dennoch kurz innehalten. Und Rollende-Steine-mäßig shouten:

“Well:
How does it feel
To be without a home
Like a complete unknown
Like a rolling stone?”

Und – totally unknown – darauf bau’n, dass diese Steine weiterrollen. Mal nicht im Dienste von Krieg und Politik. Und darauf, dass der ein oder andere Spatz sein kurzes “Danke” tschilpt, von den Antennen und Schüsseln. Oder das ein oder andere Team nur kurz eine ruhige Kugel schiebt – und dann einen neuen technologischen (Durch-)Bruch macht. Oder eine percée. Anywhere.

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